
BASF zerlegt sich selbst: Deutschlands Chemie-Gigant auf dem Rückzug
Was einst als stolzes Aushängeschild deutscher Industriekultur galt, schrumpft nun im Rekordtempo zusammen. Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF prüft erneut die Ausgliederung eines Tochterunternehmens – ein weiterer Schritt auf dem Weg der schleichenden Selbstdemontage. Die Trinamix GmbH, spezialisiert auf biometrische Bildgebung und mobile Materialanalyse, könnte schon bald nicht mehr zum Konzern gehören. Rund 200 Arbeitsplätze stehen damit auf der Kippe.
Die grüne Transformation als Sargnagel der Wettbewerbsfähigkeit
Hinter der beschönigend als „strategische Neuausrichtung" bezeichneten Maßnahme verbirgt sich nichts anderes als ein verzweifelter Überlebenskampf. BASF konzentriert sich seit 2024 auf vier Kerngeschäfte: Chemicals, Materials, Industrial Solutions sowie Nutrition & Care. Alles andere wird abgestoßen, verkauft oder schlicht aufgegeben. Die sogenannte „grüne Transformation" – ein Euphemismus für die ideologisch getriebene Klimapolitik – verschlingt dabei Ressourcen, die anderswo dringend benötigt würden.
Bereits im Oktober 2025 hatte der Konzern angekündigt, einen Großteil seiner Lackgeschäfte an den Private-Equity-Investor Carlyle zu veräußern. Stolze 7,7 Milliarden Euro sollen dabei fließen – ein Betrag, der die Dimension des Ausverkaufs verdeutlicht. BASF behält zwar 40 Prozent Beteiligung, doch die Kontrolle über ein weiteres Stück deutscher Industriegeschichte geht verloren.
Erschreckende Zahlen: Der freie Fall eines Weltkonzerns
Die nackten Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache. Das operative Ergebnis (EBITDA) lag 2025 bei mageren 6,6 Milliarden Euro – deutlich unter den ohnehin schon bescheidenen Erwartungen von 6,7 bis 7,1 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es noch 7,2 Milliarden Euro gewesen. Der Umsatz brach von 61,4 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf nur noch 59,7 Milliarden Euro ein.
Besonders dramatisch wird der Niedergang, wenn man weiter zurückblickt: 2022 hatte BASF noch einen Umsatz von 87,3 Milliarden Euro erzielt. In nur drei Jahren ist also mehr als ein Viertel des Geschäftsvolumens schlichtweg verdampft. Eine solche Entwicklung wäre in einem funktionierenden Wirtschaftsstandort undenkbar.
China drängt, Deutschland versagt
Der zunehmende Konkurrenzdruck aus Fernost setzt dem Konzern massiv zu. Chinesische Chemieunternehmen haben ihren weltweiten Marktanteil bereits 2022 auf 44 Prozent ausgebaut – Tendenz steigend. Mit Dumpingpreisen fluten sie die westlichen Märkte, während deutsche Unternehmen unter einer erdrückenden Kostenlast ächzen.
Die Ironie der Geschichte: BASF hat selbst kräftig in China investiert und baut dort einen neuen Verbundstandort in Zhanjiang auf. Zwar wurden die geplanten Investitionen von ursprünglich 10 Milliarden auf 8,7 Milliarden Euro reduziert, doch die Botschaft ist eindeutig: Die Zukunft liegt nicht mehr in Ludwigshafen, sondern in Asien.
Energiepreise als Würgegriff der deutschen Industrie
Die Hauptursache für den Niedergang liegt auf der Hand, auch wenn sie von der politischen Klasse beharrlich ignoriert wird: die explodierenden Energiekosten. Der Wegfall des günstigen russischen Pipelinegases – das vor dem Ukraine-Krieg mehr als die Hälfte der deutschen Gasversorgung ausmachte – hat die Chemiebranche in eine existenzielle Krise gestürzt.
Das teure Flüssigerdgas (LNG) aus Übersee kann den Preisvorteil niemals ersetzen. Hinzu kommt die CO₂-Steuer über den Europäischen Emissionshandel, die wie ein Mühlstein am Hals der energieintensiven Industrie hängt. Die EU reduziert die Zertifikatsmenge kontinuierlich, während die Nachfrage hoch bleibt – ein planwirtschaftlicher Mechanismus, der die Preise in die Höhe treibt und jeden Wettbewerbsvorteil zunichtemacht.
Stellenabbau als letzte Rettung?
Konzernchef Markus Kamieth hat weitere drastische Einschnitte angekündigt. Bis Ende 2026 sollen 2,1 Milliarden Euro eingespart werden – unter anderem durch den Abbau von weltweit 3.300 Arbeitsplätzen. Allein am Stammwerk in Ludwigshafen werden etwa 700 Stellen in der Produktion gestrichen. Die Investitionen werden zurückgefahren, die Zukunftsperspektiven eingedampft.
Was sich hier vollzieht, ist nichts weniger als die schleichende Deindustrialisierung Deutschlands. Ein Konzern, der einst Weltmaßstäbe setzte, wird zum Spielball einer verfehlten Energiepolitik und ideologischer Klimavorgaben. Die Verantwortlichen in Berlin scheinen dies entweder nicht zu begreifen oder bewusst in Kauf zu nehmen. Für die Beschäftigten in Ludwigshafen und anderswo ist das ein schwacher Trost – sie verlieren ihre Arbeitsplätze, während die Politik weiter von der grünen Transformation schwärmt.

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