
Dollar-Falle für Pekings Banken: Washington droht mit dem Rauswurf

US-Finanzminister Scott Bessent hat chinesischen Großbanken offen mit dem Ausschluss vom amerikanischen Finanzsystem gedroht. Auslöser ist die von Präsident Donald Trump verkündete Sanktionsoffensive gegen den Iran, in Washington als "Operation Economic Outcast" und "Economic D-Day" verkauft. Peking konterte prompt: Man werde "alle notwendigen Maßnahmen" zum Schutz eigener Interessen ergreifen.
Bessent formulierte es dem Bericht zufolge unmissverständlich: Wer Transaktionen erleichtere und Teil jenes Ökosystems sei, das iranisches Öl in Geld verwandle, werde ins Visier genommen. Jede Einheit, die Geldwäsche oder Sanktionsumgehung für Teheran betreibe, riskiere den Abschied vom Dollar-System.
90 Prozent des iranischen Öls landen in China
Warum das China so hart trifft, zeigt eine einzige Zahl. Vor Kriegsbeginn kaufte die Volksrepublik laut Analysten der U.S.-China Economic and Security Review Commission rund 90 Prozent der iranischen Ölexporte — etwa 12 Prozent der gesamten chinesischen Rohölimporte.
Die ausgeweiteten Sanktionen nennen mehrere in China ansässige Firmen und Personen, die dem iranischen Militär geholfen haben sollen. Washington will Staaten eine Frist zum Abstellen dieser Aktivitäten setzen, veröffentlichte aber keine Termine. Chinas Außenministerium erklärte lediglich, man beobachte die Lage genau.
Peking baut still am Ausweg — CIPS statt SWIFT
Bemerkenswert ist, wie lange Peking sich auf diesen Tag vorbereitet. Die chinesische Zentralbank begann 2012 mit dem Aufbau des Zahlungssystems CIPS — im selben Jahr, in dem die USA die kleine Bank of Kunlun wegen Iran-Geschäften sanktionierten. Heute zählt CIPS 210 direkte Teilnehmerinstitute weltweit, überwiegend Ableger chinesischer Staatsbanken.
Ein in Schanghai ansässiger Berater beschreibt das System als geopolitisches Absicherungsinstrument: Das entstehende Finanzsystem sei nicht eines, in dem Länder den Dollar aufgäben. Erst in diesem Monat verlängerten Argentinien und Australien ihre Währungsswap-Abkommen mit Peking.
Der Dollar dominiert — noch
Die Machtverhältnisse sind eindeutig. Laut SWIFT-Daten entfiel im Juli mehr als die Hälfte aller globalen Zahlungen auf den US-Dollar, der Yuan lag auf Platz fünf mit 3,1 Prozent — nach über vier Prozent Anfang 2025. In der Handelsfinanzierung kommt der Dollar auf knapp 80 Prozent, der Yuan auf 8,4 Prozent.
Genau hier liegt die Ironie der Lage: Washington nutzt seine Finanzmacht als Waffe — und liefert damit allen Konkurrenten das schlagende Argument, Alternativen zu bauen. Ein Ökonom der Economist Intelligence Unit rechnet dem Bericht zufolge mit Gegenschlägen über Seltene Erden, sollte Washington große chinesische Konzerne treffen.
Eine China-Analystin der Eurasia Group hält den Ausschluss einer großen chinesischen Bank aus SWIFT für Peking schlicht für nicht akzeptabel, weil der Abwertungsdruck auf den Yuan massiv stiege. Zudem stehe Ende September ein Treffen zwischen Trump und Xi Jinping an — kaum jemand in Washington wolle diesen Gipfel sprengen.
Was das für Sparer bedeutet
Für europäische Anleger ist die Botschaft unbequem: Wenn Zahlungsverkehr zur Waffe wird, wird jedes Guthaben politisch. Der Dollar-Index legte seit Kriegsbeginn am 28. Februar rund 1,5 Prozent zu, der Yuan gewann fast zwei Prozent gegenüber dem Dollar. Gold notiert Medienberichten zufolge nahe historischen Höchstständen — kein Zufall in einer Welt, in der Kontosperren zum Instrument der Außenpolitik geworden sind.
Physische Edelmetalle bleiben aus Sicht unserer Redaktion eine sinnvolle Ergänzung in einem breit gestreuten Vermögen: Sie kennen keine Sanktionsliste und kein Zahlungssystem, das abgeschaltet werden kann.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir sprechen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen aus. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst informieren.

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