
Erdogan drängt sich als Vermittler auf: Droht Europa eine neue Flüchtlingswelle aus dem Iran?

Während die Welt gebannt auf die eskalierende Krise zwischen den USA und dem Iran blickt, wittert der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan seine Chance. In einem Telefonat mit US-Präsident Donald Trump am Montag bot sich der türkische Staatschef als Vermittler an und schlug eine direkte Telefonkonferenz zwischen Trump und dem iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian vor. Ein diplomatisches Manöver, das nicht nur altruistischen Motiven entspringen dürfte.
Ankara fürchtet die Konsequenzen eines Krieges
Die Türkei teilt eine weitläufige Grenze mit dem Iran, und die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen beiden Ländern sind erheblich. Iranische Migranten und Touristen spielen seit Jahrzehnten eine wichtige Rolle für die türkische Wirtschaft. Doch Erdogans wahre Sorge dürfte tiefer liegen: Ein militärischer Konflikt könnte eine Flüchtlingswelle biblischen Ausmaßes auslösen.
Trump soll dem Vorschlag gegenüber durchaus aufgeschlossen gewesen sein, während Teheran bislang schweigt. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi befindet sich derzeit in Istanbul, um in letzter Minute einen Krieg abzuwenden. Die Verhandlungsposition des Iran ist jedoch denkbar schwierig.
Das Dilemma der Ballistischen Raketen
Während Teheran grundsätzlich bereit wäre, über sein Nuklearprogramm zu verhandeln, stellt die amerikanische Forderung nach einer Begrenzung oder gar Abschaffung des iranischen Raketenprogramms für die islamische Republik eine rote Linie dar. Die Iraner betrachten diese Forderung als schlichtweg inakzeptabel – insbesondere angesichts der Tatsache, dass Israel keinerlei vergleichbaren Beschränkungen unterworfen werden soll. Die israelischen Luftangriffe auf iranische Atomanlagen im vergangenen Juni haben das Misstrauen in Teheran nur weiter vertieft.
„Es ist falsch, den Iran anzugreifen. Es ist falsch, wieder einen Krieg zu beginnen. Der Iran ist bereit, über das Nukleardossier zu verhandeln"
erklärte der türkische Außenminister Hakan Fidan gegenüber Al Jazeera. Gleichzeitig räumte er ein, dass die Verhandlungen für Teheran demütigend erscheinen könnten und schwer zu erklären seien – nicht nur der eigenen Bevölkerung, sondern auch der Führung gegenüber.
Europa schläft – und könnte böse erwachen
Besonders bemerkenswert ist die scharfe Kritik an der Europäischen Union. Ragıp Soylu von Middle East Eye brachte es auf den Punkt: Sollte der Iran „explodieren", würden 90 Millionen Menschen nicht nur in der Region und der Türkei bleiben – sie würden definitiv nach Europa migrieren. Seine bissige Bemerkung, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen interessiere sich mehr für Yoga-Camps in Indien als für diese existenzielle Bedrohung, offenbart die Frustration über die europäische Untätigkeit.
Die Erinnerung an 2015 ist noch frisch, als Erdogan die Flüchtlingskrise geschickt als Druckmittel gegen Europa einsetzte. Sollte sich die Lage im Iran zuspitzen und die Türkei mit den Entwicklungen unzufrieden sein, könnte Ankara erneut die Schleusen öffnen. Ein Szenario, das für das ohnehin durch Migrationsprobleme belastete Europa katastrophale Folgen hätte.
Erdogans doppeltes Spiel
Der türkische Präsident verfolgt mit seinem Vermittlungsangebot mehrere Ziele gleichzeitig. Einerseits möchte er einen Krieg vor seiner Haustür verhindern, andererseits positioniert er sich als unverzichtbarer Akteur auf der Weltbühne. Dass er dabei auch Druck auf den Iran ausübt, interne Reformen durchzuführen und Vertrauen in der Region aufzubauen, zeigt die Komplexität seiner Strategie.
Für Deutschland und Europa sollte diese Entwicklung ein Weckruf sein. Die Abhängigkeit von der Türkei als Puffer gegen Migrationsströme macht den Kontinent erpressbar. Eine eigenständige, vorausschauende Außenpolitik wäre dringend geboten – doch davon ist in Brüssel und Berlin wenig zu spüren. Stattdessen droht Europa einmal mehr, von den Ereignissen überrollt zu werden.

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











