
Colbert tobt: CBS stoppt parteiisches Interview – und der Late-Night-Star spielt den Märtyrer

Was passiert, wenn ein Fernsehsender seinen eigenen Moderator daran erinnert, dass Rundfunkregeln auch für ihn gelten? Er wirft einen öffentlichen Wutanfall. Genau das geschah am Montagabend, als CBS-Anwälte dem Late-Night-Moderator Stephen Colbert untersagten, den demokratischen Senatskandidaten James Talarico aus Texas in seiner Sendung zu interviewen. Der Grund: die sogenannte „Equal Time Rule" der US-Medienaufsichtsbehörde FCC, die Sendern vorschreibt, politischen Kandidaten gleiche Sendezeit einzuräumen.
Die Vorgeschichte: Wenn Parteilichkeit auf Regulierung trifft
Colbert, der seine gesamte Karriere auf bissigen Anti-Trump-Humor und unverhohlene Sympathie für die Demokratische Partei aufgebaut hat, teilte seinem Publikum mit, dass Talarico eigentlich hätte auftreten sollen. Die CBS-Rechtsabteilung habe dem Produktionsteam jedoch „unmissverständlich" mitgeteilt, dass das Interview nicht stattfinden dürfe. Mehr noch: Man habe ihm sogar untersagt, die Angelegenheit überhaupt vor der Kamera zu erwähnen. Eine Anweisung, die Colbert mit theatralischem Trotz ignorierte.
„Weil mein Sender offensichtlich nicht will, dass wir darüber reden – lasst uns darüber reden", verkündete er seinem Publikum, bevor er sich in eine ausgedehnte Beschwerde-Tirade stürzte. Man kennt das Muster: Der selbsternannte Widerstandskämpfer gegen alles Konservative inszeniert sich als Opfer einer vermeintlichen Zensur.
Die Equal Time Rule – ein Relikt oder demokratische Notwendigkeit?
Die FCC-Regel zur gleichen Sendezeit ist keineswegs neu. Sie verpflichtet Rundfunksender, die öffentliche Frequenzen nutzen, dazu, konkurrierenden politischen Kandidaten vergleichbare Sendezeit anzubieten. Seit 2006 hatte die Behörde diese Regel allerdings nicht mehr auf Late-Night-Sendungen angewandt – damals ging es um einen Auftritt des kalifornischen Gouverneurskandidaten Arnold Schwarzenegger bei Jay Leno, der als „echtes Nachrichteninterview" eingestuft wurde.
FCC-Vorsitzender Brendan Carr hatte jedoch im vergangenen Monat ein Schreiben veröffentlicht, in dem er andeutete, dass Talkshows künftig nicht mehr von dieser Ausnahme profitieren sollten. Seine Begründung? Einige Programme seien „von parteiischen Zwecken motiviert". Wer Colberts Sendungen auch nur sporadisch verfolgt, dürfte diese Einschätzung kaum bestreiten können.
Colberts Gegenangriff – vorhersehbar und hohl
Der Moderator reagierte mit der ihm eigenen Mischung aus Empörung und Selbstgerechtigkeit. „FCC you", rief er in Richtung des von Trump ernannten FCC-Vorsitzenden – ein Wortspiel, das die intellektuelle Tiefe seiner Argumentation treffend zusammenfasst. Anschließend schwenkte er auf sein bewährtes Trump-Bashing um und erklärte, die Regierung wolle „jeden zum Schweigen bringen, der etwas Schlechtes über Trump im Fernsehen sagt".
Doch diese Darstellung hält einer nüchternen Überprüfung nicht stand. Colbert hatte erst kürzlich den demokratischen Gouverneur von Pennsylvania, Josh Shapiro, in seiner Sendung zu Gast – ohne dass die Equal Time Rule zum Tragen kam. Shapiro war zum Zeitpunkt des Interviews noch kein offiziell registrierter Kandidat, weshalb die Regelung nicht griff. Während des Gesprächs bezeichnete Colbert Trumps Einwanderungspolitik als „reines Böse" und Vizepräsident J.D. Vance als „Speichellecker". Ausgewogener Journalismus sieht anders aus.
