
Gas-Alarm vor dem Winter: Berlin kauft sich für 245 Millionen Euro Ruhe

Deutschlands Gasspeicher gehen deutlich leerer als im Vorjahr in die Heizsaison. Der Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe (THE) hat deshalb am Freitag die Zuschläge für zusätzliche Gaslieferungen erteilt. Die Absicherung kostet insgesamt knapp 245 Millionen Euro. Gedacht ist das Geld als Notgroschen für die kritischen Monate Februar und März 2027.
Speicher halbleer statt randvoll
Die Zahlen sind unbequem. Am 21. Oktober waren die deutschen Speicher nur zu 61,1 Prozent gefüllt, das entspricht laut Bundesnetzagentur rund 151 Terawattstunden. Ein Jahr zuvor lag der Füllstand am selben Tag noch bei 75,4 Prozent.
Der Vergleich mit früheren Jahren fällt noch schlechter aus. Medienberichten zufolge liegt der aktuelle Wert rund 27 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2021. Insgesamt können die Speicher etwa 250 Terawattstunden aufnehmen. Ein großer Teil davon bleibt in diesem Herbst leer.
Woher die Millionen kommen
Die Rechnung hat zwei Posten. Wie THE auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters mitteilte, kosten allein die Sonderausschreibungen für Februar und März 2027 rund 107 Millionen Euro. Dazu kommen etwa 137 Millionen Euro für die regulären Ausschreibungen. Mit diesen sichert THE jedes Jahr Gasmengen für mögliche Engpässe im Netz ab.
Die Sonderrunde geht auf Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zurück, die angesichts der niedrigen Füllstände die Versorgungssicherheit erhöhen will. Berichten zufolge hat ihr Ministerium im Oktober außerdem einen Gesetzentwurf für eine staatliche Gasreserve vorgelegt. Für den kommenden Winter spielt diese Reserve aber noch keine Rolle.
Behörde beruhigt, Experten rechnen nach
Die Bundesnetzagentur gibt sich gelassen. In ihrem Lagebericht vom 22. Oktober nennt sie die Versorgung stabil und die Gefahr einer angespannten Lage gering. Die schwachen Füllstände nehme sie aber „sehr ernst“. Nach ihrer Darstellung muss das Füllstandsziel zum November nicht zwingend erreicht werden. Entscheidend sei das Zusammenspiel aus Pipeline-Importen, LNG, Speichern und Nachfrage.
Für Entwarnung reicht das nicht. Nach Szenarien der Speicherbranche, über die Fachmedien berichten, genügen 77 Prozent am 1. November für einen normalen Winter. In einem Kältewinter wie 2010 könnten im Januar und Februar 2027 dagegen bis zu zwei Terawattstunden pro Monat fehlen. Und dabei geht man von einem Startwert aus, der noch über dem aktuellen Stand liegt.
Der Nahe Osten treibt die Preise
Hinzu kommt die Weltlage. Die Bundesnetzagentur verfolgt nach eigenen Angaben aufmerksam die Entwicklung im Nahen Osten, die sich bereits auf die europäischen Großhandelspreise auswirkt. Seit dem 1. Juli 2025 gilt die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas. Die Behörde mahnt weiterhin, sparsam mit Gas umzugehen.
Teure Lehre aus der Energiekrise
Vier Jahre nach dem Gasschock von 2022 muss der Staat also wieder mit Steuer- und Netzgeld nachhelfen, damit im Spätwinter die Heizungen laufen. Die Bundesnetzagentur erklärt, die Händler hätten aus Kalkül zurückhaltend eingespeichert. Wer Gas so knapp kalkuliert, verlässt sich darauf, dass am Ende der Staat einspringt. Das kann man Marktlogik nennen oder auch schlechte Vorsorge.
Für Bürger und Betriebe bleibt die Lage unsicher: Kommt ein milder Winter, fällt das alles kaum auf. Wird es kalt, steigen die Preise. Wer für sich selbst vorsorgt, setzt deshalb nicht nur auf das Versprechen der Politik. Physisches Gold und Silber gelten vielen als Ergänzung zur Vermögenssicherung in einem breit gestreuten Portfolio, weil sie unabhängig von Gasspeichern und Ausschreibungen ihren Wert behalten können.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser muss eigenständig recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.

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