
Flucht aus Private Credit: Wenn Anleger verzweifelt nach dem Notausgang suchen

Der Traum vom schnellen Geld in der Welt der privaten Kreditfonds verwandelt sich für zahlreiche Anleger gerade in einen Albtraum. Was jahrelang als lukrative Alternative zu klassischen Anleihen angepriesen wurde, entpuppt sich nun als das, was kritische Beobachter schon lange befürchtet hatten: eine Liquiditätsfalle, aus der es kein leichtes Entkommen gibt. Die mittlerweile auf rund 3 Billionen US-Dollar angeschwollene Private-Credit-Branche steht vor einer Bewährungsprobe, die das Zeug hat, weit über den Sektor hinaus Schockwellen zu senden.
Rücknahmen eingeschränkt – Anleger sitzen fest
Reihenweise haben Vermögensverwalter in den vergangenen Wochen die Rücknahme von Anteilen an sogenannten semi-liquiden Private-Credit-Fonds eingeschränkt. Die Sperren, im Fachjargon „Gates" genannt, seien „links, rechts und in der Mitte hochgegangen", wie Sunaina Sinha Haldea, globale Leiterin der Private Capital Advisory bei Raymond James, gegenüber CNBC erklärte. Und sie würden weiter zunehmen.
Besonders drastisch traf es den Flaggschiff-Fonds von Cliffwater. Der Cliffwater Corporate Lending Fund sah sich mit Rücknahmeanträgen von 14 Prozent konfrontiert – eine Zahl, die bei illiquiden Anlageprodukten schlicht nicht bedient werden kann, ohne die gesamte Struktur zu gefährden. Die Firma, die rund 70 Milliarden Dollar an zugesagtem privatem Fremdkapital verwaltet, erklärte sich bereit, etwa 7 Prozent der Fondsanteile selbst zurückzukaufen. Auch Morgan Stanley musste bei seinem 7,6 Milliarden Dollar schweren Northaven Private Income Fund die Reißleine ziehen, nachdem die Rücknahmeanträge im ersten Quartal auf 11 Prozent emporgeschnellt waren.
Der Sekundärmarkt als vermeintlicher Rettungsanker
Inmitten dieser zunehmend nervösen Stimmung zeichnet sich ein möglicher Ausweg ab – zumindest für jene, die bereit sind, erhebliche Abschläge in Kauf zu nehmen. Ein wachsender Sekundärmarkt, auf dem Anleger ihre Anteile an Private-Credit-Fonds an andere Käufer weiterverkaufen können, könnte als eine Art Druckventil fungieren.
Besonders prominent tritt dabei Saba Capital auf, der aktivistische Hedgefonds von Boaz Weinstein. Gemeinsam mit Cox Capital Partners lanciert Saba Übernahmeangebote für Anteile an verschiedenen privaten Kreditvehikeln – darunter auch solche, die von Blue Owl Capital verwaltet werden. Konkret plant Saba, 6,9 Prozent der Anteile an der nicht börsennotierten Blue Owl Capital Corporation II zu einem Preis von 3,80 Dollar pro Aktie in bar zu erwerben. Man muss kein Mathematikgenie sein, um zu erahnen, dass dieser Preis deutlich unter dem liegt, was sich die ursprünglichen Anleger einst erhofft hatten.
„Sie werden immer mehr Nutzung des Sekundärmarktes sehen, um Ausstiegsmöglichkeiten aus einigen dieser semi-liquiden Vehikel zu schaffen, bei denen Privatanleger möglicherweise nicht verstanden haben, dass es sich um illiquides Papier handelt."
So die nüchterne Einschätzung von Haldea. Man könne einen Verkauf der zugrundeliegenden Kredite nicht erzwingen, nur weil ein Anleger sein Geld zurückhaben wolle.
Produkte für Profis – verkauft an Privatanleger
Was diese Entwicklung besonders brisant macht, ist die Tatsache, dass Produkte, die ursprünglich für institutionelle Investoren konzipiert wurden, in den vergangenen Jahren systematisch für den Privatanlegermarkt „umverpackt" wurden. Haldea bezeichnete diese Praxis unverblümt als „gefährlich". Und tatsächlich: Wer einem durchschnittlichen Privatanleger ein illiquides Kreditprodukt als „semi-liquid" verkauft, betreibt im Grunde semantische Kosmetik an einem strukturellen Problem.
