
China-Milliarden statt USA: Deutsche Konzerne wetten auf Peking

Deutsche Unternehmen pumpen wieder Rekordsummen in die Volksrepublik. Rund 5,6 Milliarden Euro flossen im ersten Halbjahr 2026 zusätzlich nach China – ein Plus von etwa einem Drittel gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das geht aus einer Auswertung von Bundesbank-Daten durch das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hervor, über die zuerst eine Nachrichtenagentur berichtete.
Die andere Hälfte der Rechnung ist noch bemerkenswerter: In den USA traten dieselben Unternehmen scharf auf die Bremse. Dort sanken die Direktinvestitionen im selben Zeitraum um rund zwei Drittel auf etwa 4,3 Milliarden Euro.
Warum Peking plötzlich attraktiver wirkt als Washington
Der Grund liegt laut IW-Berechnungen weniger in neuer China-Euphorie als in wirtschaftspolitischer Unsicherheit jenseits des Atlantiks. Verglichen mit dem ersten Halbjahr 2024 – dem letzten vor Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus – seien die deutschen US-Investitionen um fast 80 Prozent eingebrochen.
Zur Einordnung: In den fünf Jahren vor der Corona-Pandemie investierten deutsche Firmen im ersten Halbjahr durchschnittlich 15,8 Milliarden Euro in den Vereinigten Staaten. Heute ist es noch gut ein Viertel davon. Zölle, Kehrtwenden, Drohungen – wer soll auf dieser Grundlage ein Werk für zehn Jahre planen?
„Fitnesscenter“ China – oder doch eine Falle?
IW-Experte Jürgen Matthes sieht für die Unternehmen kaum Alternativen. Das Land bleibe ein zentraler Absatzmarkt, manche Konzerne nutzten es als Härtetest.
„Deutschen Unternehmen bleibt kaum eine Wahl, als weiter in China zu investieren.“
Das KalkĂĽl dahinter: Wer sich gegen die brutale chinesische Konkurrenz behaupte, habe auch auf dem Weltmarkt bessere Chancen. Klingt sportlich. Nur trainiert man hier im Studio eines Wettbewerbers, der die Regeln selbst schreibt.
Der Trend ist älter als Trump
Im längeren Vergleich sind 5,6 Milliarden Euro kein Ausreißer: Der Durchschnitt der Halbjahreswerte von 2020 bis 2025 lag exakt auf diesem Niveau. Die absoluten Spitzenjahre liegen hinter uns – 2022 flossen laut IW 11,5 Milliarden Euro nach China, 2023 rund 11,9 Milliarden, so viel wie nie. Für das Gesamtjahr 2025 weist das Institut rund sieben Milliarden Euro aus.
Auffällig ist die Finanzierung: Der Ausbau werde zunehmend aus vor Ort erwirtschafteten Gewinnen gestemmt. Ein ähnliches Muster zeigt sich in den USA – reinvestierte Gewinne hoch, frisches Beteiligungskapital mager.
Berlins Diversifizierungs-Appelle verhallen
Seit Jahren predigt die Politik, die Abhängigkeit von Peking zu senken. Die Zahlen erzählen eine andere Geschichte. Aus Sicht unserer Redaktion ist das kein Versagen der Unternehmen, sondern eine Quittung für den Standort: Wer Energie verteuert, Bürokratie stapelt und Genehmigungen verschleppt, darf sich nicht wundern, wenn Kapital dorthin wandert, wo schneller gebaut werden darf.
Für Anleger bleibt eine unbequeme Erkenntnis: Die Wertschöpfung deutscher Konzerne hängt an geopolitischen Bruchlinien – zwischen Zollkrieg und Taiwan-Risiko. Wer sein Vermögen breit aufstellen will, ergänzt Unternehmensbeteiligungen deshalb traditionell um physische Edelmetalle, die keiner Standortpolitik und keinem Handelskrieg unterliegen.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst informieren.
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