
27 Milliarden extra fĂĽr Kiew: Europas Diplomaten werden misstrauisch

Die Ukraine braucht noch in diesem Jahr zusätzlich 27 Milliarden Dollar – und bei ihren Geldgebern reißt langsam die Geduld. Laut einem Bericht der Washington Post zweifeln mehrere europäische Diplomaten und EU-Beamte offen an Kiews Haushaltsplanung. Manche vermuten hinter der Forderung sogar ein politisches Manöver, um Brüssel unter Druck zu halten.
„Wie eine Bombe eingeschlagen“
Die Vorgeschichte: Europas Regierungen glaubten, mit einem Paket von ĂĽber 100 Milliarden Dollar den ukrainischen Finanzbedarf fĂĽr dieses und das kommende Jahr im Wesentlichen abgedeckt zu haben. Ende August folgte die ErnĂĽchterung.
Ein hochrangiger europäischer Diplomat beschrieb dem Bericht zufolge die Wirkung der Nachricht in der „Koalition der Willigen“ mit deutlichen Worten:
„wie eine Bombe eingeschlagen“
Derselbe Diplomat habe von Kiew ernsthafte Sparmaßnahmen und eine geordnete Arbeit des Parlaments verlangt. Für interne Machtkämpfe sei jetzt keine Zeit – ohne erfüllte Auflagen kein Geld von EU und IWF. Zwei weitere Diplomaten sollen erklärt haben, dass sie Abweichungen erwartet hätten, nicht aber dieses Ausmaß. EU-Beamte hätten „ernsthafte Fragen“, wie die 27 Milliarden überhaupt berechnet wurden. Ein in Kiew tätiger Vertreter habe das Vorgehen als „nicht gerade koscher“ bezeichnet.
Kiew zeigt zurĂĽck nach Westen
Ukrainische Vertreter und Ökonomen widersprechen. Sie führen die Lücke auf die explodierenden Kosten eines technologieintensiven Drohnenkrieges und auf schrumpfende Hilfen zurück. Die vom Kieler Institut für Weltwirtschaft erfassten Militärhilfen sanken dem Bericht zufolge von rund 26,1 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr 2025 auf etwa 19,6 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr 2026.
Hinzu kämen höhere Soldatenbezüge, die im Originalhaushalt gar nicht vorgesehen waren. Noch Ende Juni sei man beiderseits davon ausgegangen, dass die große Lücke erst 2027 aufreißt. Finanzminister Serhij Martschenko bestätigte, dass wegen verzögerter internationaler Zahlungen bereits Staatsausgaben gekürzt wurden. Auch intern wird gestritten: Präsident Selenskyj verwies laut Berichten auf Mittel, die das Verteidigungsministerium unter dem früheren Minister Mychajlo Fedorow vorzeitig ausgegeben habe – Fedorow wies das zurück.
Wer zahlt am Ende die Rechnung?
EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis erklärte, man arbeite gemeinsam mit dem IWF daran, den dringenden Bedarf und die nötigen Reformen zu bestimmen. Der naheliegende Ausweg klingt nach klassischer Brüsseler Buchhaltung: Zahlungen aus 2027 einfach vorziehen. Das Loch wandert damit nur ins nächste Jahr.
Schweden, Polen und Spanien wollen zudem den Griff nach eingefrorenen russischen Vermögen wiederbeleben – ein Plan, der zuletzt am Widerstand Belgiens und Italiens scheiterte. Beide warnten vor Risiken für die Finanzstabilität und vor russischen Gegenmaßnahmen. Medienberichten zufolge liegen die immobilisierten russischen Staatsguthaben in der EU bei rund 210 Milliarden Euro; Belgien stemmt sich weiter dagegen.
Gleichzeitig wächst der militärische Bedarf. Russland produziere rund 140 ballistische Raketen pro Monat, so Selenskyj – zur Abwehr brauche die Ukraine 280 Abfangraketen. Die sind knapp. Und teuer.
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Fall vor allem eines: Wenn Haushalte im Krisenmodus geplant werden, tragen am Ende die europäischen Steuerzahler das Risiko – während zu Hause über Rente, Energiepreise und Infrastruktur gestritten wird. Wer sein Vermögen gegen solche Unsicherheiten absichern will, denkt traditionell auch an physische Edelmetalle als krisenerprobte Beimischung.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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