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Kettner Edelmetalle
13.07.2026
18:44 Uhr

Das Ausstiegs-Märchen bröckelt: Russland liefert mehr Gas nach Europa als je zuvor – trotz aller Sanktionsrhetorik

Es ist eine dieser Wahrheiten, die man in Brüssel am liebsten unter den Teppich kehren würde: Während europäische Spitzenpolitiker sich in markigen Reden über die vollständige Abnabelung von russischer Energie überschlagen, fließt das Flüssigerdgas aus Sibirien munter weiter – und zwar in Rekordmengen. Ausgerechnet Spanien, das musterhafte EU-Land, hat im Juni Russland zum zweitgrößten LNG-Lieferanten befördert und damit die USA verdrängt. Man reibt sich verwundert die Augen.

67,5 Prozent mehr russisches Gas – und keiner will es gewesen sein

Die Zahlen des spanischen Gasnetzbetreibers Enagas sprechen eine deutliche Sprache. Rund 5473 Gigawattstunden Flüssigerdgas habe Madrid im Juni aus Russland bezogen – ein Anstieg von satten 67,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Im März dieses Jahres war Spanien sogar der größte EU-Abnehmer russischen Flüssigerdgases überhaupt. So viel zur vielbeschworenen europäischen Geschlossenheit gegen den Kreml.

Besonders pikant: Ab 2027 will die Europäische Union sämtliche Importe russischen Gases vollständig untersagen. Doch je näher dieses Datum rückt, desto emsiger scheinen die Importeure zu bunkern. Der Leiter des LNG-Hafens im spanischen Bilbao brachte es unverblümt auf den Punkt: Die Importeure würden vor dem Verbot wahrscheinlich so viel wie irgend möglich einführen. Europa könne russisches Gas eben nicht von heute auf morgen ersetzen, mahnte er und forderte gleich eine Verschiebung des gesamten Verbots.

Die Realität schlägt zurück – und Brüssel schaut weg

Was hier geschieht, ist nichts weniger als das Scheitern einer ideologiegetriebenen Energiepolitik in Zeitlupe. Über Jahre hinweg predigte man den Bürgern, man werde sich unabhängig machen, koste es, was es wolle. Und die Bürger zahlten – mit explodierenden Energierechnungen, mit einer schwächelnden Industrie, mit einer Deindustrialisierung, die man in Berlin lieber schönredet als beim Namen zu nennen.

Sie werden wahrscheinlich so viel wie möglich einführen – so die nüchterne Prognose des Hafenchefs von Bilbao über das Verhalten europäischer Importeure vor dem Verbot.

Und Spanien ist längst kein Einzelfall. Auch aus Italien werden die Rufe lauter. Der Chef des Energiekonzerns Eni forderte im April schlicht, das Importverbot ab 2027 wieder einzukassieren. Die durch den Iran-Krieg ausgelöste Energiekrise bezeichnete er als das wichtigste Ereignis der vergangenen vier Jahrzehnte. Man müsse den Importstopp verschieben, um das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nicht weiter anzuheizen.

Das Yamal-Paradoxon: Rekordimporte trotz Sanktionsgetöse

Ein Blick auf die Gesamtbilanz entlarvt die europäische Doppelmoral vollends. Nach Daten des Brüsseler Thinktanks Bruegel importierte die gesamte EU im ersten Halbjahr 2026 rund 13,4 Milliarden Kubikmeter russisches LNG – ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Besonders aus dem arktischen Yamal-Projekt sprudelt das Gas: Rund 9,89 Millionen Tonnen bezog die EU aus der sibirischen Anlage – mehr als jemals zuvor.

Die Hauptabnehmer? Frankreich, Belgien und Spanien. Geschätzte sechs Milliarden Euro habe Europa dafür an Russland überwiesen – jenes Land, das man in Sonntagsreden als geopolitischen Gegner brandmarkt. Man finanziert also mit der einen Hand, was man mit der anderen sanktionieren möchte. Absurder geht es kaum.

Wenn Ideologie auf Physik trifft

Die spanische Energieministerin bemühte sich derweil, den Anstieg als vorübergehend darzustellen – verursacht durch eine volatile Marktlage und logistische Anpassungen. Am geplanten Ausstieg wolle Spanien festhalten. Solche Beteuerungen kennt man zur Genüge. Am Ende regieren nicht politische Willensbekundungen, sondern die harten Gesetze von Angebot und Nachfrage.

Selbst die Bruegel-Experten warnen davor, die fehlenden Mengen ohne Weiteres ersetzen zu können, mahnen aber zugleich zur ideologischen Standhaftigkeit. Man dürfe keine Rückkehr zu russischem Gas prüfen, denn das würde eine Abhängigkeit wiederherstellen, deren Abbau Europa drei Jahre und erhebliche politische Anstrengungen gekostet habe. Nur: Was nützt eine erkaufte Unabhängigkeit, wenn sie die eigene Wirtschaft in die Knie zwingt und die Bürger mit den teuersten Energiepreisen der industrialisierten Welt bestraft?

Die Lehre für den vorausschauenden Bürger

Diese Episode offenbart einmal mehr, wie fragil und widersprüchlich die europäische Energie- und Wirtschaftspolitik geworden ist. Wer glaubt, Politiker hätten die Lage im Griff, sei an die vollmundigen Versprechen der vergangenen Jahre erinnert. Zwischen Ankündigung und Realität klafft ein Abgrund. Wenn ganze Volkswirtschaften ihre Versorgungssicherheit dem Zufall volatiler Märkte und geopolitischer Verwerfungen überlassen, wird deutlich, wie wichtig es ist, das eigene Vermögen krisenfest aufzustellen.

Denn eines lehrt die Geschichte immer wieder: In Zeiten politischer Unsicherheit, Energiekrisen und schwankender Papierwährungen haben physische Edelmetalle wie Gold und Silber ihren Wert bewahrt. Sie sind kein Versprechen auf einem Blatt Papier, sondern beständige Sachwerte, die keiner Regierung und keinem Lieferengpass unterliegen. Als solide Beimischung in einem breit gestreuten Portefeuille bieten sie genau jene Stabilität, die die Politik den Bürgern schuldig bleibt.

Hinweis: Dieser Artikel gibt ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder und stellt keine Anlageberatung dar. Wir betreiben keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Jeder Anleger ist verpflichtet, sich selbst ausreichend zu informieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen eigenständig. Bei Bedarf sollte fachkundiger Rat eingeholt werden.

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