
Eon will Smart-Meter-Zwang für alle Haushalte – und der Bürger soll zahlen
Deutschlands mächtigster Energiekonzern macht Druck. Eon, zugleich der größte Verteilnetzbetreiber der Republik, fordert eine gesetzliche Pflicht zum Einbau sogenannter Smart Meter in sämtlichen deutschen Haushalten – und verlangt obendrein Sanktionen gegen Netzbetreiber, die bei der Umrüstung nicht schnell genug vorankommen. Was auf den ersten Blick wie ein technischer Fortschritt klingt, wirft bei genauerem Hinsehen fundamentale Fragen auf: Wem nützt diese Zwangsdigitalisierung wirklich? Und wer bezahlt am Ende die Zeche?
Deutschland als digitales Entwicklungsland
Die Zahlen sind, gelinde gesagt, blamabel. Während in zahlreichen europäischen Ländern die Quote intelligenter Stromzähler längst bei 80 Prozent und mehr liegt, dümpelt Deutschland bei kläglichen vier Prozent. Ende September 2025 waren gerade einmal gut zwei Millionen Geräte installiert – in einem Land mit rund 42 Millionen Haushalten. Und das, obwohl die politische Zielvorgabe lautet, bis 2032 jeden Haushalt mit einem Smart Meter auszustatten. Man muss kein Mathematiker sein, um zu erkennen, dass dieses Ziel in weiter Ferne liegt.
Eon-Vertriebsvorstand Marc Spieker machte seinem Unmut in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa deutlich Luft. Hätte er einen Wunsch frei, so Spieker, wäre es ein verpflichtender Rollout von Smart Metern in ganz Deutschland. Der Ausbau gehe „zu langsam" und „viel zu lasch" voran. Dass Netzbetreiber, die nicht vorankämen, nicht sanktioniert würden, sei „nicht in Ordnung".
Sanktionen und Enteignung von Zuständigkeiten
Spiekers Vorschläge haben es in sich. Netzbetreiber, die bei einer künftigen Smart-Meter-Pflicht zu langsam umrüsten, sollten nach einem Jahr das Recht verlieren, in ihrem Netzgebiet die Zähler auszutauschen. Andere Unternehmen – man darf vermuten, dass Eon sich hier selbst ins Spiel bringt – könnten diese Aufgabe dann übernehmen. Bis Ende 2025 habe Eon nach eigenen Angaben knapp eine Million Geräte verbaut. Ein beachtliches Geschäft, das naturgemäß umso lukrativer wird, je mehr Haushalte zur Umrüstung gezwungen werden.
Hier offenbart sich ein Muster, das dem aufmerksamen Beobachter deutscher Energiepolitik nur allzu vertraut sein dürfte: Ein Großkonzern fordert staatlichen Zwang, der zufällig exakt seinem eigenen Geschäftsmodell in die Hände spielt. Die Energiewende als Türöffner für neue Umsatzströme – wer hätte das gedacht?
Was ist ein Smart Meter überhaupt?
Ein Smart Meter, auch intelligentes Messsystem genannt, ist ein digitaler Stromzähler, der den Verbrauch misst und diese Daten direkt an den Versorger sowie den Netzbetreiber übermittelt. Doch der Datenfluss ist keine Einbahnstraße. Das Gerät kann auch Signale empfangen – etwa um bei Netzengpässen die Stromversorgung einzelner Geräte zu drosseln. Wer sich an George Orwells „1984" erinnert fühlt, liegt vielleicht gar nicht so falsch. Denn die Frage, wer künftig darüber entscheidet, wann welches Gerät in Ihrem Haushalt wie viel Strom bekommt, ist alles andere als trivial.
Dynamische Tarife: Segen oder Fluch?
Eon preist die Vorteile intelligenter Zähler in den höchsten Tönen. Kunden könnten dynamische Stromtarife nutzen und dadurch ihre Kosten senken. Als Vorbild nannte Spieker Großbritannien, wo Strom am späten Nachmittag teurer sei und zu anderen Zeiten weniger koste. Britische Kunden hätten ihr Verhalten angepasst und sparten im Schnitt fünf bis zehn Euro monatlich. Das sei „megarelevant", so der Eon-Vorstand.
Fünf bis zehn Euro im Monat. Klingt zunächst verlockend. Doch was bedeutet das in der Praxis? Der deutsche Bürger soll seinen Alltag nach den Launen des Strommarktes ausrichten. Waschen, wenn der Strom billig ist. Kochen, wenn das Netz es erlaubt. Das Elektroauto laden, wenn der Algorithmus grünes Licht gibt. Flexibilität nennt die Energiebranche das. Man könnte es auch als schleichende Bevormundung bezeichnen.
Die eigentliche Frage: Wer profitiert?
Eon betreibt rund ein Drittel des deutschen Stromverteilnetzes und versorgt hierzulande etwa zwölf Millionen Strom- sowie zwei Millionen Gaskunden. Für den Konzern sind Smart Meter nicht nur ein Baustein der Energiewende, sondern – und das gibt man offen zu – die Grundlage neuer Geschäftsmodelle. Wo der Verbrauch im Viertelstundenrhythmus erfasst wird, lassen sich maßgeschneiderte Produkte verkaufen. Flexible Ladetarife für E-Autos, optimierter Eigenverbrauch für Photovoltaik-Besitzer, intelligente Steuerung von Energiespeichern – die Möglichkeiten sind vielfältig. Und für Eon äußerst profitabel.
Dass ein Konzern seine Geschäftsinteressen verfolgt, ist legitim und in einer Marktwirtschaft selbstverständlich. Bedenklich wird es allerdings, wenn staatlicher Zwang als Hebel dienen soll, um diese Interessen durchzusetzen. Die bisherige Regelung, wonach Netzbetreiber nur unter bestimmten Bedingungen zur Umrüstung verpflichtet sind – etwa bei Haushalten mit Wärmepumpe oder größerer Solaranlage –, hatte durchaus ihre Berechtigung. Eine pauschale Pflicht für alle 42 Millionen Haushalte wäre ein massiver Eingriff, dessen Kosten letztlich der Verbraucher tragen dürfte.
Energiewende auf Kosten des Bürgers
Die Forderung von Eon reiht sich nahtlos ein in eine Politik, die den deutschen Bürger zunehmend zum Spielball ideologisch getriebener Großprojekte macht. Ob Heizungsgesetz, CO₂-Abgabe oder nun die Smart-Meter-Pflicht – stets wird der Einzelne in die Pflicht genommen, während Konzerne und Politik die Rahmenbedingungen zu ihrem Vorteil gestalten. Das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen der neuen Bundesregierung, die im Grundgesetz verankerte Klimaneutralität bis 2045 und nun auch noch eine flächendeckende Zwangsdigitalisierung der Stromzähler: Die Rechnung für all das wird Generationen belasten.
Es wäre an der Zeit, dass die Politik unter Bundeskanzler Friedrich Merz hier klare Prioritäten setzt. Statt blindem Aktionismus und der Erfüllung von Konzernwünschen bräuchte Deutschland eine Energiepolitik, die den Bürger nicht als Melkkuh betrachtet, sondern als mündigen Verbraucher ernst nimmt. Ob die neue Große Koalition dazu den Mut aufbringt, darf bezweifelt werden. Die Erfahrung lehrt: Wenn Großkonzerne und Politik gemeinsame Sache machen, zahlt am Ende immer derselbe – der deutsche Steuerzahler.
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