
Epstein-Akten: Kongress erhält Zugang zu Millionen ungeschwärzter Dokumente – Maxwell schweigt

Es ist einer jener Fälle, die das politische Establishment auf beiden Seiten des Atlantiks seit Jahren in Atem halten – und der nun eine neue, brisante Wendung nimmt. Das US-Justizministerium hat Kongressabgeordneten den Zugang zu über drei Millionen ungeschwärzten Dokumenten aus dem Epstein-Komplex gewährt. Ein Schritt, der längst überfällig war und der die Frage aufwirft: Was genau steht in diesen Akten, das so lange unter Verschluss gehalten werden musste?
Ghislaine Maxwell beruft sich auf Schweigerecht
Die einstige Vertraute und verurteilte Komplizin des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, Ghislaine Maxwell, hat bei ihrer Befragung vor einem Aufsichtsausschuss des US-Repräsentantenhauses erwartungsgemäß die Aussage verweigert. Sie berief sich dabei auf den fünften Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung – jenes Recht, das einen davor schützt, sich selbst zu belasten. Die Anhörung, zu der Maxwell per Videoschaltung aus einem texanischen Gefängnis zugeschaltet worden war, endete nach weniger als einer Stunde. Weniger als eine Stunde – für einen Fall, der Dutzende potenzielle Opfer und ein Netzwerk aus Macht und Missbrauch umfasst.
Der republikanische Ausschussvorsitzende James Comer nannte die Verweigerung „sehr enttäuschend". Eine diplomatische Untertreibung, wenn man bedenkt, welche Erwartungen an diese Befragung geknüpft waren. Maxwell, die 2022 wegen Sexhandels mit Minderjährigen zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde, hatte lediglich eine vorbereitete Erklärung verlesen, anstatt auf Einzelfragen einzugehen. Ihr Anwalt ließ verlauten, sie sei bereit auszusagen, dass weder US-Präsident Donald Trump noch Ex-Präsident Bill Clinton sich in ihren Beziehungen zu Epstein eines Fehlverhaltens schuldig gemacht hätten. Allerdings – und hier wird es pikant – knüpfe Maxwell eine vollständige Aussage an eine Begnadigung durch Präsident Trump.
Drei Millionen Dokumente – aber unter strengen Auflagen
Weitaus bedeutsamer als Maxwells kalkuliertes Schweigen dürfte die Entscheidung des Justizministeriums sein, den Kongressmitgliedern Einsicht in die ungeschwärzten Akten zu gewähren. Die Bedingungen sind freilich streng: 24 Stunden Voranmeldung, keine Begleitpersonen, keine elektronischen Kopien. Lediglich handschriftliche Notizen seien gestattet. Man fragt sich unwillkürlich, ob diese Restriktionen dem Schutz laufender Ermittlungen dienen – oder dem Schutz mächtiger Namen.
Denn genau darum dreht sich der Kern dieses Skandals seit Jahren. Jeffrey Epstein, der sich 2019 in seiner Gefängniszelle das Leben genommen haben soll, unterhielt ein weitverzweigtes Netzwerk aus Kontakten in die höchsten Sphären von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die vollständige Aufklärung dieser Verbindungen wurde immer wieder verzögert, verwässert und verschleppt. Dass nun endlich Millionen von Dokumenten ohne Schwärzungen zugänglich gemacht werden, könnte ein Wendepunkt sein – oder eine weitere Übung in kontrollierter Transparenz.
Die Clintons sollen aussagen – Trump bleibt verschont
Ende des Monats sollen auch der demokratische Ex-Präsident Bill Clinton und seine Frau Hillary Clinton vor dem Kongressausschuss erscheinen. Beide hätten eine öffentliche Anhörung gefordert, um eine parteipolitische Instrumentalisierung durch die Republikaner zu verhindern. Ein durchaus nachvollziehbares Anliegen – schließlich ist die Versuchung groß, den Fall Epstein als politische Waffe zu missbrauchen, anstatt ihn als das zu behandeln, was er ist: einen der größten Missbrauchsskandale der jüngeren Geschichte.
Bemerkenswert bleibt indes, dass Donald Trump, der ebenfalls dokumentierte Verbindungen zu Epstein unterhielt, vom Ausschuss nicht zur Aussage vorgeladen wurde. Ein Fehlverhalten konnte bislang weder den Clintons noch Trump nachgewiesen werden. Doch solange nicht alle Fakten auf dem Tisch liegen, bleiben Zweifel – und diese Zweifel nagen am Vertrauen der Bürger in ihre politischen Institutionen.
Ein Skandal, der Grenzen überschreitet
Der Fall Epstein ist längst kein rein amerikanisches Phänomen mehr. Auch in Großbritannien gerät Premierminister Keir Starmer zunehmend unter Druck; der schottische Labour-Chef forderte bereits seinen Rücktritt im Zusammenhang mit den Epstein-Akten. Die Tentakel dieses Netzwerks reichen offenbar weit über den Atlantik hinaus. Umso wichtiger wäre eine rückhaltlose Aufklärung – nicht nur in Washington, sondern überall dort, wo Mächtige glaubten, über dem Gesetz zu stehen.
Was die ungeschwärzten Dokumente letztlich offenbaren werden, bleibt abzuwarten. Eines aber steht fest: Die Opfer von Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell verdienen die volle Wahrheit. Und die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf zu erfahren, wer von diesem System des Missbrauchs wusste, wer profitierte – und wer wegschaute. Dass es dafür Jahre brauchte und politischen Druck von allen Seiten, spricht Bände über den Zustand westlicher Demokratien.

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