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Bankenbeben in Paraguay: Drei Millionen Menschen ohne Zugriff aufs Geld!

Bankenbeben in Paraguay: Drei Millionen Menschen ohne Zugriff aufs Geld!
Symbolbild: KI-generiert

In Paraguay hat die Zentralbank die digitale Ueno Bank unter Zwangsverwaltung gestellt. Rund drei Millionen Kunden, etwa 60 Prozent der erwachsenen Bevölkerung, kommen seitdem nicht mehr an ihre Konten, Karten und Überweisungen. In der Hauptstadt Asunción gingen deshalb zwei Nächte hintereinander wütende Menschen auf die Straße.

Über Nacht war die App tot

Am Montag, den 2. November, stimmte der Vorstand der Zentralbank Berichten zufolge einstimmig dafür, ein Abwicklungsverfahren einzuleiten. Die Solvenzquote der Bank, also ihr Eigenkapital im Verhältnis zu den riskanten Geschäften, war auf weniger als die Hälfte des gesetzlichen Minimums gefallen. Am Morgen des 3. November zeigten die Smartphones der Kunden dann nur noch Fehlermeldungen.

Das ist bitter, denn viele Paraguayer hatten kaum noch Bargeld im Haus. Ueno war der dominante Anbieter im Land, und wer dort sein Konto hatte, bezahlte fast alles digital. Mit dem Stillstand der App kam für Millionen Menschen auch der Alltag zum Stillstand.

Lebensersparnisse eingefroren, Renten blockiert

Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, stand der 68-jährige Marcelino Vergara weinend auf der Straße. Er habe die Ersparnisse seines ganzen Lebens verloren und nur noch 8.000 Guaraníes in der Tasche, das ist knapp ein Dollar. Seine Forderung war deutlich: „Alle müssen ins Gefängnis.“

Einer 20-jährigen Krankenpflegeschülerin waren nach eigener Aussage rund 400.000 Guaraníes gesperrt, ihre gesamten Rücklagen. Für Essen und Studiengebühren musste sie sich Geld leihen. Eine Ladenbesitzerin fragte vor einer verschlossenen Filiale, wie sie jetzt Miete und laufende Kosten bezahlen solle.

Am schwersten trifft es die Rentner. Etwa 32.000 Menschen bekommen ihre Pension über Ueno. Auch das staatliche Sozialversicherungsinstitut IPS hatte dort viel Geld angelegt: Internationalen Medienberichten zufolge stecken rund 380 Millionen US-Dollar in Anleihen und Festgeldern der Bank. Insgesamt sollen 800 bis 850 Millionen Dollar an öffentlichen Geldern betroffen sein.

Warnsignale gab es schon im Juni

Brisant ist vor allem die Vorgeschichte. Die Bankenaufsicht soll bereits im Juni 2026 bemängelt haben, dass Ueno zu viele Kredite an Firmen aus dem eigenen Konzernumfeld vergeben habe. Trotzdem griff sie erst jetzt ein. Warum hat man so lange gewartet?

Auch in der Politik schlägt der Fall hohe Wellen. Präsident Santiago Peña soll bis zum Frühjahr 2025 Aktionär der Ueno-Holding gewesen sein. Zum Zentralbankchef machte er Carlos Carvallo, der zuvor Manager bei Ueno war, und diese Personalie stand von Anfang an in der Kritik. Inzwischen ist Carvallo auf Wunsch Peñas zurückgetreten. Peña selbst betont, er habe seine Anteile verkauft und sich nie direkt am operativen Geschäft beteiligt.

Acht Führungskräfte wurden festgenommen, unter ihnen Gründer Miguel Vázquez. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen möglicher Unregelmäßigkeiten. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung. Oppositionsabgeordnete arbeiten laut Medienberichten an einem Amtsenthebungsantrag gegen den Präsidenten. Die Regierung hat allerdings in beiden Parlamentskammern die Mehrheit.

Tränengas vor dem Präsidentenpalast

Bei den Protesten riefen Rentner, Sparer und junge Leute „Devuelvan nuestra plata“, also „Gebt uns unser Geld zurück“. Die Polizei setzte Tränengas, Wasserwerfer, Gummigeschosse und Pfefferspray ein, auch direkt vor dem Kongress und dem Präsidentenpalast.

Peña versichert, das Finanzsystem sei solide. Für den Großteil der Kunden greife die Einlagensicherung bis etwa 38.000 US-Dollar, und eine Gesetzesänderung solle die Auszahlungen beschleunigen. Für Menschen, denen schon heute das Geld für Medikamente fehlt, ist das allerdings ein schwacher Trost.

Eine Lehre, die auch Deutsche betrifft

Ist das nur ein Problem in einem fernen Land? Eher nicht. Schon Argentiniens „Corralito“ im Jahr 2001 und Zypern im Jahr 2013 haben gezeigt, wie schnell Banken Sparer von ihrem eigenen Geld abschneiden können. Paraguay macht zudem deutlich, wie anfällig eine nahezu bargeldlose Gesellschaft ist: Fällt ein einziger großer Anbieter aus, sitzen Millionen Menschen von einem Tag auf den anderen ohne Geld da.

Gerade die EU treibt den digitalen Euro voran und drängt das Bargeld zurück. Da wirkt Paraguay wie eine Warnung. Ein Guthaben auf der Bank ist am Ende ein Versprechen der Bank. Physisches Gold und Silber dagegen hängen von keiner App, keinem Server und keiner Bankenaufsicht ab. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen können sie deshalb ein sinnvoller Schutz für den Notfall sein.

Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten oder Edelmetallen. Er gibt die Meinung unserer Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte sich selbst informieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst.

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