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25.05.2026
17:29 Uhr

Belehrung vom Elfenbeinturm: Wirtschaftsweise rät dem Volk zu „weniger Fahren" – statt zu helfen

Belehrung vom Elfenbeinturm: Wirtschaftsweise rät dem Volk zu „weniger Fahren" – statt zu helfen

Es gibt Momente, da fragt man sich, in welcher Realität die selbsternannten Experten in Berlin eigentlich leben. Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrates und damit eine der einflussreichsten ökonomischen Stimmen des Landes, hat dem ohnehin gebeutelten deutschen Bürger einen geradezu legendären Ratschlag erteilt: Wer unter den explodierenden Spritpreisen leide, der solle eben „weniger und langsamer fahren". Eine Empfehlung, die in ihrer Realitätsferne kaum zu überbieten ist – und die sehr viel über das Selbstverständnis einer abgehobenen Funktionärselite verrät.

„Müssen wir den Menschen überhaupt etwas Gutes tun?"

Im Gespräch mit der Welt warf Schnitzer eine Frage auf, die man wohl als rhetorisches Meisterstück der politischen Tonlosigkeit bezeichnen muss: „Müssen wir den Menschen überhaupt etwas Gutes tun, und ist dafür der Staat zuständig?" Eine bemerkenswerte Aussage – ausgerechnet aus dem Mund einer Funktionärin, deren Posten überwiegend aus den Steuermitteln eben jener Menschen finanziert wird, denen sie nun jegliche staatliche Entlastung verweigern möchte.

Rabatte seien grundsätzlich problematisch, erklärte Schnitzer. Falls man Belastungen ausgleichen wolle, gehe das nur über Umverteilung innerhalb der Gesellschaft. Und dann der Satz, der einem zynischen Lehrbuchautor zur Ehre gereicht hätte: Der Staat werde die Bürger „immer raushauen" – es gebe da eine „falsche Erwartungshaltung in der Gesellschaft, die immer wieder bedient" werde.

Tankrabatt? Verschwendung an die kleinen Leute

Folgerichtig lehnt die Ökonomin auch jeden Tankrabatt strikt ab. „Die wenigsten geraten ans Existenzminimum wegen 30 Euro mehr Spritkosten im Monat", befand Schnitzer. Stattdessen müssten die Verbraucher auf höhere Preise mit einer „Verhaltensänderung" reagieren – weniger fahren, langsamer fahren. Der Pendler, der täglich 60 Kilometer zur Arbeit zurücklegt, weil bezahlbarer Wohnraum in der Stadt seit Jahren ein Hirngespinst ist, soll also gefälligst kürzertreten. Die Krankenschwester im Schichtdienst, der Handwerker auf der Baustelle, die Mutter, die ihre Kinder zur Schule und danach zum Arzt fährt – sie alle sollen „langsamer fahren". Wirklich.

Schon Ende April hatte Schnitzer bei Caren Miosga aufhorchen lassen, als sie empfahl, die Bürger könnten bei höheren Preisen ja einfach „zwei Tage weniger in den Urlaub" fahren. 30 Euro hier, 50 Euro dort, 180 oder 300 Euro im halben Jahr – das werde man schon „verkraften können", rechnete sie damals vor. Mathematisch durchaus richtig, menschlich allerdings entlarvend.

Der Ton aus dem Elfenbeinturm

Was hier zum Vorschein kommt, ist eine bestimmte Art politisch-ökonomischer Arroganz, die sich in deutschen Spitzengremien wie ein hartnäckiges Schimmelproblem festgesetzt hat. Man sitzt warm im Berliner Büro, bezieht ein fürstliches Salär aus öffentlichen Geldern – und erklärt dem Volk, dass es gefälligst weniger jammern, weniger fahren und weniger erwarten solle. Marie Antoinettes berühmtes „Sollen sie doch Kuchen essen" lässt grüßen, freilich in der modernen Variante: „Sollen sie doch zwei Tage weniger Urlaub machen."

Dass ausgerechnet eine Wirtschaftsweise solche Ratschläge erteilt, während die deutsche Industrie blutet, ist umso bemerkenswerter. Allein im letzten Quartal sind erneut über 127.000 Stellen in der Industrie verschwunden, seit 2019 summiert sich der Aderlass auf mehr als 341.000 Arbeitsplätze. Viele Bürger befolgen Schnitzers Ratschlag also bereits – nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil sie schlicht keinen Job mehr haben, zu dem sie fahren könnten.

Die wahren Ursachen bleiben unangetastet

Bemerkenswert ist, was Schnitzer nicht thematisiert: die ideologische Energiepolitik der vergangenen Jahre, die Deutschland zum Land mit den höchsten Strom- und Energiepreisen Europas gemacht hat. Die explodierende Steuer- und Abgabenlast, die jeden Liter Sprit zur Hälfte zu einem Tribut an den Staat macht. Die 500 Milliarden Euro Sondervermögen für „Infrastruktur", die die Inflation weiter befeuern und Generationen verpflichten werden, Zinsen über Steuern zu finanzieren. Und nicht zu vergessen: Die zwischenzeitlich auf über drei Euro pro Liter Benzin gestiegenen Preise nach der iranischen Blockade der Straße von Hormus – eine Folge geopolitischer Verwerfungen, die deutsche Politiker mit jahrelang naiver Energiepolitik gleich mit verschärft haben.

Statt diese strukturellen Probleme anzusprechen, lautet die Botschaft an den Bürger: Friss oder stirb – aber sei dankbar. Eine politische Klasse, die so spricht, sollte sich nicht wundern, wenn das Vertrauen in Institutionen weiter erodiert. Die Bürger merken sehr genau, wer für sie spricht und wer über sie hinweg.

Was bleibt dem Bürger?

Wenn der Staat keine Entlastung will, die Politik die Inflation durch immer neue Schuldenpakete weiter anheizt und selbsternannte Weise dem Volk Sparpredigten halten, dann bleibt nur eines: die eigene Vorsorge in die eigene Hand zu nehmen. Während Papiergeld durch politische Entscheidungen schleichend entwertet wird, haben sich physische Edelmetalle wie Gold und Silber über Jahrhunderte als verlässlicher Schutz gegen genau diese Art von politisch verursachter Vermögensvernichtung bewährt. Wer sich nicht auf einen Staat verlassen möchte, der ihn lediglich zum „weniger Fahren" auffordert, tut gut daran, sein Vermögen breit zu streuen – und einen Teil davon abseits des durch politische Willkür beeinflussten Finanzsystems abzusichern.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Einschätzungen entsprechen der Meinung unserer Redaktion auf Basis der vorliegenden Informationen. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigene Recherchen anzustellen und seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich zu treffen. Eine Haftung für entstehende Verluste ist ausgeschlossen.

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