
Ärmer als Mississippi? US-Botschafter rechnet mit Europa ab!

Klarer kann man es kaum sagen: Andrew Puzder, Washingtons Botschafter bei der Europäischen Union, sieht Europa wirtschaftlich deutlich auf dem absteigenden Ast. In einem Interview mit einer deutschen Wirtschaftszeitung stützte der Diplomat die Grundsatzrede von US-Außenminister Marco Rubio, der den Westen vor „Verfall, Knechtschaft und Niedergang“ gewarnt hatte. Besonders hart traf er dabei Deutschland.
Der Vergleich, der wehtut
Puzder argumentiert mit Zahlen. Vor zehn bis 15 Jahren hätten EU und USA beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf noch recht dicht beieinandergelegen, sagte er. Inzwischen klaffe eine Lücke, die man kaum noch übersehen könne.
Dann folgte der Satz, der sitzt: Im vergangenen Jahr habe das nominale BIP pro Kopf Deutschlands unter dem Wert von West Virginia gelegen. Das ist der US-Bundesstaat mit dem zweitniedrigsten Wert. Die EU als Ganzes sei sogar hinter Mississippi gefallen, das Schlusslicht der Vereinigten Staaten.
Man kann über Wechselkurse und Kaufkraft streiten. Trotzdem hat der Vergleich eine bittere Pointe. Das Land, das sich gern als Industrie-Lokomotive Europas feiert, kommt im direkten Vergleich nicht über das untere Ende der US-Tabelle hinaus. Die deutsche Wirtschaft war schon 2023 und 2024 geschrumpft. Belastet wird sie von hohen Energiepreisen, einer erdrückenden Bürokratie und Abgaben, die zu den höchsten der Welt gehören.
Rubios Weckruf vor der Akropolis
Hintergrund des Interviews ist Rubios Auftritt am 7. Oktober in Athen. Auf dem Pnyx-Hügel, wo sich in der Antike die Volksversammlung traf, erklärte der Außenminister Medienberichten zufolge, das nächste Jahrzehnt werde die Geschichte des nächsten Jahrhunderts schreiben. Europa müsse aus seinem „langen Dämmerschlaf erwachen“.
Rubio rechnete laut Berichten auch mit der Selbstverleugnung des Westens ab. Nationalismus sei zum Schimpfwort geworden, Denkmäler seien gestürzt und Grenzen geöffnet worden, die Industrie sei ins Ausland abgewandert. Zugleich lobte er steigende Verteidigungsausgaben und eine wachsende Industrieproduktion in Europa. Darin sehe er den möglichen Beginn eines „Generationenwandels“. Beobachter vermuten hinter der Rede auch Wahlkampf: Rubio gilt als möglicher Präsidentschaftskandidat der Republikaner.
Mehr als nur eine Wirtschaftsfrage
Puzder macht deutlich, dass Washington sich nicht nur um Bilanzen sorgt. In den USA gebe es Sorgen über einen zivilisatorischen Niedergang Europas, sagte er. Dabei verwies er ohne weitere Erklärung auf die aktuelle Lage in Frankreich.
„Wir wollen ein Europa, das wirtschaftlich, politisch und militärisch stark ist, stolz auf sein Erbe und eng mit dem Westen verbunden.“
Seine Begründung ist nüchtern. Die USA teilten mit ihren Verbündeten vertrauliche, geheime und teils streng geheime Informationen. Ein schwacher und unsicherer Partner wird so zum Sicherheitsrisiko. Für Puzder stehe Europa letztlich vor der Wahl zwischen China und Amerika, heißt es. Den Rückstand aus eigener Kraft aufzuholen, traue er dem Kontinent nicht zu.
Ein unbequemer Spiegel für Berlin
Puzder ist kein Berufsdiplomat. Er führte früher die Fast-Food-Kette CKE Restaurants, sein Blick ist der eines Unternehmers. Gerade deshalb sollte man in Berlin genau hinhören. Brüssel reguliert immer neue Lebensbereiche, und die Merz-Regierung finanziert ihr 500-Milliarden-Sondervermögen auf Pump. Wachstum entsteht dadurch nicht. Es entstehen Schulden, die am Ende die arbeitende Mitte bezahlt.
Ob man den Ton aus Washington mag, ist zweitrangig. Die Diagnose deckt sich mit dem, was viele Mittelständler seit Jahren erleben. Wer dem politischen Kurs nicht mehr traut, sucht für das eigene Vermögen nach Stabilität jenseits staatlicher Versprechen. Physisches Gold und Silber haben über Jahrhunderte gezeigt, dass sie Krisen und Währungsschwächen überstehen können. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio verdienen sie deshalb einen Platz.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte eigenständig recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst.
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