
Blutige Bisse am Traumstrand: Wenn Mallorcas Fische plötzlich zubeißen

Es sollte der entspannte Badetag im Südwesten Mallorcas werden – herausgekommen ist eine Geschichte, die man kaum glauben mag: Badegäste an den Stränden von Illetes und Cala Comtessa in der Gemeinde Calvià wurden am vergangenen Wochenende offenbar von kleinen Fischen attackiert. „Am Ende floss sogar Blut“, schilderte eine Betroffene der spanischen Zeitung Última Hora.
Was zunächst wie ein kurioser Einzelfall klingt, hat sich auf der Lieblingsinsel der Deutschen längst zu einem wiederkehrenden Phänomen entwickelt. Seit 2023 häufen sich Berichte über solche Zwischenfälle an verschiedenen Küstenabschnitten. Erst im Juni erwischte es laut Mallorca Magazin eine Urlauberin aus Berlin in der Cala Major bei Palma: ein kräftiges Zwicken in die rechte Wade, ein Schreck, aber kein Blut. Andere hatten weniger Glück.
Zwei Zähne, ein Beinchen – und plötzlich rote Schlieren im Wasser
Die Schilderungen der Betroffenen lesen sich wie aus einem schlechten Sommerfilm. Kleine Fische, die „offenbar so etwas wie zwei Zähne“ gehabt hätten, seien an die Beine gegangen. Zunächst hätten die Badenden gedacht, die Tiere würden lediglich abgestorbene Haut entfernen – eine Art Gratis-Fußpflege im Mittelmeer. Doch dann wurde es unangenehm konkret.
Wer die Übeltäter sind, ist nicht endgültig geklärt. Das Mallorca Magazin hält Geißbrassen für die wahrscheinlichsten Kandidaten: bis zu etwa 30 Zentimeter groß, mit einem durchaus respektablen Gebiss ausgestattet. Bei einem deutlich schwereren Vorfall im vergangenen Jahr, bei dem eine Frau eine ernsthafte Bissverletzung erlitt, hielten Experten laut Última Hora sogar Blau- oder Drückerfische für denkbar.
Wer still steht, wird gebissen
Besonders gefährdet sind offenbar diejenigen, die im flachen Wasser regungslos verweilen. Füße und Hände treffe es am häufigsten, heißt es. Und die Tiere reagierten nicht nur auf abgestorbene Haut, sondern auch auf Bagatell-Verletzungen – aufgekratzte Mückenstiche etwa oder kleine Wundkrusten. Die Fische fungieren im Meer als natürliche Putzertruppe und reinigen normalerweise andere Fische. Der Mensch ist für sie also lediglich ein besonders großes, unbeweglich herumstehendes Objekt mit essbaren Auflagen.
„Erst einmal habe ich mich total erschrocken“, sagte die Berliner Urlauberin dem Mallorca Magazin.
Und natürlich: das Wasser ist zu warm
Als mögliche Ursache verweisen Experten laut Última Hora auf steigende Wassertemperaturen. Wärmeres Meerwasser könnte demnach den Nahrungsbedarf junger Fische erhöhen und sie ihre Scheu vor Menschen verlieren lassen. Plausibel? Möglicherweise. Nur sollte man daraus nicht gleich die nächste Katastrophenerzählung basteln, die aus jedem Fischbiss einen Beweis für den Weltuntergang destilliert. Denn zur Wahrheit gehört auch: Die Verletzungen bleiben in der Regel harmlos, bluten kurz und heilen ohne Folgen. Ein Zwischenfall, der auf jeder mediterranen Sandbank seit Jahrhunderten denkbar war – nur eben nicht in Zeiten sozialer Medien und permanenter Alarmbereitschaft.
Bemerkenswert ist eher, wie schnell im Sommerloch aus einem gezwickten Wadenbein eine Meldung von internationaler Reichweite wird. Wer jedoch als deutscher Urlauber ohnehin unter der Rekordinflation der vergangenen Jahre, steigenden Flugpreisen, Luftverkehrsteuer und wachsender Abgabenlast stöhnt, dürfte den Fischbiss als das kleinere Ärgernis empfinden. Die wirklich schmerzhaften Bisse ins Fleisch der Bürger kommen bekanntlich nicht aus dem Mittelmeer, sondern aus Berliner Amtsstuben.
Was Urlauber beachten sollten
Wer entspannt baden will, sollte im flachen Wasser nicht minutenlang wie ein Denkmal stehen bleiben, offene Hautstellen im Auge behalten und im Zweifel den Standort wechseln. Panik ist unangebracht, Aufmerksamkeit dagegen nie ein Fehler – im Wasser wie an Land.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine medizinische Beratung dar. Er beruht auf den uns vorliegenden Medienberichten sowie der Einschätzung unserer Redaktion. Bei gesundheitlichen Beschwerden nach Tierbissen sollte stets medizinischer Rat eingeholt werden.
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