
Energiepoker in Osteuropa: Budapest dreht Kiew den Diesel-Hahn zu
Was sich seit Wochen als schwelender Konflikt abzeichnete, hat nun eine neue Eskalationsstufe erreicht: Ungarn stellt seine Diesel-Lieferungen an die Ukraine ein – und zwar so lange, bis russisches Rohöl wieder durch die Druschba-Pipeline fließt. Ein Schachzug, der die ohnehin fragile Energieversorgung der kriegsgebeutelten Ukraine empfindlich treffen dürfte.
Szijjártó macht Ernst
Ungarns Außenminister Péter Szijjártó ließ am Mittwoch keinen Zweifel an der Entschlossenheit Budapests. Die Diesel-Ausfuhr in Richtung Ukraine sei „eingestellt worden", verkündete er auf einer Regierungspressekonferenz und wiederholte die Botschaft demonstrativ auf Facebook. Die Bedingung für eine Wiederaufnahme formulierte er unmissverständlich: Erst wenn das russische Rohöl wieder über die Druschba-Leitung nach Ungarn fließe, werde man auch wieder liefern.
Man muss kein Geopolitik-Experte sein, um die Brisanz dieser Entscheidung zu erkennen. Die Ukraine ist in erheblichem Maße auf Energieimporte aus und über Ungarn angewiesen – nicht nur Diesel, sondern auch Erdgas und Strom. Budapest spielt hier eine Karte aus, die Kiew empfindlich schmerzen dürfte.
Die Druschba-Pipeline – Lebensader mit Sollbruchstelle
Seit dem 27. Januar fließt kein russisches Rohöl mehr über die südliche Trasse der legendären Druschba-Leitung. Der ungarische Energiekonzern MOL bestätigte den vollständigen Ausfall. Die Pipeline, deren Name ironischerweise „Freundschaft" bedeutet, verläuft über ukrainisches Territorium und versorgt als zentrale Route sowohl Ungarn als auch die Slowakei mit Rohöl.
Über die Ursache des Ausfalls herrscht erwartungsgemäß Uneinigkeit. Szijjártó behauptete, die technischen Voraussetzungen für eine Wiederinbetriebnahme seien längst gegeben – die ukrainische Führung habe sich jedoch aus politischen Gründen gegen eine Wiederaufnahme entschieden. Eine unabhängige Bestätigung dieser Darstellung liegt bislang nicht vor. Moskau wiederum wirft Kiew „Energieerpressung" vor. Die Wahrheit dürfte, wie so oft in diesem Konflikt, irgendwo zwischen den Propagandafronten liegen.
Strategische Reserven als Puffer
Die ungarische Regierung gibt sich derweil betont gelassen, was die eigene Versorgungslage betrifft. Man verfüge über strategische Rohölreserven für mehr als drei Monate, hieß es aus Budapest. Parallel werde bereits an alternativen Beschaffungswegen gearbeitet. MOL organisiere verstärkt Rohölimporte per Schiff über Kroatien. Erste Tankerladungen seien bereits unterwegs und sollten Anfang März im kroatischen Hafen Omišalj eintreffen. Von dort dauere der Weitertransport zu den Raffinerien in Ungarn und der Slowakei weitere fünf bis zehn Tage.
Auch Bratislava zieht die Notbremse
Ungarn steht mit seiner Reaktion nicht allein. Auch die Slowakei, die als Binnenstaat ebenfalls massiv von der Druschba-Pipeline abhängt, reagiert auf den Lieferausfall. Die Raffinerie Slovnaft kündigte an, den Export von Diesel vorübergehend auszusetzen und die Produktion auf den Inlandsmarkt zu konzentrieren. Die slowakische Regierung will bis zu 250.000 Tonnen Rohöl aus strategischen Reserven freigeben.
Hier zeigt sich einmal mehr das grundlegende Dilemma europäischer Energiepolitik. Während Brüssel seit Jahren gebetsmühlenartig die Abkehr von russischen Energieträgern predigt, haben Binnenstaaten wie Ungarn und die Slowakei schlicht keine kurzfristigen Alternativen zum Pipeline-Transport. Die geografische Realität lässt sich eben nicht durch ideologische Wunschvorstellungen ersetzen – eine Lektion, die auch die deutsche Politik in den vergangenen Jahren auf schmerzhafte Weise lernen musste.
Ein Lehrstück über Energieabhängigkeiten
Viktor Orbán, der in Brüssel ohnehin als unbequemer Quertreiber gilt, demonstriert mit diesem Schritt einmal mehr seine pragmatische Linie. Während andere europäische Regierungen sich in moralischen Appellen ergehen, handelt Budapest nach dem nüchternen Prinzip der Interessenpolitik: Wer die eigene Energieversorgung gefährdet, darf nicht erwarten, von eben dieser Versorgung zu profitieren.
Aus Kiew lagen zunächst keine offiziellen Stellungnahmen zu den möglichen Folgen des Lieferstopps vor. Ob und wann der Transit über die Druschba-Pipeline wieder aufgenommen wird, bleibt völlig offen. Klar ist hingegen, dass dieser Energiepoker die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Budapest und Kiew weiter belasten wird.
Die gesamte Situation führt eindrücklich vor Augen, wie verwundbar moderne Volkswirtschaften sind, wenn Energielieferketten unterbrochen werden. In Zeiten geopolitischer Unsicherheit und fragiler Versorgungsstrukturen erweist sich einmal mehr, dass physische Werte wie Gold und Silber als krisensichere Vermögenssicherung ihre Berechtigung haben. Während Energiepreise schwanken und politische Entscheidungen ganze Lieferketten zum Erliegen bringen können, bieten Edelmetalle jene Stabilität, die in turbulenten Zeiten unverzichtbar ist.
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