Chris Kotowski, Senior-Analyst bei Oppenheimer & Co., verteidigte hingegen die Rücknahmebeschränkungen als „ein Feature, kein Fehler". Die Fonds investierten schließlich in illiquide Kredite, die bis zur Fälligkeit gehalten werden sollten. Die Liquiditätsbeschränkungen seien darauf ausgelegt, über die Zeit eine Gesamtrendite zu erwirtschaften. Private-Credit-Manager seien historisch betrachtet gestärkt aus Abschwüngen hervorgegangen.
Das mag für institutionelle Investoren mit langem Atem gelten. Doch für den Privatanleger, der sein Geld womöglich für die Altersvorsorge oder andere konkrete Zwecke eingeplant hat, klingt die Botschaft „Ihr Geld ist sicher – Sie kommen nur nicht dran" wie blanker Hohn.
Ausfallraten könnten explodieren
Und als wäre die Liquiditätskrise nicht schon beunruhigend genug, lauert im Hintergrund eine noch fundamentalere Gefahr: die Qualität der zugrundeliegenden Kredite. Branchenexperten befürchten, dass die Ausfallraten weit über den historischen Durchschnitt von etwa 2 Prozent steigen könnten. Steffen Meister, Verwaltungsratspräsident der Partners Group, prognostizierte laut Financial Times eine mögliche Verdopplung der Ausfallraten in den kommenden Jahren. Analysten von Morgan Stanley gehen einem Bloomberg-Bericht zufolge sogar davon aus, dass die Ausfälle auf 8 Prozent klettern könnten.
Besonders die Exponierung des Sektors gegenüber Softwareunternehmen, die durch den rasanten Aufstieg künstlicher Intelligenz unter Druck geraten könnten, bereitet Sorgen. Hinzu kommt, dass in den Boomjahren Kredite mit allzu lockeren Auflagen vergeben wurden – Covenants, die zu leichtfertig formuliert wurden, und Konditionen, die absehbar verletzt werden dürften.
„Der Groschen ist noch nicht fertig gefallen", warnte Haldea mit einer Metapher, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt.
Wenn der Sekundärmarkt an seine Grenzen stößt
Selbst der vielbeschworene Sekundärmarkt hat seine Grenzen. Haldea räumte ein, dass dieser Markt nicht groß genug sei, um eine massive Welle von Rücknahmen aufzufangen, sollte die Anlegerstimmung drastisch kippen. Wenn die Schleusen vollständig aufgingen und eine Ansteckung über die gesamte Branche hinweg einsetze, wäre der Sekundärmarkt schlicht überfordert. Derzeit reiche er aus – aber „derzeit" ist in Finanzmärkten bekanntlich ein dehnbarer Begriff.
Was wir hier beobachten, ist ein Lehrstück darüber, was passiert, wenn eine Branche in ihrer Gier nach Wachstum die Grenzen zwischen institutionellem und privatem Anlegermarkt verwischt. Es erinnert fatal an vergangene Krisen, in denen komplexe Finanzprodukte an Anleger verkauft wurden, die deren Risiken nicht annähernd verstanden. Die Parallelen zur Subprime-Krise mögen überzogen erscheinen – doch das Grundmuster ist erschreckend ähnlich: Renditeversprechen, verschleierte Illiquidität und ein böses Erwachen, wenn die Musik aufhört zu spielen.
Physische Werte als Anker in stürmischen Zeiten
Einmal mehr zeigt sich, dass in Zeiten zunehmender Unsicherheit an den Finanzmärkten physische Edelmetalle wie Gold und Silber ihre Stärke als verlässlicher Wertspeicher ausspielen. Während Anleger in Private-Credit-Fonds verzweifelt nach einem Ausgang suchen und dabei erhebliche Verluste hinnehmen müssen, bieten physische Edelmetalle genau das, was diesen Produkten fehlt: echte Liquidität, keine Gegenparteirisiken und einen über Jahrtausende bewährten Werterhalt. Wer sein Portfolio mit physischen Edelmetallen ergänzt, schafft sich einen Anker, der auch dann hält, wenn die nächste Finanzmarktblase platzt.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, gründlicher Recherche basieren. Wir empfehlen, vor jeder Anlageentscheidung einen qualifizierten Finanzberater zu konsultieren. Für etwaige Verluste, die aus der Umsetzung der in diesem Artikel dargestellten Informationen resultieren, übernehmen wir keinerlei Haftung.

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