
Bildungskrise in Deutschland: Wenn Schulbildung zum Luxusgut wird
Die Rechnung kommt pünktlich zum Schulstart: Bis zu 20.000 Euro kostet ein Schulleben von der Einschulung bis zum Abitur. Was einst als Grundrecht galt, entwickelt sich zunehmend zum Privileg für Besserverdienende. Während die Ampel-Koalition jahrelang von Chancengleichheit schwadronierte, explodieren die Kosten für Bildung weiter – und die neue Große Koalition unter Friedrich Merz scheint das Problem mit ihrem 500-Milliarden-Sondervermögen nur noch zu verschlimmern.
Die bittere Wahrheit hinter den Zahlen
Das Statistische Bundesamt liefert die nackten Fakten: Die Preise für Schul- und Lehrbücher seien im Juni 2025 um 3,8 Prozent gestiegen – fast doppelt so stark wie die allgemeine Inflationsrate. Doch diese Zahlen erzählen nur die halbe Wahrheit. Verena Bentele vom Sozialverband VdK bringe es auf den Punkt: Für arme Familien und Alleinerziehende sei Schulbedarf heute "kaum mehr bezahlbar".
Die vielgepriesene Lernmittelfreiheit entpuppt sich dabei als Mogelpackung. Zwar sollen öffentliche Schulen grundlegende Materialien bereitstellen, doch die Realität sieht anders aus. Jedes Bundesland kocht sein eigenes Süppchen, und was genau kostenlos zur Verfügung gestellt wird, bleibt oft im Dunkeln. Tablets und Laptops? Fehlanzeige. Die gehören meist nicht zum kostenlosen Angebot – obwohl sie längst zum Standard im Unterricht geworden sind.
Die digitale Zweiklassengesellschaft im Klassenzimmer
Besonders perfide zeigt sich die Bildungsungerechtigkeit bei der Digitalisierung. Während Politiker stolz ihre Digitalpakte verkünden, müssen Eltern tief in die Tasche greifen. Mehrere hundert Euro für ein Tablet sind keine Seltenheit. Wer sich das nicht leisten kann, dessen Kind bleibt auf der Strecke.
"Wenn Kinder zu Hause nacharbeiten sollen, brauchen sie ein Gerät, WLAN, oft auch einen Drucker. Das ist in der Lernmittelfreiheit gar nicht drin - und die soziale Schere geht auseinander"
So beschreibt Gerhard Brand vom Verband Bildung und Erziehung die Misere. Die Schulen dürften zwar rechtlich nicht verlangen, dass Eltern Tablets kaufen – in der Praxis werde deren Nutzung aber stillschweigend vorausgesetzt. Für Hausaufgaben, Recherchen, Lernplattformen. Wer kein eigenes Gerät hat, ist der Dumme.
Das Märchen von der Chancengleichheit
Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: Einkommensstarke Familien investieren fast dreimal so viel in die Bildung ihrer Kinder wie Geringverdiener. Bessere Ausstattung, Nachhilfe, außerschulische Förderung – wer zahlen kann, kauft seinem Nachwuchs bessere Chancen. Das deutsche Bildungssystem, einst Garant für sozialen Aufstieg, zementiert heute die Klassenunterschiede.
Brand bringt es schonungslos auf den Punkt: Man habe mittlerweile "zwei Klassen von Schülern" – die mit vermögenden Eltern und die anderen. Eine "deutliche Ungleichgewichtung im Bildungsverlauf" nennt er das diplomatisch. Man könnte es auch beim Namen nennen: systematische Benachteiligung.
Staatliche Hilfen als Feigenblatt
Natürlich gibt es das sogenannte Bildungspaket. Familien mit Bürgergeld, Wohngeld oder Kinderzuschlag könnten theoretisch Zuschüsse beantragen. Auch Fördervereine springen manchmal ein. Doch Bentele warnt vor der Realität: Viele Familien wüssten gar nicht von diesen Möglichkeiten oder schämten sich, sie in Anspruch zu nehmen. Das Ergebnis? Die Kinder haben "eben wieder einen Nachteil".
Die verschuldeten Kommunen können ihre Schulen kaum ausstatten, der Bund verteilt befristete Almosen statt dauerhafter Lösungen. Und die neue Große Koalition? Die plant lieber ein gigantisches Sondervermögen von 500 Milliarden Euro, das die Inflation weiter anheizen und kommende Generationen mit Schulden belasten wird. Merkels Erbe der Schuldenpolitik lebt fort – trotz gegenteiliger Versprechen von Friedrich Merz.
Zeit für einen Kurswechsel
Was Deutschland braucht, ist keine weitere Symptombekämpfung mit Steuergeld-Milliarden, sondern eine grundlegende Reform des Bildungssystems. Echte Lernmittelfreiheit, die ihren Namen verdient. Einheitliche Standards statt Kleinstaaterei. Und vor allem: Ein Ende der ideologischen Experimente, die unsere Kinder zu Versuchskaninchen degradieren.
Statt Gender-Sternchen und Klimapanik im Lehrplan brauchen wir wieder solide Grundbildung. Statt teurer Tablets für alle eine vernünftige Ausstattung der Schulen. Und statt immer neuer Schulden eine Politik, die mit dem vorhandenen Geld verantwortungsvoll umgeht.
Die Bildungskrise ist hausgemacht – Produkt jahrelanger Fehlpolitik, die Ideologie über Pragmatismus stellte. Es wird Zeit, dass wir uns wieder auf das Wesentliche besinnen: Allen Kindern eine gute Bildung zu ermöglichen, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern. Denn eine Gesellschaft, die ihre Kinder im Stich lässt, hat keine Zukunft.