
1400 Euro im Monat: Jeder fünfte Rentner rutscht durchs Raster

Ein Leben lang gearbeitet, Beiträge gezahlt, Steuern abgeführt – und im Alter reicht es trotzdem nicht für die Mittelschicht. Neue Auswertungen des Statistischen Bundesamtes, über die aktuell berichtet wird, zeichnen ein ernüchterndes Bild: Jede fünfte Person ab 65 Jahren im Ruhestand hat monatlich höchstens 1400 Euro zur Verfügung. Betroffen sind vor allem Frauen.
Wo die Mittelschicht überhaupt beginnt
Die Definitionen gehen auseinander. Die Bertelsmann Stiftung zählt Alleinstehende mit bis zu 1500 Euro verfügbarem Monatseinkommen zur unteren Schicht; bis 4000 Euro folgt die Mitte, darüber die Oberschicht. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) setzt die Schwelle für Singles bei 1850 Euro netto an – die oberste Stufe beginnt dort erst bei 5780 Euro.
Für Familien mit zwei Kindern gelten laut Bertelsmann jeweils die doppelten Werte. Wer als Vierpersonenhaushalt in die Oberschicht will, bräuchte demnach mindestens 8000 Euro im Monat.
Der typische Ruheständler liegt dazwischen: Das mittlere Nettoäquivalenzeinkommen im Ruhestand beträgt laut Destatis 1990 Euro, in der Gesamtbevölkerung 2300 Euro. Der Median heißt: Die eine Hälfte hat weniger, die andere mehr.
Lebensleistung unter der Armutsgrenze
Besonders bitter ist eine andere Zahl: Mehr als jeder fünfte Rentner und jede zweite Rentnerin erhielt trotz besonders langer Versicherungszeit eine gesetzliche Rente unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze. Diese lag 2025 nach amtlichen Angaben bei 1446 Euro monatlich.
45 Beitragsjahre – und am Ende ein Einkommen, das statistisch als armutsgefährdet gilt. Wer sich fragt, warum das Vertrauen in die politische Klasse erodiert, findet hier eine Antwort.
Frauen zahlen doppelt drauf
Die Lücke zwischen den Geschlechtern ist massiv. Frauen kommen im Schnitt auf 1720 Euro brutto, Männer auf 2320 Euro – inklusive Betriebsrenten, Pensionen und Hinterbliebenenrenten. Bei den Spitzenrenten wird es noch deutlicher: 2024 erhielten laut Deutscher Rentenversicherung nur 31.634 Personen 3000 Euro oder mehr im Monat. Darunter waren 28.867 Männer und lediglich 2767 Frauen.
Die Standardrente ist ein Rechenwert – kein Versprechen
Die vielzitierte Standardrente für 45 Jahre Durchschnittsverdienst lag seit Juli 2025 bei 1835,55 Euro brutto und 1612,53 Euro netto vor Steuern – gerade einmal am unteren Rand der rechnerischen Mittelschicht. Zum 1. Juli 2026 stiegen die Renten Medienberichten zufolge um 4,24 Prozent, der Rentenwert kletterte auf 42,52 Euro je Entgeltpunkt. Ob das die Kaufkraftverluste der vergangenen Jahre ausgleicht, darf bezweifelt werden.
Und der Durchschnitt aller Altersrenten? Ende 2024 lag der Zahlbetrag bei 1154 Euro – bei Männern 1405 Euro, bei Frauen 955 Euro.
Was das für die eigene Vorsorge bedeutet
Als grobe Orientierung gilt: Unter 1600 Euro netto wird es eng, komfortabel wird es meist ab rund 2000 Euro, für Paare ab gut 3100 Euro Haushaltsnetto. Für ein Leben in der Mitte reicht die gesetzliche Rente vielen nur, wenn Betriebsrente, private Vorsorge oder Vermögen hinzukommen.
Aus Sicht unserer Redaktion ist das die eigentliche Botschaft: Wer sich allein auf das Umlagesystem verlässt, verlässt sich auf politische Mehrheiten von morgen. Ein eigenes, greifbares Vermögen – breit gestreut, ergänzt um physische Edelmetalle als krisenerprobten Anker – bleibt die verlässlichere Größe.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben unsere Einschätzung auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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