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22 Lkw, null Subventionen: Was deutsche Speditionen von Slowenien lernen

22 Lkw, null Subventionen: Was deutsche Speditionen von Slowenien lernen
Symbolbild: KI-generiert

Die Kosten steigen, Fahrer fehlen und der Preiskampf wird härter: Europas Transportbranche steht unter Druck. Ein kleiner Familienbetrieb aus dem slowenischen Kanižarica schreibt trotzdem schwarze Zahlen. West Transport fährt mit 22 Mercedes-Lastwagen durch Europa, auch nach Deutschland, und will ganz bewusst nicht weiter wachsen.

Ein gebrauchter Kurzhauber und ein kaputter Reifen

Angefangen hat alles 1987, noch im sozialistischen Jugoslawien. France und Edica Tkalčič gaben damals sichere Arbeitsplätze auf. Er war sieben Jahre lang Fernfahrer beim Unternehmen Avto Kočevje gewesen. Sie arbeitete in der kaufmännischen Abteilung eines Braunkohlebergwerks. Mit ihren Ersparnissen kauften sie einen gebrauchten Mercedes-Benz Kurzhauber.

Kurz nach dem Start war ein Reifen beschädigt. Für ein Paar ohne finanzielle Rücklagen sei das eine große Belastung gewesen, erinnert sich Edica Tkalčič. Aufgegeben haben die beiden nicht. Im Januar 1992, wenige Monate nach der Unabhängigkeit Sloweniens, ließen sie die Firma offiziell ins Handelsregister eintragen. Die heutige Eigentümerin und Prokuristin hat übrigens nach eigenen Angaben nie einen Lkw-Führerschein gemacht.

Kleine Flotte, solide Bilanz

Heute hat das Unternehmen 22 Lastwagen: 17 Sattelzugmaschinen mit je 90 Kubikmetern Ladevolumen und fünf Lastzüge mit Anhänger für bis zu 120 Kubikmeter. Im Schnitt sind die Fahrzeuge nur zweieinhalb Jahre alt. Alle dürfen Gefahrgut transportieren, und ihre Fahrten werden per Navigationssystem verfolgt. Die Firma kauft seit dem ersten Tag nur Mercedes-Benz, inzwischen auch das Modell Actros.

Für das Jahr 2025 meldet die Firma 4,1 Millionen Euro Umsatz, rund 102.000 Euro Gewinn und 27 Beschäftigte. Der Wirtschaftsinformationsdienst CompanyWall bewertet ihre Kreditwürdigkeit laut dem Bericht mit A+. Gut 2,5 Prozent Gewinnmarge klingen nach wenig. In einer Branche, in der Maut, Diesel, Versicherungen, Reifen und Löhne jeden Kilometer teurer machen, ist das aber ein gutes Ergebnis. Innerhalb Sloweniens verspricht West Transport die Lieferung binnen 24 Stunden, im übrigen Europa meist in 48 bis 96 Stunden.

Fahrer sind Menschen, keine Kostenstelle

Am meisten zählt in diesem Geschäft das Personal. Slowenische Fahrer würden immer seltener, berichtet die Gründerin. Immer mehr kämen aus den anderen Ländern des früheren Jugoslawiens. Viele wechselten ständig den Arbeitgeber, und solche Fahrer passten nicht zu ihrer Firma.

„Für uns sind die Fahrer Menschen und keine Zahlen.“

Das zahlt sich aus. Kaum ein Fahrer kündigt, daher stellt die Firma pro Jahr nur ein oder zwei neue ein, meist auf Empfehlung der eigenen Leute. Die Fahrer sind oft einen Monat unterwegs und danach eine Woche zu Hause. Dafür verdienen sie nach Angaben des Unternehmens gut und können einen Teil ihres Lohns sparen.

Mehr als nur Fracht

West Transport bietet außerdem ein Lager, eine eigene Werkstatt, einen Reifenservice, eine Lkw-Waschanlage und Parkplätze an. Diese Leistungen nutzen auch Lastwagen anderer Firmen. Die Familie verdient also nicht mehr nur an gefahrenen Kilometern, und das macht sie unabhängiger.

Vom Staat allein gelassen

Gegenüber der Politik in ihrem Land äußert sich die Unternehmerin deutlich. Andere Branchen bekämen Fördermittel, teils sogar Zuschüsse, die sie nicht zurückzahlen müssten. Die Transportfirmen gingen dagegen leer aus. Der Staat verstehe nicht, wie wichtig die Branche sei:

„Jedes Lebensmittel, jedes Medikament und jedes Material muss schließlich transportiert werden.“

Deutsche Spediteure dürften das gut kennen. Nach Einschätzung des Bundesverbands Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung fehlen hierzulande rund 120.000 Lkw-Fahrer. Hinzu kommt die Lkw-Maut, die seit Dezember 2023 mit dem CO2-Aufschlag deutlich teurer geworden ist. Aus Sicht unserer Redaktion zeigt das ein bekanntes Muster: Berlin verlangt von der Logistik immer mehr, entlastet sie aber kaum.

Bescheidenheit mit Absicht

Inzwischen führt die zweite Generation das Unternehmen. Tanja Tkalčič Vrščaj ist Geschäftsführerin, ihr acht Jahre jüngerer Bruder Erik leitet die Werkstatt. Die Mutter ist im Ruhestand, hilft aber weiter mit ihrer Erfahrung. Pläne für eine Expansion gibt es vorerst nicht:

„Die Zeiten sind unsicher, weshalb wir derzeit nicht expandieren werden. Wir setzen stattdessen weiter auf unsere solide Grundlage.“

Viele Unternehmen wachsen auf Pump und hoffen auf Fördergeld. Diese Familie setzt dagegen auf eigene Ersparnisse, Verlässlichkeit und Vorsicht. Damit hat der Betrieb aus einem Ort, den viele Slowenen nicht einmal kennen, fast vier Jahrzehnte überstanden, ohne Subventionen.

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