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Fusions-Durchbruch auf dem Papier: Erst heizen, dann verdichten!

Fusions-Durchbruch auf dem Papier: Erst heizen, dann verdichten!
Symbolbild: KI-generiert

Physiker des Princeton Plasma Physics Laboratory (PPPL) in den USA wollen einen sparsameren Weg zur Zündung eines Fusionsplasmas gefunden haben. Ihre Berechnungen erschienen im September 2026 in der Fachzeitschrift Physical Review Letters, Anfang Oktober stellte das Labor sie öffentlich vor. Der Trick steckt in der Reihenfolge: Das Plasma soll zuerst heiß werden und danach dichter. Eine echte Revolution ist das allerdings nur auf dem Papier, denn ein Experiment gibt es bisher nicht.

Eine Formel aus den 1950ern bekommt ein Update

Das Team um Luis Delgado-Aparicio, Masayuki Ono und Jonathan Menard hat sich das Lawson-Kriterium vorgenommen. Seit gut 70 Jahren gibt diese Gleichung an, wie heiß und wie dicht ein Plasma sein muss und wie lange es seine Energie halten muss, damit die Fusion von selbst weiterbrennt. Dieser Punkt heißt Zündung.

Die Formel beschreibt also das Ziel. Wie man am besten dorthin kommt, verrät sie nicht. Genau diese Lücke wollen die Princeton-Forscher schließen.

Delgado-Aparicio vergleicht das laut der Mitteilung des Labors mit einem Gebirge. Viele Unternehmen wollten frontal über den Gipfel und verbrauchten dabei enorm viel Energie. Klüger sei es, den Berg zu umgehen: Man lande am selben Ort und brauche deutlich weniger Energie. Übersetzt heißt das: Statt den Brennstoff zuerst zu verdichten und dann zu erhitzen, dreht man die Reihenfolge um. So könnte weniger Heizleistung von außen nötig sein.

Wolfram: der unsichtbare Saboteur im Reaktor

Ernüchternd ist dagegen, was die Studie über Verunreinigungen zeigt. Viele geplante Anlagen kleiden ihre Innenwände mit Wolfram aus, weil das Metall extreme Hitze aushält. Lösen sich aber Wolframatome und geraten ins Plasma, strahlen sie Energie ab und kühlen es.

Dafür reicht schon eine winzige Menge. Ein Wolframatom auf zehntausend Teilchen kann den nötigen Zünddruck ungefähr verdoppeln. In realistischer dreidimensionaler Reaktorgeometrie würde der Druck womöglich sogar über die Stabilitätsgrenzen des Plasmas steigen.

Neu ist vor allem, dass das Modell vier Effekte gemeinsam betrachtet, die bisher meist einzeln untersucht wurden:

  • Helium-„Asche“ aus der Fusionsreaktion selbst
  • leichte und schwere Verunreinigungen wie Wolfram
  • Synchrotronstrahlung
  • Wärmeverluste durch den Energietransport aus dem Plasma

Ono soll es so zusammengefasst haben: Lasse man diese Effekte weg, wirke ein Entwurf tauglich. Nehme man sie hinein, sehe das Bild ganz anders aus.

Verluste mit Nebennutzen

Eine überraschende Erkenntnis gibt es auch. Dieselben Energieverluste, die die Zündung erschweren, bremsen offenbar ein unkontrolliertes Aufheizen des Plasmas. Unter bestimmten Bedingungen entstehen dadurch stabilere Betriebszustände.

Als mögliche Gegenmittel nennen die Forscher Beschichtungen aus flüssigem Lithium, die weniger Wolfram ins Plasma lassen sollen. Dazu kommt spinpolarisierter Brennstoff, also Atomkerne mit gezielter Ausrichtung. Ein Fusions-Start-up hat dazu kurz nach der Veröffentlichung bereits eine Folgearbeit vorgelegt. Beide Ansätze müssen technisch aber erst noch entwickelt werden.

Strom aus der Steckdose? Noch lange nicht

Die Ergebnisse beruhen bisher allein auf Berechnungen. Als Nächstes sind weitere Computersimulationen geplant, Experimente kommen erst danach. Selbst eine gezündete Plasmaflamme macht noch kein Kraftwerk: Die Anlage muss dauerhaft mehr Energie liefern, als sie insgesamt verbraucht. Dafür braucht sie robuste Materialien, leistungsfähige Kühlung und eine sichere Versorgung mit dem knappen Tritium.

Der Nutzen ist also vorerst ein ökonomischer. Nach Onos Worten sind Fusionsexperimente teuer, und Fehler, die man vorher hätte erkennen können, will niemand bezahlen. Wie teuer Fehlplanungen werden können, zeigen jahrelange Verzögerungen und Kostensteigerungen bei Großprojekten wie dem internationalen Versuchsreaktor ITER in Frankreich.

Und Deutschland?

Für Deutschland ist das Thema brisant. Die schwarz-rote Koalition hat sich vorgenommen, das erste Fusionskraftwerk der Welt nach Deutschland zu holen. Gleichzeitig wurden die letzten funktionierenden Kernkraftwerke abgeschaltet. Strom aus Fusion soll irgendwann die Lücke schließen, doch heute liefert die Technologie keine einzige Kilowattstunde kommerziellen Strom.

Das ist eine hoffnungsvolle Wette auf die Zukunft. Bis sie aufgeht, zahlen deutsche Haushalte und Betriebe weiter einige der höchsten Strompreise Europas.

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