
Energie-Schock ohne Ende: IEA-Chef sieht auch 2027 keine Entwarnung!

Wer auf sinkende Preise an der Zapfsäule und bei der Heizkostenabrechnung gehofft hatte, muss sich auf eine bittere Wahrheit einstellen. Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), hat am Montag auf der Singapore International Energy Week erklärt, dass die globalen Energiemärkte auch 2027 nicht zum Vorkriegszustand zurückfinden würden. Am härtesten dürfte es im kommenden Winter Europa treffen.
„Kein glaubwürdiger Weg" zurück
Birol wählte ungewöhnlich deutliche Worte. Laut Nachrichtenagentur Reuters sagte er sinngemäß:
„Ich fürchte, ich sehe keinen glaubwürdigen Weg, auf dem die Märkte im nächsten Jahr dorthin zurückkehren, wo wir vor Beginn dieses Krieges standen."
Regierungen und Unternehmen müssten deshalb die Energiesicherheit zur obersten Priorität machen, so der IEA-Chef. Eine Prognose zum Ölpreis lehnte er ab. Er warnte aber, das aktuelle Preisniveau reiße die Handelsbilanzen vieler Länder tief ins Minus.
Zur Erinnerung: Seit dem Krieg der USA und Israels gegen den Iran, der Anfang 2026 eskalierte, ist die Straße von Hormus massiv gestört. Medienberichten zufolge hatte sich der Ölpreis bis März gegenüber dem Jahresbeginn ungefähr verdoppelt.
Brent an der 120-Dollar-Marke
Am Freitag kletterte die Nordseesorte Brent auf 117 Dollar je Barrel. Am Montagmorgen gab sie etwas nach und notierte um 114 Dollar, weil neue diplomatische Bemühungen am Golf etwas Hoffnung machten. Doch wie belastbar ist diese Hoffnung? Ein neuer Schlagabtausch zwischen Washington und Teheran könnte die Preise jederzeit weiter nach oben treiben.
Birol zufolge flirtet Öl mit der Marke von 120 Dollar, während die Preise für Raffinerieprodukte „sogar noch viel höher" lägen. Genau dort liegt das eigentliche Problem.
Diesel wird zum Nadelöhr
Im Winter steigt die Nachfrage nach Diesel und Heizöl, gleichzeitig gehen etliche Raffinerien in die Wartung. In einem aktuellen Bericht warnt die IEA, der Markt für Gasöl werde bis weit ins Jahr 2027 angespannt bleiben. Erhole sich das Angebot aus dem Nahen Osten nicht, könnten weitere Nachfragerückgänge nötig werden, und die wären mit hohen wirtschaftlichen Kosten verbunden. Im Klartext heißt das: Die Wirtschaft schrumpft, bis Angebot und Nachfrage wieder zusammenpassen.
Europas harter Winter: Hausgemacht und importiert
Für Europa sieht Birol einen „harten Winter" voraus. Die Länder hätten beschlossen, ihre Gasimporte aus Russland zu kappen. Hinzu komme, dass Katar und die Emirate kriegsbedingt nicht mehr wie früher liefern könnten. Reuters berichtete bereits im März, dass iranische Angriffe rund 17 Prozent der katarischen LNG-Kapazität für drei bis fünf Jahre lahmgelegt hätten.
Die Folgen zeigen sich längst an der Börse. Der europäische Gaspreis liegt bei rund 96 Euro je Megawattstunde und damit so hoch wie seit 2022 nicht mehr. Goldman-Sachs-Analyst Daan Struyven hält 150 Euro für möglich, falls die Störungen am Golf anhalten. Die Bank of America sieht bei einer längeren Blockade der Straße von Hormus Ölpreise von bis zu 150 Dollar.
Deutschland ist besonders verwundbar. Nach dem Atomausstieg, mit Industriestrompreisen, die schon vor dem Krieg weltweit zu den höchsten gehörten, und einer Wirtschaft, die seit Jahren stagniert, fehlt jeder Puffer. Das Institut der deutschen Wirtschaft hatte laut Reuters schon im Frühjahr vorgerechnet, dass ein Ölpreis von 100 Dollar die deutsche Wirtschaft über zwei Jahre rund 40 Milliarden Euro kosten könnte. Inzwischen liegt der Preis deutlich darüber. Die Bundesregierung unter Friedrich Merz setzt derweil auf neue Schulden in Milliardenhöhe. Eine überzeugende Antwort auf die Energiefrage ist das aus Sicht vieler Kritiker nicht.
Was Bürger jetzt bedenken sollten
Teure Energie wirkt wie eine Steuer, die niemand beschlossen hat. Sie treibt die Inflation, frisst Kaufkraft und schwächt die Ersparnisse. In solchen Phasen haben sich physisches Gold und Silber historisch oft als Stabilitätsanker bewährt. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen können sie helfen, sich gegen Krisen abzusichern, die die Politik offenbar nicht in den Griff bekommt.
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