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Abschied vom Forint? Ungarn greift nach dem Euro – zu welchem Preis?

Abschied vom Forint? Ungarn greift nach dem Euro – zu welchem Preis?
Symbolbild: KI-generiert

Ein halbes Jahr nach dem Machtwechsel in Budapest sagt Ministerpräsident Péter Magyar klar, wohin er will: Ungarn soll den Euro bekommen. Bis 2030 will die neue Regierung die Beitrittskriterien erfüllen, Finanzminister András Kármán nennt 2032 als möglichen Termin. Der Weg dorthin führt allerdings über einen harten Sparkurs, und den bezahlen die Bürger.

Neuanfang nach 16 Jahren Orbán

Nach 16 Jahren unter Viktor Orbán gewann Magyars Tisza-Partei bei der Parlamentswahl eine Zweidrittelmehrheit. Mit dieser Mehrheit kann das Kabinett auch unpopuläre Reformen durchsetzen. In Budapest gilt der Euro-Kurs als Zeichen für einen wirtschaftlichen und institutionellen Neustart.

Überstürzen will man trotzdem nichts. Kármán betonte, Ungarn werde nicht vorschnell dem Wechselkursmechanismus ERM II beitreten. In diesem Vorraum zum Euro muss eine Landeswährung mindestens zwei Jahre ohne starke Spannungen an den Euro gekoppelt sein.

Das Defizit-Problem: 7,5 Prozent und ein steiler Abstieg

Die Zahlen sind ernüchternd. Als die Regierung antrat, lag das Haushaltsdefizit bei 7,5 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das ist mehr als doppelt so viel, wie die Maastricht-Grenze von 3 Prozent erlaubt. Der Plan sieht so aus:

  • 2027: 4,9 Prozent
  • 2028: 4,0 Prozent
  • 2029: 3,4 Prozent
  • 2030: 2,8 Prozent

Reicht das? Wohl kaum. Die Denkfabrik Bruegel hält langfristig ein strukturelles Defizit von nur 1 bis 1,5 Prozent für nötig, damit ein echter Puffer entsteht. Dazu kommt die Staatsverschuldung: Mit 75 bis 79 Prozent des BIP liegt sie deutlich über dem Referenzwert von 60 Prozent.

Wer die Rechnung bezahlt

Das Kabinett erhöht die Steuern. Höhere Abgaben auf Alkohol und Tabak treffen die breite Bevölkerung. Dazu kommen eine Vermögensteuer, das Schließen von Steuerschlupflöchern und höhere Abgaben für Großkonzerne. Bleiben Kapital und Investoren dann im Land? Das ist offen. Die Erfahrung zeigt: Vermögen wandert gern dorthin, wo es willkommen ist.

Geringverdiener sollen dagegen entlastet werden. Der BNY-Ökonom Geoff Yu sprach gegenüber der „WELT“ von einem „freiwilligen Sparprogramm, das für Ungarn schmerzhaft werden könnte“.

Brüssel kontrolliert den Geldhahn

Hilfe erhofft sich Budapest aus Brüssel. Ende Mai einigten sich Magyar und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen darauf, 16,4 Milliarden Euro eingefrorener Mittel freizugeben. Anfang Oktober gab der Rat die ersten 4,2 Milliarden frei. Der Rest ist an Bedingungen geknüpft: Verfassungsänderungen, Korruptionsbekämpfung, den Beitritt zur Europäischen Staatsanwaltschaft und, bei 2,2 Milliarden, „Verbesserungen bei der akademischen Freiheit“.

Kritiker dürften darin ein bekanntes Muster sehen: Geld nur gegen Wohlverhalten. Auch bei der Notenbank MNB verlangt Brüssel mehr Transparenz, etwa zu deren negativem Eigenkapital.

Die Märkte jubeln – vorerst

Die Finanzmärkte geben einen Vertrauensvorschuss. Die Ratingagentur Scope hob den Ausblick für ungarische Anleihen auf „positiv“. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen fiel von rund 6,5 auf 5,5 Prozent. Nach der Vorstellung des Haushalts 2027 gab der Forint jedoch nach, der Euro stieg auf mehr als 367 Forint. Die Inflation lag im September laut Statistikamt KSH bei 1,6 Prozent. Das ist allerdings nur eine Momentaufnahme.

Eigene Währung oder Stabilitätsversprechen?

Ein Euro-Beitritt hätte seinen Preis. Ohne den Forint verlöre Ungarn die eigene Geldpolitik und den Wechselkurs als Puffer in Krisen. Schocks müssten dann über Löhne, Preise und Arbeitsplätze abgefangen werden. Griechenland hat in der Schuldenkrise schmerzhaft erfahren, was das bedeutet. Weil die Produktivität nur langsam wächst und die Löhne schnell steigen, droht Ungarn zudem Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.

Die Deutschen wissen aus eigener Erfahrung, dass auch der Euro nicht vor Kaufkraftverlust schützt. Wer sein Vermögen unabhängig von Währungsexperimenten absichern will, kann physisches Gold und Silber als bewährte Ergänzung in einem breit gestreuten Vermögen nutzen. Das gilt unabhängig davon, ob in Budapest künftig mit Forint oder mit Euro bezahlt wird.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser muss eigenständig recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.

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