
Aluminium-Schock im Nahen Osten: Iranische Angriffe legen größte Golfproduzenten lahm – Preisexplosion droht
Was sich über das Wochenende als vage Befürchtung andeutete, hat sich nun zur handfesten Versorgungskrise ausgewachsen. Die Emirates Global Aluminium (EGA), der mit Abstand größte Aluminiumproduzent der Golfregion, hat den Betrieb in ihrer Anlage Al Taweelah in Abu Dhabi vollständig eingestellt. Der Grund: Iranische Raketen- und Drohnenangriffe vom Samstag haben ein Kraftwerk der Anlage schwer beschädigt. Damit tritt ein, wovor Rohstoffexperten seit Wochen gewarnt haben – der Nahostkonflikt greift nun direkt in die globalen Lieferketten ein.
Zwei Giganten der Branche gleichzeitig getroffen
Doch damit nicht genug. Auch die Aluminium Bahrain (ALBA), die weltweit größte Einzelstandort-Aluminiumschmelze mit einer Jahreskapazität von 1,6 Millionen Tonnen, wurde am selben Tag angegriffen und habe laut der Beratungsfirma Wood Mackenzie „erhebliche Schäden" erlitten. Die Anlage könne voraussichtlich nur noch bei etwa 30 Prozent Auslastung betrieben werden. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Zwei der wichtigsten Aluminiumproduktionsstätten der Welt – praktisch über Nacht lahmgelegt.
Die Zahlen sprechen eine brutale Sprache. Al Taweelah verfügt über eine Kapazität von rund 1,5 Millionen Tonnen pro Jahr, ALBA über 1,6 Millionen Tonnen. Zusammen mit weiteren betroffenen Anlagen wie Qatalum und Mozal rechnen Analysten mit einem Produktionsausfall von 3 bis 3,5 Millionen Tonnen – und das bei einer globalen Jahresproduktion von knapp 74 Millionen Tonnen. Das entspricht einem Angebotsschock von fast fünf Prozent. Bezogen auf die Produktion außerhalb Chinas sind es sogar 7,7 Prozent.
Goldman Sachs rechnet mit drastischem Preisanstieg
Ein Rohstoffspezialist von Goldman Sachs bezeichnete die Situation als den möglicherweise „größten Metallangebotsschock", den man sich vorstellen könne. Einige Händler würden bereits einen Aluminiumpreis von 4.500 US-Dollar ins Auge fassen – ein gewaltiger Sprung, der die ohnehin angespannte Lage in der verarbeitenden Industrie weiter verschärfen dürfte. An der Londoner Metallbörse (LME) sind die Aluminium-Futures seit den Angriffen bereits massiv gestiegen und notieren rund 50 Prozent über dem Niveau von vor einem Jahr.
Die Problematik geht dabei weit über die unmittelbaren Produktionsausfälle hinaus. Schon vor den direkten Angriffen auf die Industrieanlagen hatte die faktische Sperrung der Straße von Hormus dazu geführt, dass den Produzenten in der Region kritische Vorprodukte fehlten. Eine Kaskade weiterer Produktionskürzungen sei zu erwarten, sollte die Meerenge nicht bald wieder geöffnet werden.
Europa besonders verwundbar
Der Nahe Osten liefert etwa neun Prozent des weltweiten Aluminiums. EGA und andere Produzenten der Region versorgen Hersteller in Europa, Asien und den USA – also genau jene Wirtschaftsräume, die ohnehin unter den Folgen geopolitischer Verwerfungen ächzen. Für die europäische Industrie, die bereits unter hohen Energiekosten und der amerikanischen Zollpolitik unter Präsident Trump leidet, kommt dieser Angebotsschock zur denkbar ungünstigsten Zeit.
Die Frage, wie der Markt das Defizit ausgleichen kann, ist alles andere als trivial. Zunächst müssten die LME-Lagerbestände angezapft werden – was jedoch dadurch erschwert wird, dass nicht alle Marktteilnehmer russische Einheiten abnehmen können oder wollen. Sodann müsste China seine Exportsteuer auf Aluminium überdenken und die eigene Produktion hochfahren. Doch ob Peking bereit ist, seine streng rationierten Energiezuteilungen zugunsten westlicher Abnehmer umzuschichten, darf bezweifelt werden.
Edelmetalle als Fels in der Brandung
Die Eskalation im Nahen Osten – von den israelischen Angriffen auf iranische Atomanlagen bis hin zu den iranischen Vergeltungsschlägen auf die Golfstaaten – zeigt einmal mehr, wie fragil die globalen Lieferketten und Rohstoffmärkte sind. In Zeiten, in denen geopolitische Konflikte industrielle Infrastruktur zerstören und ganze Märkte ins Wanken bringen, erweist sich einmal mehr der Besitz physischer Edelmetalle als kluger Baustein einer vorausschauenden Vermögenssicherung. Gold und Silber kennen keine Produktionsausfälle durch Drohnenangriffe – und ihre Wertbeständigkeit hat sich über Jahrtausende bewährt, ganz gleich welche Krisen die Welt erschütterten.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, gründlicher Recherche basieren. Wir übernehmen keine Haftung für finanzielle Entscheidungen, die auf Grundlage dieses Beitrags getroffen werden. Konsultieren Sie im Zweifelsfall einen qualifizierten Finanzberater.

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