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11.03.2026
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Erzgebirgischer Traditionsbetrieb am Abgrund: Über 100 Jahre Industriegeschichte drohen zu verschwinden

Erzgebirgischer Traditionsbetrieb am Abgrund: Über 100 Jahre Industriegeschichte drohen zu verschwinden

Es ist ein Bild, das sich in Deutschland mittlerweile mit erschreckender Regelmäßigkeit wiederholt: Ein traditionsreiches Familienunternehmen, das Kriege, Krisen und sogar die Wiedervereinigung überstanden hat, kapituliert vor den wirtschaftlichen Realitäten der Gegenwart. Die Horst Pfau GmbH aus Lößnitz im Erzgebirge – ein Werkzeughersteller mit Wurzeln, die bis ins Jahr 1914 zurückreichen – hat beim Amtsgericht Chemnitz Insolvenz angemeldet. Mehr als ein Jahrhundert Industriegeschichte steht auf der Kippe.

Ein Betrieb, der zwei Weltkriege überlebte – aber nicht die deutsche Wirtschaftspolitik

Die Geschichte dieses Unternehmens liest sich wie ein Lehrstück deutscher Industriekultur. 1914 als „Emil Schwammekrug Werkzeugbaufabrik" gegründet, überstand der Betrieb die Wirren zweier Weltkriege, die DDR-Planwirtschaft und die schwierigen Jahre nach der Wiedervereinigung. Ingenieur Horst Pfau übernahm nach der Wende einen Teil des Unternehmens und führte ihn in die Marktwirtschaft. Seit 2007 leiten seine Töchter Silke Schmidt und Steffi Zimmer den Betrieb – ein echtes Familienunternehmen, wie es im Buche steht. Genau jene Art von Mittelstand also, die einst als Rückgrat der deutschen Wirtschaft galt.

Doch dieses Rückgrat bricht. Stück für Stück. Betrieb für Betrieb. Und die Politik schaut zu – oder schlimmer noch: Sie befeuert den Niedergang mit ideologiegetriebener Wirtschaftspolitik.

Die Automobilkrise als Sargnagel

Die Horst Pfau GmbH hat sich auf die Entwicklung und Herstellung von Stanz- und Umformwerkzeugen spezialisiert – Präzisionsarbeit, maßgeschneidert nach Kundenanforderungen, oft in kleineren Serien gefertigt. Ein Großteil der Auftraggeber stammt aus der Automobilindustrie. Und genau hier liegt das Problem. Die deutsche Automobilbranche, einst Aushängeschild und Stolz der Nation, steckt in einer tiefen Krise. Weniger neue Produktserien bedeuten weniger Werkzeugbestellungen. Für ein spezialisiertes Unternehmen wie Horst Pfau ist das verheerend. Auftragseingang und Umsatz brachen dramatisch ein.

Man muss kein Wirtschaftsprofessor sein, um die Zusammenhänge zu erkennen: Die jahrelange Verteufelung des Verbrennungsmotors, die erzwungene Transformation hin zur Elektromobilität, explodierende Energiekosten und eine erdrückende Bürokratielast haben die deutsche Automobilindustrie und ihre Zulieferer in eine beispiellose Schieflage gebracht. Die Leidtragenden sind nicht die Konzernvorstände mit ihren Millionengehältern – es sind die 25 Beschäftigten in Lößnitz, deren Löhne nun über das Insolvenzgeld bis Ende April gesichert sind. Danach? Ungewiss.

Hoffnungsschimmer oder letztes Aufbäumen?

Der vom Amtsgericht Chemnitz bestellte Sanierungsexperte Christian Krönert soll nun prüfen, ob und wie das Unternehmen fortgeführt werden kann. Der Betrieb läuft vorerst weiter, Aufträge werden produziert und ausgeliefert. Krönert sieht durchaus Chancen: Die Kombination aus Familientradition, technischer Spezialisierung und jahrzehntelanger Erfahrung im Werkzeugbau könne für potenzielle Investoren attraktiv sein. Denkbar seien sowohl der Einstieg eines neuen Geldgebers als auch die Integration in eine größere Unternehmensgruppe.

Doch wie realistisch ist das? In einem wirtschaftlichen Umfeld, in dem selbst große Zulieferer reihenweise straucheln, dürfte die Suche nach einem Retter alles andere als einfach werden. Deutschland verliert gerade im Rekordtempo seine industrielle Substanz – jene Substanz, die über Generationen aufgebaut wurde und die unseren Wohlstand begründet hat.

Ein Symptom einer viel größeren Krankheit

Die Insolvenz der Horst Pfau GmbH ist kein Einzelfall. Sie ist ein weiteres Symptom einer tiefgreifenden Deindustrialisierung, die Deutschland erfasst hat. Während die Politik sich mit Gendersternchen, Klimaneutralitätszielen und einem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen beschäftigt, das kommende Generationen mit Schulden belastet, sterben die kleinen und mittleren Betriebe leise vor sich hin. Kein Rettungsschirm, kein Sondervermögen für den Mittelstand – nur warme Worte und leere Versprechen.

Es bleibt zu hoffen, dass sich für die 25 Beschäftigten in Lößnitz eine Lösung findet. Doch solange die politischen Rahmenbedingungen nicht grundlegend korrigiert werden – niedrigere Energiekosten, weniger Bürokratie, eine technologieoffene Industriepolitik –, wird die Insolvenzwelle im deutschen Mittelstand nicht abreißen. Im Gegenteil: Sie wird anschwellen. Und mit jedem Traditionsbetrieb, der verschwindet, geht ein Stück Deutschland unwiederbringlich verloren.

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