
Flucht aus dem Ladegeschäft: TotalEnergies und BayWa wollen ihre E-Ladesäulen loswerden
Was passiert, wenn politische Wunschträume auf wirtschaftliche Realität treffen? Man bekommt ein Milliardengrab, das niemand mehr haben will. Genau dieses Schauspiel liefern nun gleich zwei Großkonzerne, die sich aus dem deutschen Ladeinfrastruktur-Geschäft zurückziehen – oder dies zumindest ernsthaft erwägen. Der französische Energieriese TotalEnergies prüft den Verkauf seiner rund 190 Ladeparks in Deutschland, während der angeschlagene Agrarkonzern BayWa den Ausstieg aus dem Elektroladesäulen-Geschäft bereits offiziell bestätigt hat.
TotalEnergies: Sondierungen ja, Entscheidung nein
TotalEnergies gibt sich betont zurückhaltend. Offiziell kommentiere der Konzern die kursierenden Verkaufsunterlagen nicht. Aus Unternehmenskreisen verlautet jedoch, dass „Sondierungen im Markt stattfänden, aber noch nichts entschieden" sei. Die Unternehmensberatung Roland Berger soll bereits potenzielle Käufer ansprechen – ein Vorgehen, das nach einem strukturierten Verkaufsmandat riecht, auch wenn man es offiziell als bloße „Optionsprüfung" verkauft.
Das Paket hat es in sich: Von den rund 190 Ladeparks sei erst etwa ein Drittel überhaupt in Betrieb. Zum Gesamtpaket gehörten Fördergelder „in dreistelliger Millionenhöhe" für noch zu errichtende Standorte. Klingt zunächst verlockend – doch der Teufel steckt im Detail. Denn ein potenzieller Käufer müsste nicht nur die bestehenden Standorte übernehmen, sondern auch sämtliche Deutschlandnetz-Verpflichtungen: Ausbau, Inbetriebnahme, Netzanbindung und die penible Einhaltung ambitionierter Zeitpläne. Das bindet enormes Kapital, lange bevor auch nur ein Cent Gewinn fließt.
Ein Konzern auf dem Rückzug aus Deutschland
Es ist nicht das erste Mal, dass TotalEnergies in Deutschland die Reißleine zieht. Bereits Anfang 2023 verkaufte der Konzern sein deutsches Tankstellennetz samt dem niederländischen Pendant an den kanadischen Betreiber Couche-Tard. Damals hieß es, man wolle sich stärker auf Wasserstoff und Ladeinfrastruktur konzentrieren – ausgerechnet in Märkten ohne eigene Marktführerschaft. Nun gerät auch diese Strategie unter massiven Druck, weil das deutsche Ladegeschäft schlicht keine überzeugende wirtschaftliche Perspektive bietet.
Die nackten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Das Ladegeschäft habe bislang ausschließlich Verluste produziert. Ein positives EBITDA werde frühestens für 2027 angepeilt. Die größten Ausgaben fallen also jetzt an, während die Rendite – wenn sie denn überhaupt kommt – in weiter Ferne liegt. Man muss kein Finanzgenie sein, um zu verstehen, warum ein Paketverkauf reizvoll erscheint: Jemand anderes soll die Durststrecke durchstehen.
Das Deutschlandnetz als Klotz am Bein
TotalEnergies hatte sich am staatlich geförderten Deutschlandnetz beteiligt und dabei große Pakete gewonnen. Der Konzern erhielt den Zuschlag für etwa 1.100 der insgesamt 9.000 geplanten Schnellladepunkte und sicherte sich 2023 drei Regionallose mit 134 Standorten sowie weitere Autobahn-Lose. Was auf dem Papier nach einem Coup aussah, entpuppt sich nun als schwer kalkulierbares Risiko. Denn die Fördergelder sind an strikte Auflagen und Bindungsfristen geknüpft. Ein Betreiberwechsel wirkt politisch und regulatorisch heikel, was die Zahl realistischer Interessenten drastisch reduziert. Weniger Interessenten bedeuten niedrigere Bewertungen – ein klassischer Teufelskreis.
