
Deutschland blockiert EU-Sanktionen gegen Israel â Wadephul verteidigt zahnlose Symbolpolitik
WĂ€hrend Israels MilitĂ€r die umstrittene Einnahme von Gaza-Stadt vorantreibt und die Todeszahlen im Gazastreifen auf ĂŒber 64.000 gestiegen sind, zeigt sich die deutsche AuĂenpolitik einmal mehr als Papiertiger. AuĂenminister Johann Wadephul (CDU) hĂ€lt den Teilstopp deutscher Waffenlieferungen fĂŒr ausreichend â eine Position, die angesichts der dramatischen Lage vor Ort wie blanker Hohn wirkt.
Ein "klares Signal" ohne Wirkung
Was Wadephul als "klares Signal" verkauft, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als zahnlose Symbolpolitik. Der CDU-Politiker erklĂ€rte gegenĂŒber t-online, Deutschland habe mit dem Teilstopp der Waffenlieferungen "viel bewirkt". Eine Aussage, die angesichts der RealitĂ€t vor Ort geradezu zynisch anmutet. Israels MilitĂ€r treibt unbeirrt die Vorbereitungen zur Einnahme von Gaza-Stadt voran, wo sich schĂ€tzungsweise eine Million Menschen aufhalten.
Die Entscheidung von Bundeskanzler Friedrich Merz vom August, nur jene Waffen nicht mehr zu liefern, die im Gaza-Krieg eingesetzt werden könnten, gleicht einem Tropfen auf den heiĂen Stein. WĂ€hrend andere EU-LĂ€nder konkrete Sanktionen fordern und umsetzen wollen, verharrt Deutschland in seiner gewohnten Rolle des zögerlichen Beobachters.
Europa gespalten â Deutschland blockiert
Die EuropĂ€ische Union zeigt sich zunehmend entschlossen, Israel zur Einhaltung völkerrechtlicher Standards zu bewegen. Die EU-Kommission plant Sanktionen, die israelische Einrichtungen von der Teilnahme an Projekten des EuropĂ€ischen Innovationsrats ausschlieĂen wĂŒrden. Israel könnte dadurch MillionenbetrĂ€ge verlieren. Doch ausgerechnet Deutschland â das sich gerne als moralische Instanz inszeniert â blockiert diese MaĂnahmen.
"Die Regierung Netanjahu verstöĂt serienmĂ€Ăig gegen das Völkerrecht, im Krieg in Gaza und mit dem Siedlungsbau im besetzten Westjordanland", kritisiert Helge Limburg von den GrĂŒnen.
Selbst innerhalb der GroĂen Koalition regt sich Widerstand gegen Wadephuls Kurs. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Isabel Cademartori bezeichnet die geplanten EU-Sanktionen als "klares Signal an Israel, dass Europa nicht lĂ€nger tatenlos zusieht". Deutschland sei eines der wenigen MitgliedslĂ€nder, das den Vorschlag der EU-Kommission blockiere.
Völkermord-VorwĂŒrfe und diplomatische Eiszeit
Die internationale Kritik an Israels Vorgehen verschĂ€rft sich zusehends. Teresa Ribera, VizeprĂ€sidentin der EU-Kommission, sprach erstmals explizit von "Genozid in Gaza" â ein Begriff, den die EU-Kommission als Institution bisher vermieden hatte. Mehr als 140 LĂ€nder haben bereits einen PalĂ€stinenserstaat anerkannt, weitere wollen folgen. Belgien, Frankreich, GroĂbritannien, Kanada und Finnland planen entsprechende Schritte bei der nĂ€chsten UN-Vollversammlung.
Israels Reaktion darauf fĂ€llt erwartbar harsch aus: Dem französischen PrĂ€sidenten Emmanuel Macron wurde eine Absage fĂŒr einen geplanten Israel-Besuch erteilt. Die Anerkennung eines PalĂ€stinenserstaates sei eine "Belohnung fĂŒr die Hamas", so die israelische Regierung.
Die RealitÀt vor Ort spricht eine deutliche Sprache
WĂ€hrend in Berlin und BrĂŒssel ĂŒber Symbolpolitik debattiert wird, spitzt sich die humanitĂ€re Katastrophe im Gazastreifen dramatisch zu. Nach Angaben der örtlichen Gesundheitsbehörden wurden seit Oktober 2023 mehr als 64.200 PalĂ€stinenser getötet. Das Gesundheitssystem ist nahezu vollstĂ€ndig kollabiert, die Zerstörung ist flĂ€chendeckend, die Menschen leiden unter akutem Hunger.
Israels Verteidigungsminister Israel Katz kĂŒndigte eine weitere Intensivierung der MilitĂ€roperationen an: "Der Riegel vor den Toren der Hölle in Gaza wird nun entfernt." Die Armee habe bereits die operative Kontrolle ĂŒber 40 Prozent von Gaza-Stadt erlangt, der Einsatz werde in den kommenden Tagen ausgeweitet.
Deutschlands verfehlte Nahostpolitik
Die deutsche Position offenbart einmal mehr die SchwĂ€che der aktuellen AuĂenpolitik. Statt klare Kante zu zeigen und sich fĂŒr die Einhaltung des Völkerrechts einzusetzen, versteckt sich Berlin hinter halbherzigen MaĂnahmen. Der Teilstopp von Waffenlieferungen mag das eigene Gewissen beruhigen, an der Situation vor Ort Ă€ndert er nichts.
Es rĂ€cht sich nun, dass Deutschland jahrzehntelang eine einseitige Nahostpolitik betrieben hat. Die bedingungslose SolidaritĂ€t mit Israel, geboren aus der historischen Verantwortung, hat zu einer LĂ€hmung gefĂŒhrt, die es unmöglich macht, als ehrlicher Makler aufzutreten. WĂ€hrend andere EU-Staaten vorangehen, verharrt Deutschland in selbst auferlegter HandlungsunfĂ€higkeit.
Die GroĂe Koalition unter Merz und Klingbeil setzt damit die gescheiterte Politik ihrer VorgĂ€nger fort. Statt neue Akzente zu setzen und Deutschland als verlĂ€sslichen Partner fĂŒr Frieden und Völkerrecht zu positionieren, wird weiter laviert und blockiert. Eine vertane Chance â nicht nur fĂŒr die deutsche AuĂenpolitik, sondern vor allem fĂŒr die leidende Zivilbevölkerung im Gazastreifen.

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