
Angriff aufs Stromnetz: SEK stürmt Laster – Verdächtiger entkommt

Großfahndung im Rheinland: Nach einer Serie von Angriffen auf Umspannwerke in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg hat ein Spezialeinsatzkommando am Freitag bei Niederzier nahe dem Hambacher Forst einen auffälligen Laster gestürmt. Der gesuchte 48-Jährige aus Gevelsberg war nicht an Bord. Bis in die Nacht durchkämmten Beamte den Wald – ergebnislos.
Ein Bekennerschreiben mit Absenderadresse
Der Fall ist selbst für erfahrene Ermittler ungewöhnlich. Laut Medienberichten liegen den Behörden zwei handschriftliche Bekennerschreiben vor, in denen sich ein Mann mit vollem Namen und Anschrift zu den Taten bekennt. Ein Schreiben ging bei der Tageszeitung „taz“ ein, weitere sollen an andere Redaktionen gegangen sein.
NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) zeigte sich verblüfft über diese Selbstenttarnung:
„Das Bekennerschreiben ist insofern interessant, weil es mit dem persönlichen Namen unterschrieben ist – und mit der Adresse, das hat man eigentlich selten. Das haben wir noch nie erlebt.“
Die Ermittler halten die Schreiben für authentisch, weil der Verfasser Details der Tatausführung nennt, die zuvor nicht öffentlich waren. In der Wohnung des Mannes in Gevelsberg seien nach Angaben Reuls sprengstoffverdächtige Stoffe gefunden worden. Ob der Verdächtige allein handelte, ist offen. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Silvesterraketen gegen Hochspannung
Begonnen hatte die Serie am Dienstag im brandenburgischen Jänschwalde. Der Netzbetreiber 50Hertz sprach von selbstgebauten Flugkörpern, die handelsüblichen Silvesterraketen ähnelten. Damit sei leitfähiges Material in die Leitungen geschossen worden – Kurzschluss inklusive. Wenige Stunden später traf es ein Umspannwerk in Bergheim.
In Dormagen-Gohr entdeckte ein Spaziergänger am Donnerstagabend selbstgebaute Abschussrampen. Auch am Kraftwerk Weisweiler und an Anlagen im Landkreis Görlitz rückten Einsatzkräfte aus. Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) bestätigte den Fund unbekannter Sprengvorrichtungen an zwei Fundorten.
Als Motiv nennt der Verfasser der Schreiben Berichten zufolge den Kampf gegen fossile Energieträger – die Stromversorgung aus fossilen Brennstoffen sei „ein Verbrechen“. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Reul sprachen bei einer Pressekonferenz in Düsseldorf von Klimaextremismus und einer „hohen Bedrohungslage“.
Wie verwundbar ist Deutschland?
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) betonte, die Energieversorgung sei sicher, einzelne Haushalte seien nicht ohne Strom gewesen. Beruhigend? Nur bedingt. Denn ein Einzelner soll mit Bastelmaterial gleich mehrere Anlagen der kritischen Infrastruktur ins Visier genommen haben – und war Tage später noch auf freiem Fuß.
Aus Sicht unserer Redaktion legt dieser Fall eine unbequeme Wahrheit offen: Jahrelang wurde in Deutschland über Klimaziele, Verbotslisten und Symbolpolitik debattiert, während der handfeste Schutz von Umspannwerken, Leitungen und Kraftwerken sträflich vernachlässigt wurde. Reul räumte selbst ein, die kritische Infrastruktur müsse besser geschützt werden. Brandenburg kündigte ein eigenes Sicherheitszentrum an. Dobrindt forderte, Unternehmen müssten künftig Drohnen selbst abwehren dürfen.
Bemerkenswert bleibt der ideologische Hintergrund. Über Jahre wurde radikaler Klimaprotest in Teilen der Öffentlichkeit verharmlost. Wenn Innenminister nun offen von Klimaextremismus sprechen, ist das eine späte, aber notwendige Korrektur.
Für Bürger bleibt die nüchterne Erkenntnis: Versorgungssicherheit ist kein Naturgesetz. Wer breit vorsorgt – von Notvorräten bis hin zu physischen Edelmetallen als krisenfestem Baustein im Vermögen –, macht sich unabhängiger von Störungen, die niemand vorhersehen kann.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.

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