
Die Rückkehr des Wettkampfs: Endlich dürfen Kinder wieder Sieger sein

Manchmal braucht es Jahre, bis sich eine schlechte Idee als das entpuppt, was sie von Anfang an war: ein Irrweg. Bei den Bundesjugendspielen ist es nun offenbar so weit. Die Bildungsministerkonferenz hat in München eine bemerkenswerte Kehrtwende vollzogen und empfiehlt, dass an deutschen Schulen wieder das gemessen werden darf, was bislang als Tabu galt – die tatsächliche Leistung der Kinder.
Vom Kuschelpädagogik-Experiment zurück zur Realität
Worum geht es? Ab dem kommenden Schuljahr sollen in den dritten und vierten Klassen die Ergebnisse in Leichtathletik und Schwimmen wieder exakt erfasst werden dürfen. Stoppuhr, Maßband, Urkunde mit Platzierung – all das, was Generationen von Schülern als selbstverständlich kannten, kehrt zurück. Man möchte fast applaudieren, dass jemand den Mut aufbrachte, eine pädagogische Sackgasse als solche zu benennen.
Zur Erinnerung: Zum Schuljahr 2023/2024 hatten die Bildungsminister empfohlen, in der dritten und vierten Klasse auf jeglichen Wettkampf zu verzichten. Keine genauen Ergebnisse, keine Leistungstabelle, keine Platzierung. Die Urkunde wurde zur inhaltsleeren Geste degradiert. Wer schnell rannte, wer weit sprang – egal. Alle sollten gleich sein. Eine Philosophie, die man aus diversen ideologischen Strömungen der vergangenen Jahre nur allzu gut kennt.
Die Länder spielten von Anfang an nicht mit
Bezeichnend ist, dass sich mehrere Bundesländer dieser pädagogischen Selbstkasteiung von Beginn an verweigerten. Hessen wies seine Schulen klar an, die Platzierungen auf den Urkunden festzuhalten. Rheinland-Pfalz und Hamburg führten den Wettbewerbsmodus ein. Bayern und Nordrhein-Westfalen überließen die Entscheidung den Schulen selbst. Mit anderen Worten: Der gesunde Menschenverstand setzte sich vielerorts gegen die Vorgaben aus den Ministerien durch.
„Wettbewerb, aber eben auch Wettkampf. Das unterstütze ich ausdrücklich, weil das am Ende eben auch eine positive Leistungskultur stärkt“, erklärte Bayerns Kultusministerin Anna Stolz, Präsidentin der Bildungsministerkonferenz.
Warum Leistung kein Schimpfwort sein darf
Es ist kaum zu fassen, dass über eine derartige Selbstverständlichkeit überhaupt diskutiert werden muss. Kinder wollen sich messen. Sie wollen besser werden, sie wollen gewinnen – und ja, sie müssen auch lernen, mit Niederlagen umzugehen. Genau das ist der Stoff, aus dem widerstandsfähige, selbstbewusste Menschen entstehen. Wer Kindern jede Erfahrung von Erfolg und Misserfolg vorenthält, bereitet sie nicht auf das Leben vor, sondern entlässt sie wehrlos in eine Welt, die selten Teilnehmerurkunden verteilt.
Besonders pikant: Ausgerechnet das Bundesbildungsministerium sprach sich besonders entschieden gegen den Wettkampf aus und empfahl, bis zur sechsten Klasse durchgehend auf die reine Angebotsform zu setzen. Man fragt sich unwillkürlich, welches Menschenbild hinter einer solchen Haltung steht. Soll aus deutschen Kindern eine Generation werden, die das Wort Leistung nur noch aus dem Geschichtsbuch kennt?
Ein zaghafter Schritt – mehr nicht
Bei aller Freude über die Korrektur ist Nüchternheit geboten. Künftig stehen den Schulen beide Varianten offen – Wettbewerb wie auch Wettkampf. Und die Beschlüsse der Bildungsministerkonferenz sind ohnehin nur Empfehlungen, deren Umsetzung die Länder freiwillig handhaben. Ob aus der schönen Absichtserklärung tatsächlich gelebte Praxis wird, steht in den Sternen. Es bleibt ein Trauerspiel, dass man im Bildungswesen erst jahrelange Umwege gehen muss, um schließlich wieder dort anzukommen, wo man einst vernünftigerweise stand.
Doch immerhin: Ein kleines Licht der Vernunft flackert auf in einer Bildungslandschaft, die in den vergangenen Jahren zu oft von ideologischen Experimenten statt von gesundem Menschenverstand geprägt war. Vielleicht dürfen Deutschlands Kinder bald wieder das sein, was sie immer waren – Kinder, die rennen, springen, schwimmen und am Ende stolz auf ihre eigene Leistung blicken. Es wäre ein Anfang.
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