
Buckelwal „Timmy" vor Wismar: Private Initiative übernimmt, wo der Staat versagt
Es ist eine Geschichte, die exemplarisch für den Zustand dieses Landes steht: Ein hilfloser Buckelwal liegt seit Wochen in der Ostsee fest, die Behörden schauen zu – und am Ende muss eine private Initiative einspringen, um das Tier möglicherweise noch zu retten. Was sich in der Bucht vor Wismar abspielt, ist nicht nur ein Tierdrama, sondern ein Lehrstück über behördliche Handlungsunfähigkeit.
Seit Ende März im flachen Wasser gefangen
Bereits seit dem 31. März liegt der Buckelwal, den Medien liebevoll „Timmy" getauft haben, im flachen Wasser nahe der Insel Poel bei Wismar fest. Sein Zustand verschlechtert sich seitdem kontinuierlich. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) bezeichnete das Tier am Mittwoch als „schwer krank". Zwei Wochen. Zwei volle Wochen hat es gedauert, bis man offenbar einen halbwegs tragfähigen Plan vorgelegt hat. Man fragt sich unweigerlich: Was haben die zuständigen Stellen in dieser Zeit eigentlich getan?
Wenn der Staat nicht kann, muss der Bürger ran
Die Antwort auf diese Frage ist so ernüchternd wie bezeichnend. Es liegt nun nicht mehr in der Hand der Behörden, ob der Rettungsversuch gelingt – ein privat beauftragtes Unternehmen übernimmt die Aktion. Minister Backhaus verkündete die neuen Maßnahmen während einer Pressekonferenz und erklärte, er wolle die Bemühungen nach Prüfung des Konzepts „ausdrücklich dulden". Dulden. Nicht etwa aktiv unterstützen, nicht federführend organisieren – nein, man duldet gnädig, dass engagierte Privatleute das tun, was eigentlich Aufgabe des Staates wäre.
Das Konzept der privaten Retter klingt dabei durchaus vielversprechend. Zunächst soll der Wal im vorderen Bereich freigespült werden. Anschließend kommen Luftkissen zum Einsatz, um das massive Tier schonend aus dem Wasser zu heben. Auf einer Plane soll „Timmy" dann zwischen zwei Pontons zunächst bis in die Nordsee transportiert werden, von wo aus er eine realistische Chance hätte, zurück in den Atlantik zu gelangen.
Eine Premiere für Mecklenburg-Vorpommern
Backhaus selbst räumte ein, dass eine Bergung eines lebenden Wals in Mecklenburg-Vorpommern noch nie stattgefunden habe. Die Methode sei „schonend" und „minimal invasiv". Schön und gut – doch warum brauchte es erst private Eigeninitiative, um diesen Ansatz überhaupt auf den Tisch zu bringen? In einem Land, das sich gerne als Vorreiter in Sachen Umwelt- und Tierschutz inszeniert, mutet es geradezu grotesk an, dass die Rettung eines einzelnen Wals die Behörden offenbar vor unlösbare Herausforderungen stellt.
Wettlauf gegen die Zeit
Ob „Timmy" tatsächlich noch gerettet werden kann, steht auf einem anderen Blatt. Der Zustand des Tieres ist kritisch, und jeder weitere Tag im flachen Ostseewasser verschlechtert seine Überlebenschancen dramatisch. Die Rettungsmaßnahmen sollten noch am Mittwoch eingeleitet werden – Eile ist geboten, denn die Uhr tickt unerbittlich.
Es bleibt zu hoffen, dass die private Initiative Erfolg hat. Doch unabhängig vom Ausgang dieser Aktion wirft der Fall „Timmy" ein grelles Schlaglicht auf ein grundsätzliches Problem: Einen Staat, der zunehmend unfähig erscheint, selbst bei vergleichsweise überschaubaren Herausforderungen schnell und entschlossen zu handeln. Wenn es schon bei der Rettung eines einzelnen Wals privater Hilfe bedarf – wie soll dieses Land dann die wirklich großen Aufgaben bewältigen, die vor ihm liegen?
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