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Kettner Edelmetalle
23.08.2026
20:54 Uhr
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ARD-Sommerinterview: Wenn das alte Angst-Skript nicht mehr zündet

ARD-Sommerinterview: Wenn das alte Angst-Skript nicht mehr zündet
Symbolbild: KI-generiert

Zwei Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat die ARD am Sonntagabend AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla zum Sommerinterview geladen. Moderator Markus Preiß führte das Gespräch, fast zeitgleich stellte sich Co-Chefin Alice Weidel beim ZDF. Was folgte, war aus Sicht mehrerer Beobachter weniger ein Ringen um Sachpolitik als ein Lehrstück über das Selbstverständnis des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Klima-Einstieg an einem frühherbstlichen Tag

Ausgerechnet bei kühlen Temperaturen eröffnete der Moderator mit dem Thema Erderwärmung: Niedrigwasser, Waldbrände, 14.000 Hitzetote. Chrupalla konterte mit der Frage, die Millionen Haushalte tatsächlich umtreibt – ob Strom und Gas überhaupt noch bezahlbar sind.

Energiepreise, Rente, Krieg und Frieden: Das seien die Sorgen der Menschen, so der AfD-Chef. Der Moderator ließ dennoch nicht locker und versuchte, dem Gast eine "graduelle" Kursänderung zu entlocken. Vergeblich.

Der Einspieler als Dramaturgie

Danach lief das bekannte Muster: ein Zusammenschnitt, in dem ein syrischer Arzt, eine Lehrerin und eine Stiftungsgeschäftsführerin ihre Furcht vor einer AfD-Regierung schilderten. Der Eindruck, der entstehen sollte: Ein ganzes Bundesland zittere vor der "Machtübernahme".

Kritiker des Formats bemängeln seit Jahren, dass emotional aufgeladene Montagen dieser Art beim Gebührenfunk auffällig einseitig verteilt seien. Chrupalla reagierte fast zu defensiv – er fragte lediglich, welcher AfD-Politiker jemals gefordert habe, integrierte Fachkräfte müssten das Land verlassen.

Zwei Drittel der Sendezeit für Personalfragen

Bemerkenswert war die Gewichtung. Rund zwei Drittel der halben Stunde drehten sich um Personalien; Chrupalla selbst merkte an, man rede "schon fast 20 Minuten über diese Dinge". Ein Einspieler zielte auf das Umfeld von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund und legte Verbindungen einzelner Mitarbeiter zu rechtsextremen Schulungszirkeln nahe.

Unerwähnt blieb dem Bericht zufolge, dass der Landesverband entsprechende Lebensläufe überprüfe. Rente, Migration, Sozialstaat, Wirtschaft? Fehlanzeige. Der Zuschauer, der Antworten auf Alltagssorgen suchte, blieb im Regen stehen.

Stendal, Briefwahl – und offene Flanken

Beim Vorschlag freiwilliger Bürgerwachten brachte Preiß einen Vorfall in Stendal ins Spiel, bei dem ein AfD-Europapolitiker beteiligt gewesen sein soll und ein 14-Jähriger verletzt wurde. Dass die Ermittlungen laufen und die Unschuldsvermutung gilt, kam nur am Rande vor. Chrupalla verwies darauf, der Sachverhalt sei "Bestandteil der Ermittlungen", Selbstjustiz lehne man ab.

Nicht alles überzeugte jedoch auf Seiten des Gastes: Beim Thema Briefwahl in Pflegeheimen räumte Chrupalla ein, geschilderte Fälle "nicht nachprüfen" zu können – hielt die Vorwürfe aber aufrecht. Wer schwere Manipulationen behauptet, muss Belege liefern. Auch die Machtfrage blieb unscharf: Siegmund will allein regieren, Gespräche mit CDU oder BSW lehnt er vorab ab. Der Bundesvorstand mische sich nicht ein, sagte Chrupalla. Wer die "Brandmauer" der anderen geißelt, muss sich fragen lassen, wie ernst die eigene ausgestreckte Hand gemeint ist.

Die Zahlen im Hintergrund

Der Druck ist real: Laut einer Infratest-dimap-Erhebung von Ende Juli kam die AfD in Sachsen-Anhalt auf 41 Prozent, die CDU auf 24, die Linke auf 13, die SPD auf 7 und die Grünen auf 5 Prozent. 2021 hatte die AfD 20,8 Prozent geholt – eine Verdopplung. Gewählt wird am 6. September.

Wer solche Werte mit Angst-Einspielern beantwortet statt mit harten Sachfragen, treibt die Wähler nicht zurück, sondern womöglich weiter fort. Für viele Bürger ist genau das der Kern des Vertrauensverlusts in den Gebührenfunk.

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