
Bremsklotz Gewerkschaft: Wer Deutschland wirklich in den Abgrund lenkt

DGB-Chefin Yasmin Fahimi warnt in einem Zeitungsinterview mit drastischen Worten vor der AfD. Eine AfD-Regierung würde die Bundesrepublik wirtschaftlich isolieren, so die Gewerkschaftsvorsitzende. Kritiker halten dagegen: Den Standort Deutschland haben die Gewerkschaften selbst über Jahre mit geschwächt.
„Eine AfD-Regierung würde Deutschland in den Abgrund führen.“
Der Satz sitzt. Die Frage ist nur, wer da eigentlich am Abgrund steht. Ein Blick auf die Bilanz der vergangenen Jahre wirkt jedenfalls ernüchternd.
Die Mitglieder laufen davon
Nach der Wiedervereinigung zählte der DGB 11,8 Millionen Mitglieder. Ende 2025 waren es laut offiziellen Zahlen noch knapp 5,43 Millionen. Damit ist mehr als die Hälfte weg. Allein die IG Metall verlor im vergangenen Jahr rund 80.000 Mitglieder.
Der Organisationsgrad liegt nur noch bei 12,8 Prozent. Beobachter sehen darin ein klares Votum der Beschäftigten. Sie wenden sich von Funktionären ab, die sich nach Ansicht vieler Kritiker eher mit Haltungsfragen beschäftigen als mit dem Alltag am Band.
Erst mitgezündelt, jetzt nach der Feuerwehr gerufen
Am deutlichsten sieht man das in der Autoindustrie. Die IG Metall forderte schon 2016 den raschen Abschied von Benzin und Diesel. Noch im Oktober 2025 verlangte sie zusammen mit dem Umweltverband BUND mehr Tempo bei der E-Mobilität. Eine Industriegewerkschaft machte also gemeinsame Sache mit Öko-Lobbyisten, und zwar gegen die Produkte, von denen ihre Mitglieder leben.
Die Folgen sind inzwischen bitter. Zulieferer streichen zehntausende Stellen, VW denkt über Werksschließungen nach, und Audi investiert Milliarden in eine neue Fabrik in den USA. IG-Metall-Chefin Christiane Benner will das Verbrenner-Aus nun lockern. Gleichzeitig hält sie an ihrem Kurs fest: „Die Hauptstraße fährt elektrisch.“ Beides auf einmal geht nur schwer.
Bei der Chemie sieht es ähnlich aus. IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis, der mit Fahimi liiert ist, saß in der Kohlekommission und trug den Ausstieg mit. Inzwischen fordert er dringend Entlastung beim CO₂-Handel, weil viele Betriebe auf der Intensivstation lägen.
Weniger arbeiten als Tarifziel
Mitten in der schwersten Krise der Stahlbranche ging IG-Metall-Verhandlungsführer Knut Giesler 2023 mit der Forderung nach einer Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich in die Tarifrunde. Die Forderung ist inzwischen vom Tisch.
Union und SPD wollen die tägliche Höchstarbeitszeit durch eine wöchentliche ersetzen, ohne die Wochenarbeitszeit zu verlängern. Dagegen machen DGB und Verdi mobil, mit Kundgebungen in 15 Großstädten. Pikant dabei: Laut Forsa halten knapp zwei Drittel der Befragten mehr Flexibilität für sinnvoll.
Kein Schulfach Wirtschaft
Auch die Bildungsgewerkschaft GEW hat Vorbehalte gegen ein eigenes Schulfach Wirtschaft. GEW-Chefin Maike Finnern warnte, öffentliche Bildung dürfe „nicht auf ein Instrument zur Wirtschafts- und Finanzmarktförderung reduziert werden“. Dabei hätten Kinder gerade in Zeiten von Inflation und Rentenlücke dringend Wissen über Zinseszins und Vermögensaufbau nötig.
Mitbestimmung ohne Mitverantwortung?
Dazu kommt die Rolle der Gewerkschaften in den Aufsichtsräten. Bei Thyssenkrupp wurden zwei riesige Stahlwerke in Brasilien und Alabama durchgewunken, auch mit Gewerkschaftern im Kontrollgremium. Damaligen Berichten zufolge stand am Ende ein Verlust von rund fünf Milliarden Euro in einem einzigen Geschäftsjahr.
Bei Bayer stimmte der Aufsichtsrat der 63 Milliarden Dollar teuren Monsanto-Übernahme einstimmig zu, also auch mit den Stimmen der Arbeitnehmerseite. Später kündigte der Konzern an, in Deutschland mehr als 4.500 Stellen abzubauen. Heute sitzt Fahimi selbst in diesem Gremium.
Wer mitentscheidet, ist auch mitverantwortlich. Fehler einzelner Manager schaden meist einem Unternehmen. Eine falsche Gewerkschaftslinie dagegen kann ganze Branchen treffen. Wer anderen Abgrundpolitik vorwirft, sollte also zuerst die eigene Bilanz anschauen.
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