
Fed unter neuer Führung: Warum die Notenbank trotz galoppierender Inflation untätig bleibt

Es ist ein Spagat, der selbst dem geschicktesten Seiltänzer schwerfallen dürfte: Die US-Notenbank Federal Reserve verharrt unter ihrem neuen Chef Kevin Warsh in einer Zinspause und hält die Leitzinsspanne unverändert bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Es war die erste Sitzung, die Warsh – Donald Trumps Wunschkandidat, seit dem 22. Mai im Amt – als oberster Währungshüter der Vereinigten Staaten leitete. Und sie offenbart eindrucksvoll, in welcher Zwickmühle die amerikanische Geldpolitik gefangen ist.
Zwischen den Stühlen: Der politische Druck auf die Fed
Kaum im Amt, sieht sich Warsh bereits von zwei Seiten in die Zange genommen. Auf der einen Seite steht der Präsident persönlich. Trump fordert lautstark Zinssenkungen – ein Lied, das er schon Warshs Vorgänger Jerome Powell unermüdlich vorsang. Auf der anderen Seite mahnen Notenbanker und besonnene Marktteilnehmer, die angesichts der wirtschaftlichen Lage eher höhere als niedrigere Zinsen für angebracht halten.
Man muss kein ausgewiesener Volkswirt sein, um zu erkennen, dass diese beiden Forderungen sich gegenseitig ausschließen. Die spannende Frage lautet: Wessen Pfeife tanzt der neue Fed-Chef am Ende?
Die Inflation – das unbequeme Gespenst kehrt zurück
Werfen wir einen nüchternen Blick auf die Zahlen, dann wird schnell klar, weshalb die Notenbank mit dem Zinssenkungsdrang so vorsichtig geworden ist. Die Inflation kletterte im Mai auf ein Drei-Jahres-Hoch von 4,2 Prozent – und sie liegt nunmehr seit fünf Jahren ununterbrochen über dem ausgegebenen Ziel der Fed von zwei Prozent. Fünf Jahre. Das ist keine vorübergehende Delle, das ist ein chronisches Leiden.
Eine Notenbank, die ihr eigenes Inflationsziel ein halbes Jahrzehnt lang verfehlt, müsste sich eigentlich unangenehme Fragen gefallen lassen.
Hinzu kommt ein robuster Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosenquote verharrt bei vergleichsweise niedrigen 4,3 Prozent, und nach einem kurzen Durchhänger hat das Stellenwachstum wieder Fahrt aufgenommen. Genau dieser Cocktail aus steigenden Preisen und kräftigem Arbeitsmarkt ist der Grund, weshalb die Fed nach und nach von weiteren Zinssenkungen abgerückt ist.
Der Weg nach unten – und das abrupte Bremsmanöver
Zur Erinnerung: Bis Dezember hatte die Fed die Leitzinsspanne in mehreren Etappen von knapp 5,5 Prozent auf die heutigen rund 3,75 Prozent heruntergeschraubt. Doch der Weg nach unten endete jäh. Wer nun glaubte, das billige Geld kehre umstandslos zurück, sieht sich getäuscht. Die Realität der hartnäckigen Teuerung ließ den Notenbankern keine Wahl.
Wenn Politik die Inflation schönredet
Besonders heikel wird die Gemengelage dadurch, dass die politische Führung dazu neigt, die Inflation in rosigen Farben zu malen. Eine Notenbank, die unabhängig sein soll, gerät damit in eine unmögliche Lage – sie muss zwischen wirtschaftlicher Vernunft und politischem Wunschdenken navigieren. Dieses Muster ist uns Deutschen nur allzu vertraut, wenn man an die Beschwichtigungen rund um die heimische Geldentwertung denkt.
Für den aufmerksamen Sparer und Anleger zeigt diese Episode einmal mehr eine bittere Wahrheit: Papiergeld bleibt ein politisches Spielzeug. Wenn Notenbanken zwischen politischem Druck und ökonomischer Notwendigkeit hin- und hergerissen werden, dann ist es kein Wunder, dass immer mehr Menschen nach krisenfesten Sachwerten suchen. Physisches Gold und Silber kennen weder einen Notenbankchef, der sich dem Präsidenten beugt, noch eine Inflation, die per Knopfdruck herbeigeredet wird.
Was bleibt?
Die Fed kauft sich mit ihrer Zinspause Zeit. Doch Zeit ist kein Ersatz für Lösungen. Solange die Teuerung über dem Zielwert verharrt und der Präsident gleichzeitig auf billiges Geld drängt, bleibt jede Entscheidung ein Drahtseilakt. Anleger sollten genau hinschauen – und sich nicht von beruhigenden Worten einlullen lassen.
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