
Europas Hotels schlagen zurück: Milliarden-Klage gegen Booking-Monopol erschüttert Reisebranche
Die europäische Hotellerie hat genug von der digitalen Knechtschaft. Mehr als 10.000 Hotels aus ganz Europa haben sich zusammengeschlossen, um dem Buchungsgiganten Booking.com die Rechnung für zwei Jahrzehnte marktbeherrschender Praktiken zu präsentieren. Die Sammelklage, die vor einem niederländischen Gericht verhandelt wird, könnte zum Präzedenzfall für die gesamte digitale Wirtschaft werden – und zeigt einmal mehr, wie dringend Europa eine Regulierung der Tech-Giganten benötigt.
Das Ende der digitalen Leibeigenschaft?
Im Zentrum des Rechtsstreits stehen die berüchtigten Bestpreisklauseln, mit denen Booking.com die Hoteliers jahrelang in ein eisernes Korsett zwängte. Hotels durften ihre Zimmer nirgendwo günstiger anbieten als auf der Plattform – nicht einmal auf der eigenen Website. Ein Geschäftsmodell, das der Europäische Gerichtshof im Herbst 2024 als kartellrechtswidrig brandmarkte. Die Richter in Luxemburg stellten unmissverständlich klar: Solche monopolistischen Praktiken haben in einem fairen Wettbewerb nichts verloren.
Alexandros Vassilikos, Präsident der europäischen Hotelallianz Hotrec, bringt es auf den Punkt: Die europäischen Hotels hätten über Jahre unter überhöhten Kosten und unfairen Bedingungen gelitten. Die Sammelklage sende ein klares Signal, dass missbräuchliche Praktiken im digitalen Markt nicht länger hingenommen würden. Ein überfälliger Aufstand gegen die Allmacht der Silicon-Valley-Mentalität, die sich auch in Amsterdam eingenistet hat.
Die bittere Ironie der Abhängigkeit
Besonders perfide an der ganzen Situation: Trotz aller berechtigten Kritik bleiben viele Hotels von Booking.com abhängig wie Süchtige von ihrer Droge. Mit einem Marktanteil von 71 Prozent in Europa – in Deutschland sogar erschreckende 72,3 Prozent – hat sich die Plattform zu einem quasi-monopolistischen Torwächter entwickelt. Gleichzeitig sank der Anteil der Direktbuchungen in Deutschland zwischen 2013 und 2023 um über acht Prozent. Die Hotels wurden systematisch ihrer direkten Kundenbeziehungen beraubt.
"Die Sammelklage erfährt einen überwältigenden Zuspruch"
So kommentiert Markus Luthe, Hauptgeschäftsführer des Hotelverbands Deutschland (IHA), die Resonanz auf die Klage. Die Anmeldefrist musste sogar bis zum 29. August verlängert werden – ein deutliches Zeichen dafür, wie groß der Leidensdruck in der Branche ist.
Ein Lehrstück über digitale Marktmacht
Der Fall Booking.com ist symptomatisch für ein größeres Problem: Die unkontrollierte Macht digitaler Plattformen, die sich zwischen Anbieter und Kunden schieben und dabei satte Provisionen kassieren. Während die EU mit dem Digital Markets Act endlich gegensteuert, zeigt diese Klage, dass die Schäden der vergangenen zwei Jahrzehnte nicht einfach unter den Teppich gekehrt werden können.
Es ist höchste Zeit, dass Europa seine digitale Souveränität zurückerobert. Die Abhängigkeit von amerikanischen Tech-Konzernen – auch wenn sie ihren europäischen Sitz in Amsterdam haben – schwächt nicht nur einzelne Branchen, sondern die gesamte europäische Wirtschaft. Die Hotellerie macht den Anfang, andere Branchen sollten folgen.
Was bedeutet das für Reisende?
Für Urlauber könnte ein Erfolg der Klage durchaus positive Folgen haben. Wenn Hotels wieder frei über ihre Preisgestaltung entscheiden können, entstünde echter Wettbewerb. Direktbuchungen könnten wieder attraktiver werden, was beiden Seiten zugutekommt: Hotels sparen Provisionen, Gäste profitieren von besseren Preisen und direkterem Service.
Die Klage der europäischen Hotels gegen Booking.com markiert einen Wendepunkt. Es geht um mehr als nur Schadenersatz – es geht um die Frage, wer in der digitalen Wirtschaft das Sagen hat. Die Antwort darauf wird nicht nur die Reisebranche, sondern die gesamte europäische Digitalwirtschaft prägen. Eines ist sicher: Die Zeit der digitalen Feudalherren neigt sich dem Ende zu.
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