
Berliner Autofahrer vor dem Aus? Verfassungsgericht ebnet Weg fĂŒr radikales Fahrverbot
Die Hauptstadt steht vor einer verkehrspolitischen Zeitenwende, die selbst hartgesottene GroĂstadtbewohner aufhorchen lĂ€sst. Der Berliner Verfassungsgerichtshof hat gestern grĂŒnes Licht fĂŒr ein Volksbegehren gegeben, das nichts weniger als die weitgehende Verbannung privater Autos aus dem Herzen der Metropole vorsieht. Was sich die Initiative "Volksentscheid Berlin autofrei" ausgedacht hat, klingt wie der feuchte Traum grĂŒner Verkehrsplaner: Innerhalb des S-Bahn-Rings sollen Privatfahrten auf zwölf pro Jahr und Person beschrĂ€nkt werden.
Wenn Ideologie ĂŒber Vernunft siegt
Man könnte meinen, die Richter hĂ€tten bei ihrer Entscheidung vergessen, dass Berlin eine funktionierende Millionenstadt und kein verkehrsberuhigter Abenteuerspielplatz ist. Doch sie erklĂ€rten den Gesetzentwurf fĂŒr vereinbar mit der Berliner Verfassung, dem Grundgesetz und dem Bundesrecht. Der Senat, der das Vorhaben bereits 2022 als verfassungsrechtlich bedenklich eingestuft hatte, wurde damit dĂŒpiert.
Die PlĂ€ne der Initiative lesen sich wie eine Blaupause fĂŒr urbanes Chaos: Nach einer vierjĂ€hrigen Ăbergangszeit sollen fast alle StraĂen innerhalb des S-Bahn-Rings zu "autoreduzierten StraĂen" werden. Ausnahmen gĂ€be es zwar fĂŒr Menschen mit Behinderung, Rettungsdienste, Polizei, Feuerwehr, MĂŒllabfuhr, Taxen sowie Wirtschafts- und Lieferverkehr â doch fĂŒr den normalen BĂŒrger, der zur Arbeit pendelt, EinkĂ€ufe erledigt oder Verwandte besucht, wĂŒrde das Auto faktisch zum Tabu.
Der lange Marsch durch die Institutionen trĂ€gt FrĂŒchte
Was hier als Verkehrswende verkauft wird, ist in Wahrheit ein weiterer Baustein in der systematischen EntmĂŒndigung des BĂŒrgers. Die Initiative hatte bereits im Sommer 2021 mehr als 50.000 Unterschriften gesammelt â weit mehr als die erforderlichen 20.000. Nun mĂŒssen binnen vier Monaten rund 170.000 Unterschriften zusammenkommen, um einen Volksentscheid zu erzwingen.
Sollte dieser Volksentscheid tatsĂ€chlich erfolgreich sein, wĂŒrde Berlin zur ersten westlichen Metropole, die ihren BĂŒrgern das Autofahren quasi verbietet â ein Novum, das selbst in den verkehrsberuhigten InnenstĂ€dten Skandinaviens undenkbar wĂ€re.
Die BefĂŒrworter trĂ€umen von StraĂen, auf denen Kinder spielen können, statt dass Autos fahren. Eine romantische Vorstellung, die allerdings die LebensrealitĂ€t von Millionen Menschen ignoriert. Handwerker, die mit schwerem GerĂ€t zu Baustellen mĂŒssen? Familien, die ihre GroĂeltern im Umland besuchen? Pendler, deren Arbeitsplatz mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur umstĂ€ndlich erreichbar ist? Sie alle wĂŒrden zu KollateralschĂ€den einer ideologiegetriebenen Verkehrspolitik.
Die Spaltung der Gesellschaft schreitet voran
Besonders perfide: WĂ€hrend die grĂŒne Klientel in ihren innerstĂ€dtischen Altbauwohnungen von autofreien Kiezen trĂ€umt, trifft das Fahrverbot vor allem jene, die sich die teuren Mieten in fuĂlĂ€ufiger NĂ€he zu U-Bahn-Stationen nicht leisten können. Es ist die alte Geschichte: Die gut situierte urbane Elite diktiert der arbeitenden Bevölkerung, wie sie zu leben hat.
Der Berliner Senat, der das Vorhaben kritisch sieht, wurde vom Verfassungsgericht ausgebremst. Ein Armutszeugnis fĂŒr den Rechtsstaat, wenn ideologische Experimente wichtiger werden als die MobilitĂ€tsbedĂŒrfnisse der BĂŒrger. Man fragt sich unweigerlich: Ist das noch das Deutschland, in dem individuelle Freiheit und Eigenverantwortung etwas galten?
Ein Blick ĂŒber den Tellerrand zeigt: Berlin ist kein Einzelfall
Ăhnliche Bestrebungen gibt es bereits in anderen europĂ€ischen Metropolen. In Paris wurden kĂŒrzlich 500 StraĂen fĂŒr den Autoverkehr gesperrt. Die Verkehrswende, wie sie von grĂŒnen Aktivisten propagiert wird, nimmt immer radikalere ZĂŒge an. Dabei zeigen Studien aus StĂ€dten mit restriktiver Verkehrspolitik regelmĂ€Ăig: Der Wirtschaftsverkehr leidet, kleine GeschĂ€fte sterben, und die soziale Segregation nimmt zu.
Was als Kampf gegen den Klimawandel verkauft wird, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als Feldzug gegen die individuelle MobilitĂ€t. WĂ€hrend China und Indien ihre Wirtschaft mit fossilen Brennstoffen befeuern, sollen die Berliner mit dem Fahrrad zur Arbeit strampeln. Ein SchildbĂŒrgerstreich, der Deutschland im internationalen Wettbewerb weiter zurĂŒckwirft.
Die nĂ€chsten Monate werden zeigen, ob die Berliner bereit sind, ihre MobilitĂ€t auf dem Altar grĂŒner Ideologie zu opfern. Sollten tatsĂ€chlich 170.000 Unterschriften zusammenkommen und der Volksentscheid erfolgreich sein, wĂ€re dies ein fatales Signal fĂŒr ganz Deutschland. Es bliebe dann nur zu hoffen, dass andere StĂ€dte aus Berlins Fehler lernen â und dass sich die BĂŒrger rechtzeitig gegen solche Bevormundungen zur Wehr setzen.
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