
„Einstampfen!“: Pocher zerlegt ARD und ZDF und knöpft sich Böhmermann vor

Diesmal meint er es ernst: Comedian Oliver Pocher hat im „TOMorrow Business Podcast“ von Gastgeber Tom Junkersdorf mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk abgerechnet. ARD und ZDF könne man einstampfen, sagte der 48-Jährige. Auch gegen Satiriker Jan Böhmermann, dessen Sendung im Dezember endet, teilte er kräftig aus.
Ein Spaßmacher, der plötzlich nicht mehr scherzt? Genau darin liegt die Sprengkraft dieses Auftritts. Denn Pocher spricht aus, was viele Gebührenzahler seit Jahren beim Frühstück, am Stammtisch und in den Kommentarspalten denken.
„Ich sehe nichts Unabhängiges“
Pochers Hauptvorwurf: Es gebe schlicht zu viele Sender, und am Ende werde nur eine politische Richtung abgebildet. „Ich sehe nichts Unabhängiges“, lautet sein Urteil. Dass ein System, das jeder Haushalt per Zwangsbeitrag finanziert, für Milliarden Euro im Jahr so wirkt, hält er offenbar für nicht mehr vermittelbar.
Als Beispiel nannte er „hart aber fair“. Er finde es problematisch, dass ausgerechnet Louis Klamroth die Sendung moderiere, obwohl bekannt sei, dass dieser mit der Grünen-Politikerin und Klimaaktivistin Luisa Neubauer liiert sei. Wäre Klamroth dagegen mit AfD-Chefin Alice Weidel zusammen, hätte er nach Pochers Einschätzung sicher keine eigene Sendung.
Man muss Pocher nicht mögen, um zu sehen: Dieses Gedankenspiel legt einen wunden Punkt offen. Beim Thema Neutralität messen die Anstalten, so sehen es jedenfalls viele Kritiker, gern mit zweierlei Maß.
Framing, Gendern, Bevormundung
Auch die ständigen Etiketten der Sender gehen dem Entertainer auf die Nerven. In jeder Talkshow müsse er sich die Formel „gesichert rechtsextreme AfD“ anhören, klagte er. Diese politische Schlagseite trage nach seiner Ansicht dazu bei, dass Deutschland nach rechts rücke.
Den Bürgern werde nur noch gesagt, was sie zu tun hätten, so Pocher. Sie sollten gendern und besser nicht erwähnen, dass ihnen Zuwanderer am Bahnhof auffielen, sonst würden sie gleich als Nazi abgestempelt. Sein Rat: die Sorgen der Menschen endlich ernst nehmen, statt sie zu erziehen.
Einen Freibrief für die AfD stellte Pocher allerdings nicht aus. Er nannte sie Populisten, die mit einfachen Lösungen punkteten. Womöglich müssten sie eines Tages in Regierungsverantwortung beweisen, ob sie wirklich Lösungen hätten. Die Umfragen machen das Szenario greifbar: Bei Insa kommt die AfD derzeit auf 29,5 Prozent, die Union liegt bei 19 Prozent.
Frontalangriff auf Böhmermann
Am schärfsten ging Pocher mit Jan Böhmermann ins Gericht. Das Aus des „ZDF Magazin Royale“ sei für ihn das erwartbare Ende einer Sendung, die schon seit Jahren in die Bedeutungslosigkeit gesendet worden sei. Böhmermann sei inhaltlich zu weit gegangen und habe Menschen zu Unrecht beschuldigt, meint Pocher. Dann folgte seine bewusst provokante Pointe:
„Ich glaube, Jan Böhmermann wäre ein super Nazi.“
Nach Pochers Darstellung ziehe Böhmermann seine persönliche Agenda durch und schrecke dabei auch vor Falschaussagen nicht zurück. Diese Mischung habe schließlich zu seinem Abschied vom ZDF geführt.
Wer hat den Stecker gezogen?
Böhmermann selbst erzählt eine ganz andere Geschichte. In seinem Podcast „Fest & Flauschig“ betonte er Medienberichten zufolge, das Ende sei allein seine Entscheidung gewesen, in der ZDF-Führung habe das große Trauer ausgelöst. Die letzte Folge soll am 18. Dezember 2026 laufen. Zuvor war die Zahl der Ausgaben pro Jahr berichten zufolge bereits von 33 auf 22 gekürzt worden. Das ZDF ließ bislang offen, von wem die Nichtverlängerung ausging.
Die eigentliche Frage bleibt unbeantwortet
Ob Pochers Zuspitzungen im Einzelnen treffen, darüber lässt sich streiten. Die Grundfrage aber stellt sich jeden Monat aufs Neue, wenn der Rundfunkbeitrag abgebucht wird: Warum leistet sich Deutschland einen der teuersten Senderapparate der Welt, dem ein wachsender Teil der Bürger nicht mehr traut? Eine echte Reform traut sich die Politik bisher nicht zu. Dass ausgerechnet ein Comedian die Debatte anstößt, sagt viel über den Zustand dieses Systems.

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