
Enteignungs-Schock in Berlin: Vonovia-Aktie stĂŒrzt auf Dreijahrestief

Der Wahlsieg der Linken in Berlin hat an der Börse eingeschlagen. Die Aktie des Dax-Konzerns Vonovia rutschte am Dienstag zwischenzeitlich auf 17,06 Euro â den tiefsten Stand seit dem Sommer 2023. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf gut 30 Prozent.
Der Grund ist ein Reizwort, das viele in der Hauptstadt lĂ€ngst abgehakt hatten: Vergesellschaftung. Auf gut Deutsch: Enteignung groĂer Wohnungskonzerne gegen EntschĂ€digung.
Ein Volksentscheid von 2021 â und plötzlich wieder brandaktuell
Die Linke, laut Berliner Zeitung mit 25,7 Prozent klar stĂ€rkste Kraft vor CDU (18,8), AfD (16,3) und GrĂŒnen (14,3), will den Volksentscheid âDeutsche Wohnen & Co enteignenâ aus dem Jahr 2021 endlich umsetzen. Damals stimmten Berichten zufolge 57,6 Prozent der Teilnehmer dafĂŒr.
Betroffen wĂ€ren private Vermieter mit mehr als 3.000 Wohnungen â nach SchĂ€tzungen rund 240.000 Wohnungen in Berlin. Allein Vonovia hĂ€lt mit der Tochter Deutsche Wohnen gut 130.000 Einheiten in der Stadt. Kein Wunder, dass Anleger nervös werden.
Spitzenkandidatin Elif Eralp lieĂ am Wahlabend in der ARD keinen Zweifel:
âWenn die Linke regiert, wird vergesellschaftet. Das habe ich so gesagt und dabei bleibe ich auch.â
Die Rechnung: Milliarden, die Berlin nicht hat
Was das kosten wĂŒrde? Die Berliner Verwaltung bezifferte die EntschĂ€digungen fĂŒr rund 243.000 Wohnungen auf 28,8 bis 36 Milliarden Euro â plus Erwerbsnebenkosten. Zum Vergleich: Das ist in der GröĂenordnung eines kompletten Berliner Landeshaushalts, gestemmt von einem Land, das schon heute jeden Euro dreimal umdreht.
Medienberichten zufolge warnt der Immobilienökonom Michael VoigtlĂ€nder vom IW Köln vor Kapitalflucht und immensen Kosten. Aus Sicht unserer Redaktion liegt hier der eigentliche Sprengstoff: Wer Eigentum zur politischen Verhandlungsmasse macht, vertreibt genau jenes Kapital, das fĂŒr neue Wohnungen gebraucht wĂŒrde. Gebaut wird durch Enteignung keine einzige zusĂ€tzliche Wohnung.
Die Berliner selbst sind inzwischen skeptisch
Bemerkenswert: Die Stimmung hat sich gedreht. In der Nachwahlbefragung von Infratest Dimap lehnten 51 Prozent der Berliner die Enteignung groĂer Wohnungsunternehmen ab, nur 37 Prozent waren dafĂŒr. Mehrheitlich dafĂŒr waren allein die WĂ€hler der Linken (72 Prozent), am deutlichsten dagegen die der CDU (81 Prozent).
Vonovia-Chef Luka Mucic sieht Berichten zufolge keine Mehrheit fĂŒr die PlĂ€ne und setzt stattdessen auf Neubau. Ob das Thema damit vom Tisch ist, bleibt offen â zumal Beobachter darauf verweisen, dass ein solches Vorhaben notfalls erneut ĂŒber eine Volksabstimmung angeschoben werden könnte.
Was Anleger daraus lernen können
Die NervositÀt erfasste den ganzen Sektor: Auch Aroundtown, LEG Immobilien und TAG Immobilien gaben nach. Hinzu kommt der Druck gestiegener Zinsen, der die kreditfinanzierte Immobilienbranche seit Jahren belastet.
Die Lektion ist unbequem, aber klar: Immobilienvermögen ist ortsgebunden â und damit politisch angreifbar. Wer sein Vermögen streuen will, kommt an dieser Erkenntnis nicht vorbei. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber gelten Anlegern seit Generationen als solide, unabhĂ€ngige Beimischung eines breit aufgestellten Portfolios â Sachwerte ohne Grundbuchamt, ohne Mietendeckel, ohne Wahlabend-Risiko.
Hinweis: Dieser Beitrag ist journalistische Information und keine Anlageberatung. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen ab. Jede Anlageentscheidung erfordert eigene Recherche und liegt in der Verantwortung des Anlegers; Kursverluste bis zum Totalverlust sind möglich.
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