
20,51 Tage krank: Der Bund fehlt häufiger als jeder Arbeitnehmer

Die Beschäftigten der Bundesverwaltung waren im Jahr 2024 im Schnitt 20,51 Arbeitstage krankheitsbedingt abwesend. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. In einer Laufbahngruppe klettert der Wert sogar auf fast 35 Tage.
Fast sechs Tage über dem Rest der Republik
Zum Vergleich: Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes fehlten Arbeitnehmer in Deutschland 2024 durchschnittlich 14,8 Arbeitstage. Zwischen Behördenschreibtisch und Werkbank klafft damit eine Lücke von knapp sechs Tagen.
Der Abstand wird noch bemerkenswerter, wenn man ihn nach Laufbahnen aufschlüsselt. Denn dort zeigt sich ein Muster, das man in der freien Wirtschaft in dieser Deutlichkeit selten findet.
- Einfacher Dienst: 34,66 Fehltage – rund 20 Tage mehr als der Bundesschnitt
- Mittlerer Dienst: 25,45 Tage
- Gehobener Dienst: 17,63 Tage
- Höherer Dienst: 10,97 Tage – weniger als ein Drittel des Werts im einfachen Dienst
Beamte und Richter kamen laut der Regierungsantwort auf 20,13 Tage, Tarifbeschäftigte auf 22,68 Tage. Wer im einfachen Dienst arbeitet, war also – zusätzlich zum Urlaub – mehr als einen ganzen Monat nicht am Arbeitsplatz.
Oben Ministerium, unten nachgeordnete Behörde
Auch zwischen den Ebenen liegen Welten. In den obersten Bundesbehörden lag die Fehlzeit bei 15,20 Tagen, in den nachgeordneten Geschäftsbereichsbehörden bereits bei 21,09 Tagen.
Spitzenreiter unter den Ressorts ist den Angaben zufolge der Bundesrat mit 25,15 Fehltagen je Beschäftigtem, gefolgt vom Bereich der Kulturstaatsministerin (23,55) und dem Bundesverteidigungsministerium (23,33). Beim Bundestag waren es 22,34, im Innenministerium 21,00 Tage. Den niedrigsten Wert meldete der Unabhängige Kontrollrat mit 11,65 Tagen.
Immerhin: Die Fehlzeiten seien wieder leicht rückläufig, heißt es. Nach der Corona-Pandemie waren sie kräftig nach oben geschossen. Zahlen für 2025 liegen noch nicht vor.
134 Milliarden Euro – der Preis des Fehlens
Was Ausfalltage volkswirtschaftlich bedeuten, hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin für 2024 berechnet: 881,5 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage, daraus geschätzte Produktionsausfälle von rund 134 Milliarden Euro und ein Ausfall an Bruttowertschöpfung von etwa 227 Milliarden Euro.
Die Politik hat das Thema erkannt – zumindest rhetorisch. Anfang Juli forderte die Union in einem Papier, telefonische Krankschreibungen abzuschaffen und die Vorlage der Krankmeldung schon ab dem ersten Tag zu verlangen. Auffällig nur: Debattiert wird vor allem über Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft.
Aus Sicht unserer Redaktion drängt sich eine unbequeme Frage auf: Wer Leistungsbereitschaft von Handwerkern, Pflegekräften und Mittelständlern einfordert, sollte zuerst im eigenen Apparat nachsehen. Für viele Bürger, die jeden Krankheitstag mit dem Chef abstimmen müssen, dürften diese Zahlen wie ein Schlag ins Gesicht wirken.
Ein Staat, der sich selbst nicht misst
Deutschland leistet sich einen wachsenden Verwaltungsapparat in einer Phase wirtschaftlicher Schwäche – bei über drei Millionen Arbeitslosen und einem 500-Milliarden-Euro-Schuldenpaket, das kommende Generationen bezahlen sollen. Wer Vertrauen in staatliche Institutionen zurückgewinnen will, kommt an Transparenz und klaren Leistungsmaßstäben in der eigenen Verwaltung kaum vorbei.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung dar. Für eigene Entscheidungen ist jeder Leser selbst verantwortlich.












