
Blitzermarathon 2026: Wenn der Staat seine Bürger wieder einmal zur Kasse bittet

Es ist wieder soweit. Die sogenannte „Speedweek" rollt durch die Republik, und mit ihr eine Armada von Radarfallen, die sich wie ein engmaschiges Netz über Autobahnen, Bundesstraßen und Innenstadtbereiche legt. Seit Wochenbeginn kontrolliert die Polizei in nahezu allen Bundesländern verstärkt die Geschwindigkeit – der Mittwoch gilt dabei als Schwerpunkttag des bundesweiten Blitzermarathons. Nur das Saarland habe sich der Aktion nicht angeschlossen, wie der ADAC mitteilte.
Sicherheit oder Abkassiererei?
Offiziell geht es natürlich um die Verkehrssicherheit. Die Polizei wolle die Risiken überhöhter Geschwindigkeit ins öffentliche Bewusstsein rücken, heißt es. Und ja, niemand bestreitet, dass unangepasste Geschwindigkeit zu den häufigsten Unfallursachen gehört – insbesondere bei tödlichen Verkehrsunfällen. Doch die Frage drängt sich auf: Braucht es wirklich eine medienwirksam inszenierte Kontrollwoche, um Autofahrer an etwas zu erinnern, das eigentlich selbstverständlich sein sollte?
Der ADAC bewertet die Aktion grundsätzlich positiv. Die intensive Medienberichterstattung sensibilisiere nicht nur jene, die tatsächlich geblitzt würden, sondern wirke auch präventiv auf die breite Masse der Verkehrsteilnehmer. Eine durchaus nachvollziehbare Argumentation – wenn man denn an die reine Absicht der Prävention glaubt.
Deutliche Kritik vom Deutschen Anwaltverein
Wesentlich nüchterner fällt das Urteil des Deutschen Anwaltvereins aus. Dessen Hauptgeschäftsführerin Sylvia Ruge habe zu Beginn der Aktion erklärt, wer am Straßenverkehr teilnehme, solle seine Geschwindigkeit jederzeit und nicht nur in zwei Wochen im Jahr an den Verkehr, die Umgebung und die Wetterlage anpassen. Ein Satz, der sitzt. Denn er entlarvt das eigentliche Problem: Wenn der Staat es nur zweimal jährlich für nötig hält, konsequent zu kontrollieren, dann ist das kein Sicherheitskonzept – dann ist das ein Spektakel.
Kontrolliert wird laut ADAC auf unfallträchtigen Strecken sowie in sensiblen Bereichen wie vor Schulen, Baustellen und Krankenhäusern. Dagegen ist selbstverständlich nichts einzuwenden. Doch warum geschieht dies nicht das ganze Jahr über mit derselben Konsequenz? Die Antwort liegt auf der Hand: Weil permanente Kontrollen Personal kosten, das die chronisch unterbesetzten Polizeibehörden schlicht nicht haben. Ein Zustand, der weniger den Beamten vor Ort als vielmehr der politischen Führung anzulasten ist, die seit Jahren bei der inneren Sicherheit spart, wo es nur geht.
Was droht Temposündern konkret?
Die verstärkten Radarkontrollen dauern in der Regel bis zum kommenden Sonntag an. Wer in eine Radarfalle gerät, muss mit den üblichen Sanktionen rechnen: Bußgelder, Punkte in Flensburg und gegebenenfalls ein Fahrverbot. Die nächste „Speedweek" sei bereits für den 3. bis 9. August geplant – man darf also davon ausgehen, dass die Kassen der Kommunen auch im Sommer wieder kräftig klingeln werden.
Besonders pikant: Während der Staat den Autofahrer mit immer neuen Auflagen, Tempolimit-Debatten und nun auch medienwirksamen Blitzermarathons gängelt, verfallen gleichzeitig Straßen und Brücken in einem Tempo, das seinesgleichen sucht. Das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur, das die Große Koalition unter Friedrich Merz auf den Weg gebracht hat, wird zu einem erheblichen Teil durch Schulden finanziert – Schulden, die kommende Generationen über Steuern und Abgaben werden tilgen müssen. Man fragt sich unwillkürlich, ob es nicht sinnvoller wäre, zunächst die maroden Straßen zu sanieren, bevor man den Bürgern vorschreibt, wie schnell sie auf ebendiesen fahren dürfen.
Ein Symptom tieferliegender Probleme
Der Blitzermarathon ist letztlich nur ein Symptom. Ein Symptom einer Politik, die lieber symbolisch handelt als strukturell. Die lieber einmal im Quartal medienwirksam durchgreift, anstatt dauerhaft für Sicherheit auf den Straßen zu sorgen. Und die den fleißigen Autofahrer – der in diesem Land nach wie vor das Rückgrat der Mobilität bildet – zunehmend als Melkkuh betrachtet, während gleichzeitig die Deutsche Bahn von einer Panne zur nächsten taumelt. Erst am vergangenen Wochenende mussten Fahrgäste einer S-Bahn evakuiert werden, nachdem diese in eine Oberleitung gefahren war.
Wer wirklich etwas für die Verkehrssicherheit tun will, der investiert in bessere Straßen, in mehr Polizeipräsenz – und zwar das ganze Jahr über – und in eine Infrastruktur, die diesen Namen verdient. Alles andere ist Symbolpolitik. Und davon hat dieses Land wahrlich genug.
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