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Asyl-Betrug per Telegram: Strafakte aus der Türkei für 800 Euro!

Asyl-Betrug per Telegram: Strafakte aus der Türkei für 800 Euro!
Symbolbild: KI-generiert

Verfolgung auf Bestellung: In der Türkei sollen Händler echte Ermittlungsverfahren gegen Geld anbieten, damit ihre Kunden in Deutschland politische Verfolgung belegen können. Das geht aus einer Recherche der Wochenzeitung „Die Zeit" hervor. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) zeigte sich dem Bericht zufolge überrascht.

So soll die Masche funktionieren

Die Masche läuft laut der Recherche immer gleich ab. Der Kunde setzt in sozialen Netzwerken einen kritischen Beitrag über Präsident Recep Tayyip Erdogan (72) ab. Ein bestochener Staatsanwalt nimmt das dann zum Anlass, Ermittlungen einzuleiten.

Der Clou: Das Verfahren ist echt. Es wird regulär im türkischen Justizportal „Uyap" erfasst, dem zentralen elektronischen Aktensystem der türkischen Justiz. Diesen amtlichen Eintrag legt der Antragsteller dann in Deutschland vor, als Beleg dafür, dass ihm in der Heimat Strafverfolgung droht.

Bestellt wird dem Bericht zufolge ganz bequem über Telegram oder TikTok. Wer hier an das organisierte Verbrechen denkt, liegt wohl nicht ganz falsch. Der Service kommt allerdings so lässig daher wie eine Pizzabestellung.

Die Preisliste der Verfolgung

Die Angebote, die in der Recherche beschrieben werden, wirken wie aus einem Reisekatalog:

  • Rund 800 Euro koste ein Ermittlungsverfahren samt Hausdurchsuchung und Anklage.
  • Ab 6000 Euro gebe es Komplettpakete, inklusive Schleusung nach Deutschland.

Die Reporter gaben sich als Interessenten aus. Ein Händler soll ihnen versprochen haben, sie würden damit „überall eine Aufenthaltserlaubnis" bekommen. Ein Werbeversprechen, das deutschen Behörden in den Ohren klingeln sollte.

Bamf kalt erwischt?

Ganz neu ist das Problem nicht. Manipulationen rund um „Uyap" seien dem Bamf laut Bericht bereits bekannt. Bisher habe es sich aber vor allem um täuschend echte Nachbauten der Website gehandelt, also um plumpe Fälschungen. Dass jetzt offenbar echte Justizeinträge missbraucht werden, habe die Behörde überrascht.

Das Bamf betont, es prüfe jeden Antrag einzeln. Nur: Wie soll ein Sachbearbeiter in Nürnberg oder Bochum ein echtes Verfahren von einem gekauften unterscheiden, wenn beide im selben amtlichen System stehen? Diese Frage bleibt bislang unbeantwortet.

Der eigentliche Skandal: Echte Opfer zahlen drauf

Dass es in der Türkei politische Verfolgung gibt, bestreitet niemand. Nach dem Putschversuch von 2016 gingen die Behörden mit großer Härte gegen Oppositionelle, Journalisten und Kritiker vor. Wer Erdogan öffentlich angreift, muss mit ernsten Folgen rechnen.

Gerade deshalb wiegt der mutmaßliche Betrug so schwer. Jedes gekaufte Verfahren entwertet die Akten der wirklich Verfolgten und untergräbt das Vertrauen in ein Schutzsystem, das für echte Notfälle gedacht ist.

Die Zahlen hinter dem Trick

Seit 2021 haben laut dem Bericht rund 140.000 türkische Staatsbürger in Deutschland Asyl beantragt. Die Schutzquote fiel im gleichen Zeitraum von 43 Prozent im Jahr 2020 auf rund zwölf Prozent. Die Antragszahlen bleiben trotzdem hoch. Am Verwaltungsgericht Gelsenkirchen beschäftigen sich sogar zwei Kammern ausschließlich mit Klagen abgelehnter türkischer Asylbewerber.

Insgesamt gehen die Zahlen zurück. 2025 wurden in Deutschland rund 169.000 Asylanträge gestellt. Bei den im selben Jahr entschiedenen Verfahren erhielt etwa jeder vierte Antragsteller einen positiven Bescheid.

Was jetzt passieren muss

Die Regierung von Kanzler Friedrich Merz hat eine Wende in der Migrationspolitik versprochen. An Fällen wie diesem lässt sich ablesen, ob das ernst gemeint ist. Kritiker fordern seit Langem eine engere Zusammenarbeit mit den Herkunftsstaaten, bessere Prüfwerkzeuge und spürbare Konsequenzen für alle, die beim Asylantrag nachweislich täuschen.

Für viele Bürger, die den Sozialstaat mit ihren Steuern finanzieren, ist eins klar: Ein Asylsystem, in dem sich Verfolgung für 800 Euro kaufen lässt, hat ein Glaubwürdigkeitsproblem. Hier sind Politik und Behörden gefordert, und zwar nicht erst in ein paar Jahren.

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