
China-Konjunktur bricht ein: Platzt jetzt die KI-Blase?

Chinas Wirtschaft zerfällt in zwei Hälften. Im Oktober ist der offizielle Einkaufsmanagerindex des staatlichen Statistikbüros NBS auf 49,3 Punkte gefallen und liegt damit wieder unter der Wachstumsschwelle. Der private RatingDog-Index hält sich dagegen bei 52,0 Punkten. Beide Zahlen zusammen deuten auf etwas, das an den Börsen schon zu sehen war: Der KI-Boom verliert offenbar auch in den Fabrikhallen an Kraft.
Zwei Indizes, zwei Wirtschaften
Gegenüber September verlor der NBS-Index 0,8 Punkte, der RatingDog-PMI nur 0,1 Punkte. Woher kommt der Unterschied? Das liegt vor allem daran, wen die beiden Umfragen erfassen.
Das NBS befragt rund 3.200 Betriebe, wobei große und staatsnahe Konzerne stärker ins Gewicht fallen. Für den RatingDog-Index werden etwa 650 Firmen befragt, überwiegend private Exporteure. Der offizielle Index spiegelt also vor allem die schwache Binnenwirtschaft, der private Index den Exportsektor, der weiter wächst.
Das zeigt sich auch in den Teilindizes. Beim NBS sank die Produktion um 1,9 Punkte auf 49,8, die Neuaufträge fielen auf 49,4 und die Exportaufträge auf 48,7. Beim RatingDog wuchs die Produktion dagegen den elften Monat in Folge, und zwar so stark wie seit April nicht mehr. Die Neuaufträge legten zum 17. Mal hintereinander zu.
Preiskampf auf Kosten der Gewinne
Gute Nachrichten für Chinas Unternehmer sind das trotzdem nicht. Beim RatingDog stiegen die Einkaufspreise den 16. Monat in Folge, während die Hersteller ihre Verkaufspreise zum zweiten Mal binnen drei Monaten senkten. Die Firmen halten ihre Absatzmengen, indem sie auf Gewinn verzichten. Auf Dauer kann das nicht gut gehen.
Dahinter steht auch die Währungspolitik. Mit dem täglichen Kurs-Fixing und umfangreichen Devisenkäufen staatlicher Banken hält Peking den Yuan real rund zehn Prozent unter dem Niveau von 2014. Der Internationale Währungsfonds schätzt die strukturelle Unterbewertung sogar auf 17 bis 25 Prozent. Allein im September sollen Staatsbanken Devisengeschäfte über rund 70 Milliarden US-Dollar abgewickelt haben, die in der offiziellen Bilanz der Zentralbank nicht auftauchen.
Was das für Europa bedeutet
Die Folge sind billige chinesische Waren auf dem Weltmarkt. Das dämpft zwar die Inflation, setzt aber Industrieländer wie Deutschland unter Druck, deren Mittelstand seit Jahren mit hohen Energiepreisen und immer mehr Bürokratie aus Berlin und Brüssel kämpft. Gegen einen künstlich verbilligten Yuan kommen viele Betriebe kaum an.
Chip-Importe fallen: das Warnsignal
Besonders aufschlussreich sind die Importdaten. Der Importindex des NBS fiel um 2,2 Punkte auf 47,0. Das Einkaufsvolumen sank auf 48,9 Punkte, die Auftragsbestände sogar auf 44,1. Die Unternehmen kaufen also weniger Vorprodukte ein, und ihre Auftragsbücher werden dünner.
In den vergangenen Monaten wurden die Importe stark vom Handel mit Speicherchips getrieben. Chinesische Firmen kauften Chips ein, verarbeiteten sie und exportierten den Großteil wieder. Wenn diese Importe nun zurückgehen, spricht das nach Einschätzung von Beobachtern dafür, dass KI-Konzerne weniger Hardware für ihre Rechenzentren brauchen. Auch in den USA werden die Milliardenbudgets für neue Datenzentren inzwischen kritischer geprüft. Zuvor waren die KI-Aktien an Chinas Börsen bereits deutlich gefallen.
Peking hilft nicht nach
Viele Marktteilnehmer hatten auf neue Konjunkturhilfen gehofft. Doch vom Fünften Plenum des Zentralkomitees, das vom 26. bis 29. Oktober tagte, kamen keine entsprechenden Signale. Dazu kommen der Bärenmarkt an Chinas Börsen und Exportaufträge, deren Wachstum auf ein Dreimonatstief gefallen ist. Vieles spricht dafür, dass sich die Wirtschaft zum Jahresende weiter abkühlt.
Für Anleger ist das eine Warnung: Erwartungen, die auf immer neuen Superlativen beruhen, können schnell in sich zusammenfallen. Physisches Gold und Silber haben in solchen Phasen oft als Absicherung gedient. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio können sie helfen, das Vermögen unabhängiger von Börsenstimmungen und Notenbanken zu machen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen für einzelne Wertpapiere oder Finanzprodukte ab. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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