
Chaos an Europas Grenzen: Lkw-Fahrer legen Balkanrouten lahm – Brüssels Bürokratie-Monster fordert seinen Tribut
Was passiert, wenn die EU-Bürokratie auf die Realität trifft? Genau das erleben wir dieser Tage an den Grenzen des Westbalkans. Seit nunmehr drei Tagen blockieren wütende Lkw-Fahrer die wichtigsten Grenzübergänge zum Schengenraum – und die wirtschaftlichen Schäden gehen in die Millionen. Ein Lehrstück darüber, wie gut gemeinte Digitalisierung zum Albtraum für den europäischen Handel werden kann.
100 Millionen Euro Schaden – täglich
Die Zahlen sind erschreckend. Am Grenzübergang Bajakovo, dem wichtigsten Knotenpunkt zwischen Kroatien und Serbien, stauen sich die Lastwagen auf einer Länge von rund zwei Kilometern. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. In Bosnien, Montenegro und Nordmazedonien protestieren Fahrer an dutzenden Kontrollpunkten gleichzeitig. Die serbische Handelskammer CCIS schlägt Alarm: Jeden Tag verlieren die Volkswirtschaften des Westbalkans rund 100 Millionen Euro an Warenexportwerten.
Und was macht Brüssel? Man verfolge die Situation „aufmerksam", ließ ein Kommissionssprecher verlauten. Eine Antwort, die in ihrer bürokratischen Nichtssagendheit kaum zu überbieten ist.
Das Entry/Exit-System: Kontrolle um jeden Preis
Der Auslöser dieser Krise trägt einen sperrigen Namen: Entry/Exit-System, kurz EES. Seit Oktober wird dieses digitale Überwachungsinstrument schrittweise eingeführt. Es erfasst Reisedaten und biometrische Informationen zentral für den gesamten Schengenraum und soll die altmodischen Passstempel ersetzen. Klingt modern, klingt effizient – doch die Realität sieht anders aus.
Das System ermöglicht eine lückenlose Kontrolle der 90-Tage-Regel, wonach Nicht-EU-Bürger sich maximal 90 Tage innerhalb eines Zeitraums von 180 Tagen in der EU aufhalten dürfen. Diese Regelung existiert zwar schon lange, wurde aber bisher eher lax gehandhabt. Nun drohen Verhaftungen. Nedjo Mandic vom Verband der Transportunternehmer Serbiens bringt das Dilemma auf den Punkt: Er habe „kein moralisches Recht", seine Fahrer dorthin zu schicken, „wo sie verhaftet werden könnten".
Wirtschaftliche Verflechtung ignoriert
Die EU ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner des Westbalkans und steht für über 60 Prozent des gesamten Handels in der Region. Allein 2024 belief sich der Warenhandel auf über 83 Milliarden Euro. Doch offenbar hat man in Brüssel bei der Einführung des neuen Systems schlicht vergessen, dass dieser Handel von Menschen abgewickelt wird – von Lkw-Fahrern, die naturgemäß viel Zeit auf europäischen Straßen verbringen.
„Im Moment gibt es keine Neuigkeiten aus Brüssel"
So beschreibt Mitorganisator Mandic die Kommunikation mit der EU-Kommission. Die Forderungen der Protestierenden sind dabei durchaus moderat: Gespräche über Ausnahmeregelungen oder zumindest eine Garantie, dass es keine Verhaftungen geben wird. Doch die Brüsseler Bürokratie schweigt.
Ein Symptom tieferliegender Probleme
Diese Krise offenbart einmal mehr die Schwächen der europäischen Entscheidungsfindung. Man beschließt Systeme am grünen Tisch, ohne die praktischen Konsequenzen zu bedenken. Die Leidtragenden sind am Ende die Wirtschaft und die arbeitenden Menschen – in diesem Fall die Lkw-Fahrer, die zwischen den Fronten zerrieben werden.
Es bleibt zu hoffen, dass Brüssel endlich aufwacht und pragmatische Lösungen findet. Denn eines ist klar: Der europäische Handel kann sich solche Blockaden nicht leisten – schon gar nicht in wirtschaftlich ohnehin angespannten Zeiten.

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