
Belgien rüstet auf: Luftabwehrsystem soll Europas größten Hafen vor Drohnenangriffen schützen
Was noch vor wenigen Jahren wie ein Szenario aus einem Militärthriller geklungen hätte, ist längst bittere Realität geworden: Belgien sieht sich gezwungen, ein hochmodernes Luftabwehrsystem im Hafen von Antwerpen zu stationieren. Der Grund? Eine bedrohlich wachsende Zahl von Drohnenüberflügen über kritische Infrastruktur – darunter Atomkraftwerke, Chemieanlagen und Containerterminals. Europa wacht auf, doch die Frage bleibt: Kommt diese Erkenntnis zu spät?
Drohnen über Kernkraftwerken – eine neue Dimension der Bedrohung
Belgien wurde im vergangenen Jahr von einer regelrechten Welle mysteriöser Drohneneinflüge heimgesucht. Flughäfen mussten vorübergehend geschlossen werden, ein Militärstützpunkt war betroffen, und über dem Hafen von Antwerpen – dem wirtschaftlichen Herzstück des Landes – wurden wiederholt unidentifizierte Flugobjekte gesichtet. Besonders alarmierend: Die Drohnen wurden über den Kernkraftwerken von Doel, dem BASF-Chemiekomplex und dem Europa-Containerterminal beobachtet. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen – unbemannte Flugobjekte kreisen über Atomanlagen, und niemand weiß, wer sie steuert.
Die belgische Regierung reagiert nun mit einer Maßnahme, die den Ernst der Lage unmissverständlich unterstreicht. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bestätigte, dass ein Luftabwehrsystem in Kürze bestellt und am Hafen von Antwerpen stationiert werde. Details zur genauen Umsetzung wurden aus Gründen der operativen Sicherheit nicht preisgegeben.
NASAMS: Bewährte Technologie gegen asymmetrische Bedrohungen
Antwerpens Bürgermeister Bart De Wever ließ bei einer Veranstaltung am Hafen durchblicken, dass es sich um ein System vom Typ NASAMS handele – ein norwegisch-amerikanisches Flugabwehrsystem, das speziell zur Bekämpfung von Drohnen, Kampfflugzeugen und anderen Kurzstrecken-Luftbedrohungen konzipiert wurde. Dasselbe System, das auch in der Ukraine zum Einsatz kommt, um russische Angriffe abzuwehren. Dass ein NATO-Kernland mitten in Westeuropa nun dieselbe Technologie zum Schutz seiner zivilen Infrastruktur benötigt, spricht Bände über den Zustand der europäischen Sicherheitsarchitektur.
Ein Sprecher des Hafens betonte die strategische Bedeutung der Anlage als „wirtschaftlicher Motor Belgiens" und erklärte, es sei unerlässlich, den Hafen sowohl digital als auch physisch zu schützen. Eine Einschätzung, der man schwerlich widersprechen kann – zumal der Hafen von Antwerpen-Brügge zu den größten Europas zählt und ein Nadelöhr des internationalen Handels darstellt.
Ein Weckruf für ganz Europa – auch für Deutschland
Die belgische Entscheidung sollte auch in Berlin die Alarmglocken schrillen lassen. Denn die Drohnenbedrohung macht nicht an Landesgrenzen halt. Deutsche Häfen, Chemieparks und Energieanlagen sind ebenso verwundbar. Doch während Belgien handelt, diskutiert man hierzulande noch über Sondervermögen und Infrastrukturpakete, deren Mittel in bürokratischen Mühlen zu versickern drohen. Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz hat zwar vollmundig mehr Sicherheit versprochen – doch ob die Bundeswehr im Ernstfall auch nur annähernd in der Lage wäre, kritische Infrastruktur vor asymmetrischen Bedrohungen zu schützen, darf bezweifelt werden.
Die Zeiten, in denen sich Europa hinter dem Schutzschild der NATO ausruhen konnte, sind endgültig vorbei. Drohnen sind billig, leicht verfügbar und nahezu unsichtbar. Sie sind die perfekte Waffe für staatliche und nichtstaatliche Akteure gleichermaßen. Belgien hat das begriffen. Die Frage ist, wann der Rest Europas nachzieht – und ob es dann nicht bereits zu spät sein wird.

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