
Autonomes Fahren als Milliardengeschäft: VW und Bosch versprechen die nächste Revolution
Die deutsche Automobilindustrie verspricht mal wieder das Blaue vom Himmel. Volkswagen und Bosch kündigen vollmundig an, ab 2026 eine gemeinsame Softwareplattform für automatisiertes Fahren auf den Markt zu bringen. Millionen von Autofahrern sollen davon profitieren, heißt es in der Pressemitteilung. Doch während die Konzerne von künstlicher Intelligenz und revolutionären Fahrassistenzsystemen schwärmen, stellt sich die Frage: Brauchen wir das wirklich?
Die schöne neue Welt des Lenkrad-Loslassens
„Modernste KI-Methoden" sollen es richten. Die Software soll so natürlich agieren wie ein menschlicher Fahrer, versprechen die Unternehmen. Der Fahrer könne in verschiedenen Fahrsituationen die Hände vom Lenkrad nehmen und „wertvolle Zeit" gewinnen. Man fragt sich unwillkürlich: Wertvolle Zeit wofür? Um noch mehr auf das Smartphone zu starren? Um noch weniger auf den Verkehr zu achten?
Die Realität auf deutschen Straßen sieht anders aus. Während die Konzerne von intelligenten Systemen träumen, kämpfen Autofahrer täglich mit maroden Straßen, endlosen Baustellen und einem Verkehrschaos, das seinesgleichen sucht. Aber natürlich ist es einfacher, Milliarden in Technologie zu investieren, als die grundlegenden Infrastrukturprobleme anzugehen.
Der wahre Preis der Automatisierung
Cariad-Chef Peter Bosch spricht davon, die Technologie „möglichst vielen Menschen zugänglich" machen zu wollen. Eine noble Geste, könnte man meinen. Doch die Wahrheit dürfte anders aussehen: Die neue Technologie wird die ohnehin schon teuren Fahrzeuge noch kostspieliger machen. Während die Inflation galoppiert und viele Deutsche sich kaum noch die Spritpreise leisten können, bastelt die Industrie an Luxusfunktionen für die Besserverdienenden.
„Daten und KI sind der Schlüssel, wenn es darum geht, automatisierte Fahrsysteme in großem Maßstab und zuverlässig auf die Straße zu bringen"
So tönt es aus der Chefetage von Bosch Mobility. Daten sind also der Schlüssel – nicht etwa bezahlbare Mobilität, nicht etwa umweltfreundliche Alternativen, sondern Daten. Man darf gespannt sein, wie viele persönliche Informationen die neuen Systeme sammeln werden. Wer fährt wann wohin? Wie schnell? Mit wem? Die Möglichkeiten der Überwachung sind grenzenlos.
Globale Ambitionen, lokale Probleme
Die Software soll weltweit einsetzbar sein, verkünden die Konzerne stolz. Tests laufen in Europa, Japan und den USA. Bosch will die Technologie sogar anderen Herstellern zur Verfügung stellen. Ein lukratives Geschäftsmodell, zweifellos. Doch während deutsche Ingenieure von der Weltherrschaft im autonomen Fahren träumen, bröckelt zu Hause die Basis.
Die deutsche Automobilindustrie, einst Stolz der Nation, kämpft mit Stellenabbau, Werksschließungen und dem Verlust ihrer technologischen Führungsrolle. Statt sich auf ihre Kernkompetenzen zu besinnen – solide, zuverlässige Fahrzeuge zu bauen – jagt man Zukunftsvisionen hinterher, deren Nutzen fraglich ist.
Die vergessene Realität
Während VW und Bosch von KI-gesteuerten Fahrzeugen schwärmen, sieht die Realität auf deutschen Straßen düster aus. Die Kriminalität steigt, Messerangriffe häufen sich, und viele Bürger fühlen sich in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht mehr sicher. Doch statt diese drängenden Probleme anzugehen, investiert man lieber in Technologien, die das Autofahren noch bequemer machen sollen.
Es ist bezeichnend für den Zustand unseres Landes: Man kümmert sich lieber um die Probleme von morgen als um die Herausforderungen von heute. Die Politik versagt auf ganzer Linie, und die Wirtschaft flüchtet sich in Zukunftsträume. Dabei wäre es an der Zeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: funktionierende Infrastruktur, bezahlbare Mobilität und vor allem Sicherheit für alle Bürger.
Die Ankündigung von VW und Bosch mag technisch beeindruckend klingen. Doch sie ist auch ein Symptom für eine Gesellschaft, die ihre Prioritäten verloren hat. Während man von selbstfahrenden Autos träumt, zerfällt das Land zusehends. Es wäre an der Zeit, dass sowohl Politik als auch Wirtschaft wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkehren.
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