
Blair und Trump schmieden Pläne für Gaza – während Palästinenser verhungern
Während in Gaza Kinder an Hunger sterben, trifft sich die politische Elite in Washington zu Hinterzimmergesprächen über die Zukunft des Landstreifens. Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair, einst Architekt des Irak-Desasters, hat sich am Mittwoch mit US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus getroffen, um über die Nachkriegsordnung in Gaza zu beraten. Dass ausgerechnet Blair, der Mann, der sein Land mit erfundenen Massenvernichtungswaffen in den Krieg log, nun über das Schicksal der Palästinenser mitentscheiden soll, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.
Die üblichen Verdächtigen am Verhandlungstisch
Neben Blair nahm auch Jared Kushner an dem Treffen teil – Trumps Schwiegersohn, der bereits in seiner ersten Amtszeit mit seinem "Deal des Jahrhunderts" spektakulär gescheitert war. Steve Witkoff, Trumps Nahost-Gesandter, kündigte vollmundig einen "sehr umfassenden" Plan für den Tag nach dem Krieg an. Man wolle den Konflikt innerhalb der nächsten vier Monate beenden, so Witkoff gegenüber Fox News. Welche konkreten Vorschläge diskutiert wurden, blieb freilich im Dunkeln – Transparenz war noch nie die Stärke solcher Hinterzimmer-Diplomatie.
Humanitäre Katastrophe als Verhandlungsmasse
Während die Herren in klimatisierten Räumen über Friedenspläne philosophieren, spielt sich in Gaza eine humanitäre Tragödie ab. Zehn Palästinenser, darunter zwei Kinder, sind allein in den letzten 24 Stunden verhungert. Seit Kriegsbeginn sind nach Angaben der Gesundheitsbehörden in Gaza mindestens 313 Menschen dem Hunger zum Opfer gefallen – 119 davon waren Kinder. Diese erschütternden Zahlen scheinen die Verhandlungsführer in Washington jedoch kaum zu beeindrucken.
"Wir arbeiten an einem sehr umfassenden Plan für den nächsten Tag, von dem ich denke, dass viele Menschen sehen werden, wie robust und wohlmeinend er ist", sagte Witkoff.
Wohlmeinend? Während Menschen verhungern? Die Realität vor Ort spricht eine andere Sprache: Israelische Panzer rückten über Nacht in die Außenbezirke von Gaza-Stadt vor, zerstörten Häuser und vertrieben Bewohner. Mindestens 76 Menschen wurden in den vergangenen 24 Stunden durch israelische Angriffe getötet.
Der Papst als moralische Instanz
Immerhin erhob Papst Leo XIV. seine Stimme gegen das Leid. Er forderte Israel auf, die "Kollektivbestrafung" der Bevölkerung im belagerten Gebiet zu beenden. Vor Tausenden von Menschen im Vatikan-Auditorium verlangte er einen dauerhaften Waffenstillstand und verwies auf das Völkerrecht, das Kollektivstrafen, den wahllosen Einsatz von Gewalt und die Zwangsvertreibung der Bevölkerung verbiete. Der Papst wurde zweimal von Applaus unterbrochen – ein Zeichen dafür, dass die Weltöffentlichkeit das Leid in Gaza nicht länger ignorieren kann.
Blair – vom Kriegstreiber zum Friedensstifter?
Tony Blair, der von 2007 bis 2015 als Nahost-Gesandter tätig war, versuchte sich bereits damals erfolglos an einer Zwei-Staaten-Lösung. Seine Bilanz als Friedensstifter ist bestenfalls durchwachsen. Dass ausgerechnet er, der Großbritannien unter falschen Vorwänden in den Irak-Krieg führte, nun über die Zukunft Gazas mitentscheiden soll, wirft Fragen auf. Hat er aus seinen Fehlern gelernt? Oder wiederholt sich hier die Geschichte, in der westliche Politiker über die Köpfe der Betroffenen hinweg Entscheidungen treffen?
Die Geschichte lehrt uns, dass Friedenspläne, die in Washington oder London ausgeheckt werden, selten die Realitäten vor Ort berücksichtigen. Während Blair und Trump ihre "humanitären Motive" betonen, sterben in Gaza weiterhin Menschen – nicht durch Bomben, sondern durch Hunger. Ein wahrhaft humanitärer Ansatz würde zunächst die sofortige Öffnung der Grenzen für Hilfslieferungen fordern, bevor über langfristige politische Lösungen verhandelt wird.
Es bleibt abzuwarten, ob dieser neue Anlauf mehr ist als nur ein weiteres Kapitel in der langen Geschichte gescheiterter Nahost-Friedenspläne. Die Menschen in Gaza können nicht länger warten – sie brauchen jetzt Hilfe, nicht irgendwann in der Zukunft.
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