Die offensichtliche Lösung, die Colbert nicht sehen will
Was der Late-Night-Moderator in seinem Märtyrer-Monolog geflissentlich verschwieg: Es hätte eine denkbar einfache Lösung gegeben. Er hätte schlicht die republikanischen Senatskandidaten in Texas ebenfalls in seine Sendung einladen können. Damit wäre der Equal Time Rule Genüge getan gewesen, und das Interview mit Talarico hätte problemlos stattfinden können. Doch Konservativen tatsächlich eine Plattform zu bieten – das scheint für Colbert offenbar undenkbar zu sein. Stattdessen wählte er den Weg der inszenierten Empörung.
FCC-Chef Carr schlug seinerseits eine pragmatische Alternative vor: Wenn Colbert und sein Kollege Jimmy Kimmel sich nicht an die Rundfunkregulierung halten wollten, könnten sie ja zu einem Kabelsender, einem Podcast oder einer Streaming-Plattform wechseln. Ein durchaus vernünftiger Vorschlag angesichts der Vielzahl digitaler Plattformen, die keinen solchen Regulierungen unterliegen. Colbert konterte sarkastisch: „Tolle Idee, Mann, dessen Job es ist, das Rundfunkfernsehen zu regulieren – allen vorzuschlagen, einfach das Rundfunkfernsehen zu verlassen."
Das Interview landete auf YouTube – wo keine Regeln gelten
Letztlich wurde das Gespräch mit Talarico auf dem YouTube-Kanal der Late Show veröffentlicht, wo die Equal Time Rule nicht gilt. Colbert kritisierte CBS dafür, vorauseilend einer FCC-Ankündigung nachzukommen, die die Talkshow-Ausnahme noch gar nicht offiziell aufgehoben habe. Als das Publikum die Entscheidung des Senders ausbuhte, stichelte Colbert gegen seinen eigenen Arbeitgeber: „Ich möchte euch versichern, diese Entscheidung wurde aus rein finanziellen Gründen getroffen" – ein kaum verhüllter Seitenhieb auf die Tatsache, dass seine Sendung dem Sender offenbar Verluste beschert.
Die unbequeme Wahrheit hinter dem Spektakel
Der gesamte Vorfall offenbart eine unbequeme Realität, die Colbert und seinesgleichen lieber verschweigen würden. Rundfunkfernsehen nutzt öffentliche Frequenzen – und unterliegt deshalb anderen regulatorischen Standards als Kabel- oder Streaming-Angebote. Die Equal Time Rule existiert aus gutem Grund: Sie soll verhindern, dass Sender den Zugang zu öffentlichen Frequenzen als politische Waffe einsetzen. Genau das aber tut Colbert Abend für Abend, wenn er demokratische Kandidaten hofiert und konservative Stimmen konsequent ausschließt.
Im Kern läuft Colberts Beschwerde auf eine Forderung nach Sonderbehandlung hinaus. Er möchte demokratische Kandidaten promoten, ohne Republikanern dieselbe Möglichkeit einräumen zu müssen. Dass er dies als „Zensur" und „Autoritarismus" verkauft, ist an Ironie kaum zu überbieten. Denn das Einzige, was das Interview tatsächlich verhinderte, war seine eigene Weigerung, den republikanischen Gegenkandidaten gleiche Sendezeit zu gewähren.
Für europäische Beobachter – und insbesondere für Deutsche, die den zunehmenden Verlust medialer Ausgewogenheit im eigenen Land kennen – ist dieser Fall lehrreich. Er zeigt, was geschieht, wenn Unterhaltungsformate zu politischen Kampfinstrumenten werden und sich dann empören, sobald jemand auf die Spielregeln pocht. Die Frage, ob Medien ihrer demokratischen Verantwortung gerecht werden, stellt sich diesseits wie jenseits des Atlantiks mit wachsender Dringlichkeit.
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