
Brasilien-Beben: Bolsonaro gibt auf, will Kongress zur „Festung“ machen

Brasiliens Rechte gibt sich geschlagen, zumindest vorerst. Die Liberale Partei (PL) von Senator Flávio Bolsonaro hat die Wiederwahl des linken Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva nach der Stichwahl vom 25. Oktober offiziell anerkannt. Der unterlegene Herausforderer lässt seinen Plan fallen, die Wahl annullieren zu lassen. Ruhig dürfte es trotzdem nicht werden.
Medienberichten zufolge lag Lula am Ende mit rund 51,8 zu 48,2 Prozent vorn, ein Vorsprung von gut 4,4 Millionen Stimmen. Erstaunlich ist das deshalb, weil Bolsonaro im ersten Wahlgang noch klar geführt hatte. Für Lula ist es bereits die vierte Amtszeit.
Pass weg, Ausreise verboten
Kaum war das Ergebnis da, kam der nächste Paukenschlag. Wie mehrere Medien berichten, verlangte die Bundespolizei am Montag von Bolsonaro, seine Pässe abzugeben, den regulären ebenso wie den Diplomatenpass. Angeordnet habe das der Richter am Obersten Gerichtshof Alexandre de Moraes, der ihm zudem die Ausreise untersagt habe. Gegen den Senator laufen Berichten zufolge Ermittlungen wegen eines mutmaßlichen Geldwäsche-Komplexes.
Moraes ist in Brasilien heftig umstritten. Er war Berichterstatter im Putschprozess gegen Flávios Vater Jair Bolsonaro, den das Gericht zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilte. Das US-Finanzministerium hatte ihn im Juli 2025 mit Sanktionen belegt, die im Dezember wieder aufgehoben wurden. Bolsonaro selbst nannte das Vorgehen einen Einschüchterungsversuch und erklärte, darin zeige sich, dass die Demokratie im Land gescheitert sei.
Die unbequeme Frage nach dem Maßstab
Der US-Journalist Glenn Greenwald stellte ein Gedankenexperiment an. Man solle sich die Lage mit vertauschten Rollen vorstellen: Bolsonaro gewinnt, und ein ihm wohlgesonnener Richter lässt Lula den Pass abnehmen. Dann würden nach seiner Einschätzung sämtliche großen westlichen Medien und liberalen NGOs lautstark vor einem autoritären Angriff auf Brasiliens Wahlen warnen. Diese Frage nach den doppelten Standards sollten sich auch deutsche Redaktionen stellen.
Neuer Angriffsplan statt Annullierung
Ursprünglich wollte Bolsonaro die Wahl wegen einer kurzfristigen Entscheidung des Obersten Gerichts angreifen, die Wahllokale zwei Stunden länger offen zu halten. Davon ist keine Rede mehr. Stattdessen will er nun erreichen, dass Lulas Kandidatur wegen Falschinformationen und des Missbrauchs öffentlicher Gelder für ungültig erklärt wird. Beobachter geben auch diesem Weg nur geringe Erfolgschancen.
„Nicht ich habe verloren. Das System hat gewonnen.“
Viel wichtiger ist seine politische Ansage. Bolsonaro will die gewählten Abgeordneten und Senatoren um sich scharen und beide Kammern des Kongresses zu einer „Festung“ gegen das machen, was er als Barbarei von vier weiteren Lula-Jahren bezeichnet.
Märkte zittern: Was droht dem Real?
An den Finanzmärkten sorgt der Wahlausgang für Nervosität. Ein Analyst der UBS sieht dennoch einen Lichtblick. Lula müsse sich eine Koalition zusammensuchen, weil Senat und Abgeordnetenhaus eher rechts stünden. Die Investmentbank Jefferies erwartet steigende Renditen, einen schwächeren Real und Druck auf binnenwirtschaftlich orientierte sowie kleinere Unternehmen. Ein rechts geprägter Kongress könne zwar zu viel Ausgabenfreude bremsen. Sinkende Zinsen und frisches Geld für Aktien verschöben sich aber nach hinten.
Investoren beschäftigt vor allem die Frage, ob Lula die ausufernden Staatsausgaben in den Griff bekommt. Die Erfahrung lehrt: Wenn Regierungen lieber umverteilen als sparen, zahlen am Ende die Sparer, über Inflation und eine schwache Währung. Schwellenländer-Währungen wie der Real können in solchen Phasen schnell an Wert verlieren. Physisches Gold und Silber dagegen sind an keine Regierung und keine Notenbank gebunden. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen können sie deshalb einen sinnvollen Schutz gegen politische Risiken bieten.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und trägt für seine Anlageentscheidungen allein die Verantwortung.
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