
91,9 Prozent für den Kanzler-Vertrauten: Wie die Unionsfraktion ihren eigenen Aufstand absagte

Es hätte der Moment werden können, in dem eine Fraktion ihrem Kanzler die Rechnung präsentiert. Stattdessen wurde es ein Ritual der Ergebenheit. Thorsten Frei, bis dato Kanzleramtsminister und damit engster Mitarbeiter von Friedrich Merz, ist von der CDU/CSU-Bundestagsfraktion mit 91,9 Prozent zum neuen Fraktionsvorsitzenden gewählt worden. Ein Ergebnis, das man in westlichen Parlamenten selten sieht – und das, wie Beobachter spöttisch anmerken, in anderen historischen Zusammenhängen als Zeichen besonders ausgeprägter Einigkeit galt.
Ein Wunschkandidat, wie aus dem Katalog
Frei war nicht irgendein Kandidat. Er war der Kandidat der Parteispitze, aufgestellt in einer Sonder-Fraktionssitzung, nachdem der Rücktritt von Jens Spahn eine Lücke gerissen hatte. Wer erwartet hatte, dass die Abgeordneten diese Wahl nutzen würden, um dem Kanzler einen Denkzettel zu verpassen, wurde enttäuscht. Im Gegenteil: Frei liegt deutlich über dem Ergebnis seines Vorgängers Spahn, der zuletzt bei 86,5 Prozent landete. Auch Merz selbst hat als Fraktionschef schlechter abgeschnitten.
Bemerkenswert bleibt dennoch die Delle: Als Parlamentarischer Geschäftsführer wurde Frei einst mit 99,4 Prozent bestätigt. Sieben Prozentpunkte weniger sind in dieser Disziplin fast schon eine Ohrfeige – nur eben eine mit Samthandschuh.
Die Stimmung? Am Boden
Aus informierten Kreisen heißt es, die Laune in der Fraktion befinde sich auf einem Tiefpunkt. Nach der Wahl stand die lange angekündigte Aussprache an, und im Vorfeld war von einer harten Abrechnung mit dem Kurs des Kanzlers die Rede – nicht nur, aber vor allem wegen seiner Personalentscheidungen der letzten Wochen.
Merz selbst soll in der Fraktion erklärt haben, der Rücktritt Spahns habe ihm „Entscheidungsnotwendigkeiten" aufgezwungen. Er hätte sich gern mehr Zeit genommen, gern einen anderen Zeitpunkt gewählt. Man muss diesen Satz zweimal lesen, um seine ganze Schönheit zu erfassen: Der Regierungschef der größten Volkswirtschaft Europas erklärt seiner eigenen Fraktion, dass er unter Zeitdruck gehandelt habe.
Wer die Union wählt, wählt längst nicht mehr das, was auf dem Etikett steht – so lautet der Vorwurf, der aus der eigenen Wählerbasis immer lauter wird.
Was von der konservativen Wende übrig blieb
Erinnern wir uns: Im Wahlkampf 2025 versprach Merz die Rückkehr zur Vernunft. Keine neuen Schulden, hieß es. Dann kamen 500 Milliarden Euro Sondervermögen und die Klimaneutralität ins Grundgesetz. Kurskorrektur bei der Migration? Ein Grenzregime, das man mit der Lupe suchen muss. Und nun eine Fraktion, die ihren eigenen Unmut in ein Zustimmungsergebnis von über 90 Prozent für den Vertrauten des Kanzlers verpackt.
Man kann das Disziplin nennen. Man kann es auch anders nennen. In den Kommentarspalten konservativer Medien fällt das Urteil jedenfalls unmissverständlich aus – dort ist von Unterwerfungsgesten die Rede, von Ja-Sagern, von einer Partei, die im Wahlkampf konservativ spielt und im Regierungsalltag sozialdemokratische Wunschlisten abarbeitet.
Der eigentliche Verlierer sitzt zu Hause
Wer glaubt, all das sei bloß Berliner Personalgeplänkel, irrt. Denn eine Fraktion, die ihre Kontrollfunktion aufgibt, produziert Politik ohne Widerstand. Und Politik ohne Widerstand bedeutet in diesem Land seit Jahren: mehr Schulden, mehr Umverteilung, mehr Belastung für jene, die morgens aufstehen und arbeiten. Die Inflation, die aus den Milliardenpaketen erwachsen wird, zahlt kein Fraktionsvorsitzender. Sie zahlt der Sparer, der Rentner, der Familienvater.
Wer sein Vermögen vor dem stillen Zugriff durch Geldentwertung schützen will, hat sich traditionell nach Sachwerten umgesehen, die keine Regierung durch Beschluss vermehren kann. Physisches Gold und Silber gehören seit Jahrtausenden zu diesen Ankern – als Ergänzung eines breit gestreuten Portfolios, nicht als Wunderwaffe, aber als Versicherung gegen politische Unvernunft.
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