
Diplomatischer Durchbruch? Fünf brisante Erkenntnisse zu den trilateralen Gesprächen zwischen Russland, Ukraine und USA
Die geopolitische Landschaft verschiebt sich in diesen Tagen mit bemerkenswerter Geschwindigkeit. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bestätigte, dass die zweite Runde der trilateralen Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den Vereinigten Staaten am 1. Februar in Abu Dhabi stattfinden wird. Was auf den ersten Blick wie eine routinemäßige diplomatische Ankündigung erscheint, birgt in Wahrheit das Potenzial für einen fundamentalen Wandel in der europäischen Sicherheitsarchitektur.
Die Territorialfrage als letztes Hindernis
Putins engster Berater Juri Uschakow ließ am Vorabend der ersten Gesprächsrunde durchblicken, dass eine dauerhafte Lösung ohne Klärung der Territorialfrage kaum denkbar sei. US-Außenminister Marco Rubio bestätigte diese Einschätzung vor dem Senatsausschuss für Auswärtige Beziehungen mit bemerkenswert klaren Worten: Der einzig verbleibende Streitpunkt sei der territoriale Anspruch auf Donezk. Die seit Monaten kursierenden Berichte über russische Forderungen nach einem ukrainischen Rückzug aus dem Donbass scheinen sich damit zu bestätigen.
NATO-Truppen als Sicherheitsgarantie?
Besonders brisant erscheint die Diskussion über eine mögliche NATO-Präsenz nach Beendigung der Kampfhandlungen. Rubio erklärte, dass die Sicherheitsgarantien im Wesentlichen die Stationierung einer Handvoll europäischer Truppen vorsehen würden – vornehmlich französische und britische Einheiten, mit amerikanischer Rückendeckung. Eine solche Konstellation würde selbstverständlich die Zustimmung Moskaus erfordern.
Die Trump-Administration zeigt sich allerdings noch unentschlossen, ob sie sich potenziell in einen künftigen Konflikt hineinziehen lassen möchte. Steve Witkoff und Jared Kushner hatten zwar bereits Unterstützung für NATO-Truppen in der Ukraine signalisiert, doch die endgültige Entscheidung steht noch aus.
Ein möglicher Tauschhandel zeichnet sich ab
Die Financial Times berichtete, dass amerikanische Sicherheitsgarantien für die Ukraine an einen Rückzug aus dem Donbass geknüpft sein könnten. Die New York Times ergänzte, dass der von Kiew kontrollierte Teil dieser Region entweder zu einer entmilitarisierten Zone werden oder neutrale Friedenstruppen beherbergen könnte. Ein klassisches Quid pro quo also: Die Ukraine zieht sich aus dem Donbass zurück und erhält im Gegenzug US-Sicherheitsgarantien sowie eine NATO-Stationierung. Russland könnte diesem Arrangement zustimmen, sofern neutrale Friedenstruppen als Puffer fungieren.
Selenskyjs Widerstand und Trumps Zurückhaltung
So vielversprechend dieser potenzielle Kompromiss auch erscheinen mag – Selenskyj bleibt standhaft in seiner Weigerung, sich aus dem Donbass zurückzuziehen. Bemerkenswert ist dabei, dass Trump bislang darauf verzichtet hat, öffentlich Druck auf den ukrainischen Präsidenten auszuüben. Keine Drohungen mit der Aussetzung von Waffenlieferungen, keine ultimativen Forderungen. Dies deutet darauf hin, dass es durchaus Grenzen gibt, wie weit Washington für einen Deal zu gehen bereit ist.
Russlands bedeutsamer Kurswechsel
Trotz dieser Einschränkungen ist die diplomatische Rolle der USA nun unverzichtbar geworden. Russlands Zustimmung zur Trilateralisierung der bilateralen Gespräche mit der Ukraine stellt einen signifikanten politischen Kurswechsel dar. Moskau scheint davon überzeugt zu sein, dass Washington es ernst meint mit der Vermittlung – auch wenn die Amerikaner nicht alle Hebel in Bewegung setzen werden.
Die fünf Erkenntnisse aus diesen trilateralen Gesprächen legen nahe, dass Putin weitreichende Kompromisse bei seinen ursprünglichen Maximalzielen der Spezialoperation in Betracht zieht. Es wäre verfrüht, voreilige Schlüsse zu ziehen, warum dem so sein könnte. Sollte jedoch ein solches Ergebnis in einem rechtlich bindenden Abkommen festgeschrieben werden – sei es ein Waffenstillstand, ein Armistice oder ein Friedensvertrag – wird die Analyse unweigerlich folgen, warum Putin glaubt, dass dies im Interesse Russlands liegt.
Für Europa und insbesondere für Deutschland bedeutet diese Entwicklung eines: Die Zeit der bequemen Passivität ist vorbei. Während in Washington und Moskau die Weichen für eine neue Ordnung gestellt werden, muss sich Berlin fragen, welche Rolle es in dieser veränderten Welt spielen will – und ob die bisherige Politik der bedingungslosen Gefolgschaft noch zeitgemäß ist.












