
Washington und Caracas auf Kuschelkurs: Trump umarmt Maduros Erben

Kaum einen Monat nach dem spektakulären US-Militäreinsatz in Venezuela, der den linksnationalistischen Präsidenten Nicolás Maduro hinter Gitter brachte, vollzieht sich in Caracas ein bemerkenswerter diplomatischer Wandel. Die neue US-Geschäftsträgerin Laura Dogu ist in der venezolanischen Hauptstadt eingetroffen – ein Schritt, der die pragmatische Außenpolitik der Trump-Administration einmal mehr unter Beweis stellt.
Vom Feind zum Partner: Washingtons überraschende Kehrtwende
Die erfahrene Diplomatin, die zuvor als US-Botschafterin in Honduras und Nicaragua tätig war, verkündete ihre Ankunft über den Kurznachrichtendienst X mit den Worten: „Mein Team und ich sind bereit zu arbeiten." Venezuelas Außenminister Yván Gil empfing sie persönlich und sprach von einem gemeinsamen „Fahrplan für Themen von bilateralem Interesse". Man reibt sich verwundert die Augen.
Denn die Ironie der Geschichte könnte kaum größer sein: Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez, die Trump als „fantastisch" bezeichnet, war niemand Geringeres als Maduros Vizepräsidentin. Das Oberste Gericht des Landes – jenes Gericht, das unter Maduro als verlängerter Arm der Exekutive galt – setzte sie kurzerhand als Interimsstaatschefin ein. Und Washington? Applaudiert.
Massenamnestie als Versöhnungsgeste
Rodríguez kündigte derweil eine großangelegte Amnestie für politische Häftlinge an. Das entsprechende Gesetz soll den Zeitraum von 1999 bis heute umfassen – also praktisch die gesamte Ära des „Chavismus". Ziel sei es, so die Übergangspräsidentin vor dem Obersten Gericht, „die Verletzungen zu heilen, die die von Gewalt und Extremismus genährte politische Konfrontation hinterlassen hat".
Von der Amnestie ausgeschlossen bleiben lediglich wegen Mordes, Drogenhandels oder schwerer Menschenrechtsverstöße verurteilte Straftäter. Das berüchtigte Gefängnis El Helicoide in Caracas, in dem Gefangene unter Maduro gefoltert worden sein sollen, werde geschlossen und in ein „soziales, sportliches, kulturelles und Einkaufszentrum" umgewandelt.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache
Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Foro Penal sitzen in venezolanischen Gefängnissen noch immer mehr als 700 politische Gefangene ein. Seit dem Sturz Maduros seien 266 von ihnen freigelassen worden. Die venezolanischen Behörden sprechen sogar von über 800 Freilassungen. Die US-Botschaft bestätigte, dass alle in Venezuela inhaftierten US-Bürger auf freiem Fuß seien.
Öl als Schmiermittel der Diplomatie
Was treibt Trump zu dieser überraschenden Annäherung an die Erben des Maduro-Regimes? Die Antwort liegt, wie so oft, unter der Erde. Rodríguez hat eine Reform des venezolanischen Ölsektors eingeleitet, um diesen stärker für Investitionen von Privatunternehmen zu öffnen. Bisher befand sich die Erdölbranche des Landes weitgehend in staatlicher Hand.
Auch die Wiedereröffnung kommerzieller Flugverbindungen zwischen Venezuela und den USA, die seit 2019 eingestellt sind, steht auf der Agenda. Die US-Botschaft in Caracas war ebenfalls seit 2019 geschlossen; die diplomatische Vertretung hatte ihren Sitz seitdem in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá.
Die vergessene Opposition
Trumps Unterstützung für Rodríguez ist ein herber Rückschlag für die konservative venezolanische Oppositionschefin María Corina Machado. Sie hatte jahrelang im Untergrund gelebt und hält sich derzeit im Nachbarland Kolumbien auf. Ihre Hoffnungen auf eine Rückkehr an die Macht dürften sich vorerst zerschlagen haben.
Die Entwicklungen in Venezuela zeigen einmal mehr, dass in der internationalen Politik Pragmatismus über Prinzipien triumphiert. Trump hatte nach der Gefangennahme Maduros noch verkündet, Venezuela stehe nun unter der Kontrolle der USA. Nun scheint er sich mit einer Regierung zu arrangieren, die personell eng mit dem alten Regime verflochten ist – solange das Öl fließt.