BayWa: Wenn die Sanierung zum Ausverkauf zwingt
Während TotalEnergies noch sondiert, ist bei BayWa die Sache klar. Der Münchner Agrarkonzern, der nach schweren Managementfehlern in eine existenzbedrohende finanzielle Schieflage geraten war, bestätigte den Verkauf seines Elektroladesäulen-Geschäfts im Rahmen einer mehrjährigen Sanierung. „Ja, die BayWa verkauft im Rahmen der mehrjährigen Sanierung Beteiligungen und Tochterunternehmen. So unter anderem auch das Geschäft mit Elektroladesäulen", erklärte der Konzern unmissverständlich.
BayWas Engagement im Deutschlandnetz fällt mit nur einem Los und 20 Standorten deutlich bescheidener aus als bei TotalEnergies. Zusätzlich betreibt der Konzern Ladesäulen außerhalb des Programms, teilweise an eigenen Tankstellen im ländlichen Raum. Das könnte Käufer anlocken, weil Flächen bereits verfügbar sind. Doch die entscheidende Frage bleibt: Wie steht es um die Auslastung? Und hier wird es dünn, denn gerade im ländlichen Raum ist die Nachfrage nach Schnellladepunkten alles andere als gesichert.
Das große Ernüchterungssignal für die E-Mobilität
Dass gleich zwei Großkonzerne parallel aus dem deutschen Ladegeschäft drängen, ist mehr als eine Fußnote der Wirtschaftsgeschichte. Es ist ein vernichtendes Urteil über die deutsche Energiewende-Politik. Jahrelang wurde die Elektromobilität als alternativloser Heilsweg propagiert, Milliarden an Steuergeldern in Förderungen gepumpt, und nun? Nun zeigt sich, dass die Rechnung nicht aufgeht. Die Auslastung vieler Standorte wächst langsamer als der Ausbau. Die Investitionen sind gewaltig, die Renditen ein fernes Versprechen.
Man fragt sich unweigerlich: Wer hat diese Strategie eigentlich durchgerechnet? Oder wurde hier – wie so oft in der deutschen Politik der vergangenen Jahre – Ideologie über ökonomische Vernunft gestellt? Die Ampelregierung, die mit ihrer grünen Transformationsagenda den Verbrenner am liebsten sofort verbannt hätte, ist zwar Geschichte. Doch die Altlasten ihrer Politik wirken fort. Auch die neue Große Koalition unter Friedrich Merz wird sich fragen lassen müssen, wie sie mit dem Erbe einer Infrastrukturpolitik umgeht, die offenkundig am Markt vorbei geplant wurde.
Fördergelder als vergiftetes Geschenk
Besonders pikant ist die Rolle der staatlichen Fördergelder. Sie sollten den Ausbau beschleunigen und private Investoren anlocken. Tatsächlich wirken sie nun wie goldene Fesseln: Wer die Mittel annimmt, bindet sich an Auflagen, Fristen und Bauverpflichtungen. Ein Käufer der TotalEnergies-Ladeparks würde nicht nur Standorte erwerben, sondern ein komplexes Geflecht aus regulatorischen Pflichten. Das ist kein attraktives Investment – das ist ein bürokratisches Minenfeld.
Der deutsche Steuerzahler darf sich derweil fragen, was aus den dreistelligen Millionenbeträgen wird, die hier im Spiel sind. Werden die Ladeparks fertiggestellt? Werden die Fördergelder zurückgefordert, wenn Fristen gerissen werden? Oder versickern sie – wie so oft – im Dickicht einer überregulierten Bürokratie?
Die Marktphase kippt, so viel steht fest. Vom euphorischen Wachstumsnarrativ hin zur nüchternen Risikoprüfung. Und während die Politik weiter von der elektrischen Zukunft träumt, stimmen die Unternehmen mit den Füßen ab. Wer in diesen unsicheren Zeiten nach verlässlichen Werten sucht, der tut gut daran, sein Vermögen breit zu streuen – und dabei auch physische Edelmetalle als bewährten Stabilitätsanker in Betracht zu ziehen. Gold und Silber kennen keine Auslastungsprobleme, keine Förderauflagen und keine regulatorischen Fallstricke.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, sorgfältiger Recherche basieren. Wir übernehmen keine Haftung für finanzielle Entscheidungen, die auf Grundlage dieses Artikels getroffen werden.
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