
Ducati-Chef warnt: Autonomes Fahren würde die Seele des Motorrads töten
In einer Zeit, in der Technologiegläubigkeit und Fortschrittswahn nahezu religiöse Züge annehmen, meldet sich ein Topmanager zu Wort, der offenbar noch weiß, was Leidenschaft bedeutet. Jason Chinnock, Nordamerika-Chef des legendären italienischen Motorradherstellers Ducati, hat in einem bemerkenswerten Interview eine klare Grenze gezogen – und damit eine Debatte angestoßen, die weit über die Zweiradbranche hinausreicht.
Freiheit auf zwei Rädern – ein Auslaufmodell?
Während in den Vereinigten Staaten bereits Robotaxis von Tesla und Waymo durch die Straßen gleiten und die Technologiebranche das autonome Fahren als unausweichliche Zukunft predigt, stellt sich eine fundamentale Frage: Muss wirklich alles automatisiert werden? Chinnock findet dafür deutliche Worte. Man baue keine „Mobilitätslösungen", sondern Motorräder – Maschinen, die Freude und Spaß bereiten würden. Wer das Fahrerlebnis aus der Hand gebe, könne sich genauso gut in eine Kapsel setzen und sich von A nach B transportieren lassen.
Ein selbstfahrendes Motorrad würde, so der Manager unmissverständlich, „den gesamten Grund für das Motorradfahren zunichtemachen". Man muss kein Biker sein, um die Tragweite dieser Aussage zu verstehen. Es geht um nichts Geringeres als die Frage, ob der Mensch noch Herr seiner eigenen Erfahrungen bleiben darf – oder ob er sich vollständig der Technik unterwerfen soll.
Technik als Diener, nicht als Herrscher
Dabei ist Ducati keineswegs technikfeindlich. Ganz im Gegenteil. Moderne Modelle des 1926 in Bologna gegründeten Traditionshauses stecken voller elektronischer Raffinessen: Traktionskontrolle, Antiblockiersysteme, elektronische Geschwindigkeitsregelungen. All diese Systeme arbeiten im Hintergrund, unsichtbar, dienend. Sie unterstützen den Fahrer, ohne ihm die Kontrolle zu entreißen. Das ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied.
Es ist eine Philosophie, die man sich auch in anderen Lebensbereichen wünschen würde. Technik als Werkzeug, nicht als Vormund. Assistenz statt Bevormundung. Ein Konzept, das in Zeiten allgegenwärtiger Regulierungswut und staatlicher Gängelung geradezu erfrischend wirkt.
Auch der Branchenverband sieht keine Zukunft für das Robo-Motorrad
Der Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM) teilt die Einschätzung des Ducati-Managers weitgehend. Vollautonomes Fahren auf dem sogenannten Level 5 – also die komplette Übernahme durch die Maschine – sei selbst im Automobilbereich noch in weiter Ferne und mit erheblichen rechtlichen wie technischen Unwägbarkeiten behaftet. Für Motorräder gelte dies erst recht. Die Zukunft liege vielmehr in der Vernetzung: Motorräder sollen mit ihrer Umgebung und anderen Verkehrsteilnehmern kommunizieren können, um die Sicherheit zu erhöhen. Nicht mehr, nicht weniger.
Der BVDM erinnert in einer Stellungnahme mit trockenem Humor daran, dass das Motorrad bereits in den 1950er-Jahren totgesagt worden sei – und ganz sicher noch einige Jahrzehnte überleben werde. Eine Prognose, die angesichts der ungebrochenen Faszination für das Fahren auf zwei Rädern durchaus plausibel erscheint.
Ducati unter Druck – aber mit klarer Haltung
Wirtschaftlich steht Ducati, das heute zur Volkswagen-Gruppe gehört, durchaus vor Herausforderungen. Im Jahr 2025 wurden weltweit 50.895 Motorräder ausgeliefert – ein Rückgang von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. Kein dramatischer Einbruch, aber ein Signal. Die Frage, wie sich eine Premiummarke in einem zunehmend technologiegetriebenen Markt behaupten kann, ohne ihre Identität zu verlieren, ist alles andere als trivial.
Doch genau hier liegt die Stärke der Ducati-Strategie. Statt blindem Fortschrittsglauben zu huldigen und jedem Technologietrend hinterherzulaufen, besinnt man sich auf das, was die Marke ausmacht: Emotion, Fahrdynamik, das pure Erlebnis. In einer Welt, die zunehmend von Algorithmen gesteuert wird, ist das beinahe ein rebellischer Akt.
Eine Debatte, die weit über Motorräder hinausgeht
Was Chinnock hier formuliert, ist im Kern eine zutiefst konservative Position – und zwar im besten Sinne des Wortes. Es geht um die Bewahrung von Werten, die nicht einfach durch technischen Fortschritt ersetzt werden können. Das Gefühl von Freiheit, die Eigenverantwortung des Fahrers, die unmittelbare Verbindung zwischen Mensch und Maschine – all das sind Qualitäten, die sich nicht digitalisieren lassen.
In Deutschland, wo die politische Klasse seit Jahren mit Verboten, Regulierungen und ideologisch motivierten Transformationsprojekten die individuelle Freiheit der Bürger beschneidet, sollte diese Haltung besonders aufhorchen lassen. Ob Verbrennerverbot, Tempolimit-Debatte oder die schleichende Entmündigung des Autofahrers durch immer mehr vorgeschriebene Assistenzsysteme – der Trend zur technokratischen Bevormundung ist unübersehbar. Dass ausgerechnet ein Motorradhersteller aus Bologna den Mut aufbringt, diesem Zeitgeist zu widersprechen, verdient Respekt.
Ob das Motorrad auch in 30 Jahren noch jenes Freiheitsgefühl vermitteln wird, das Generationen von Fahrern begeistert hat, bleibt abzuwarten. Eines aber steht fest: Solange es Menschen gibt, die sich nicht in autonome Kapseln sperren lassen wollen, wird das Motorrad seinen Platz behaupten. Und vielleicht ist gerade das die wichtigste Botschaft in einer Zeit, in der allzu viele bereit scheinen, ihre Freiheit bereitwillig an Algorithmen abzutreten.
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