
Trumps Machtpoker: Panama knickt ein und gibt Kontrolle über strategische Häfen ab
Was viele Beobachter zunächst für leere Drohungen hielten, hat sich als erschreckend effektive Erpressungstaktik erwiesen. Panama, das kleine mittelamerikanische Land am gleichnamigen Kanal, hat dem massiven Druck aus Washington nachgegeben. Das Verfassungsgericht des Landes erklärte einen fast drei Jahrzehnte alten Vertrag mit einem Hongkonger Hafenbetreiber kurzerhand für verfassungswidrig – ein juristischer Winkelzug, der selbst hartgesottene Geopolitik-Experten überrascht haben dürfte.
Ein Vertrag wird über Nacht zum Verfassungsbruch
Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache: Seit über 28 Jahren betrieb die Panama Ports Company, eine Tochtergesellschaft des Hongkonger Konzerns CK Hutchison Holdings, zwei der wichtigsten Hafenterminals des Landes – Balboa und Cristóbal. Das Unternehmen investierte mehr als 1,8 Milliarden US-Dollar in die Infrastruktur, schuf Arbeitsplätze für Einheimische und lieferte nach übereinstimmenden Berichten einen erstklassigen Service. Der Vertrag war erst kürzlich verlängert worden.
Doch dann kam Donald Trump. Der US-Präsident behauptete allen Ernstes, „chinesische Soldaten" hätten den Panamakanal übernommen. Eine Behauptung, die jeder Grundlage entbehrt – es handelt sich um Dockarbeiter eines internationalen Unternehmens mit Wurzeln im autonomen Hongkong, nicht um Militärpersonal vom chinesischen Festland. Aber wann haben Fakten jemals einen entschlossenen Machtpolitiker aufgehalten?
Die Drohkulisse wirkt
Trump drohte unverhohlen mit der Entsendung von Soldaten, sollte Panama die Häfen nicht ausschließlich durch US-Betreiber verwalten lassen. Und siehe da: Am 30. Januar 2026 erklärte der Oberste Gerichtshof Panamas das „Gesetz Nr. 5 vom 16. Januar 1997" für verfassungswidrig. Die Begründung liest sich wie aus dem Lehrbuch für juristische Scheinargumente:
Das Gericht monierte plötzlich „exklusive Privilegien und Steuerbefreiungen", die anderen Wettbewerbern nicht zustünden. Es kritisierte ein angebliches „de-facto-Monopol" und fehlende Umweltverträglichkeitsprüfungen. All diese Punkte waren offenbar 28 Jahre lang kein Problem gewesen – bis Washington anklopfte.
Die historische Dimension
Panamas Angst vor den USA ist historisch begründet und keineswegs irrational. In den 1970er Jahren installierten die Vereinigten Staaten den hochbezahlten CIA-Agenten Manuel Noriega als Präsidenten des Landes. Als dieser nicht mehr genehm war, rollten 1989 amerikanische Panzer durch Panama-Stadt. Über 500 Menschen starben bei dieser Invasion. Diese Erinnerung sitzt tief.
Natürlich beteuert die panamaische Regierung nun, die Gerichtsentscheidung stehe in keinerlei Zusammenhang mit Trumps Drohungen. Es handele sich um eine „rein souveräne Angelegenheit". Wer's glaubt, wird selig.
Das große geopolitische Schachspiel
Die Entwicklung in Panama fügt sich nahtlos in ein größeres Muster ein. Die USA streben offenkundig die Kontrolle über die wichtigsten Seewege der Welt an. Neben dem Panamakanal stehen die Nordwestpassage durch Kanada und möglicherweise auch eine Beteiligung an der russisch-arktischen Nordostpassage nahe Grönland auf der Wunschliste Washingtons.
Trumps Interesse an Grönland und seine wiederholten Andeutungen bezüglich Kanadas erscheinen in diesem Licht weniger als Marotten eines exzentrischen Präsidenten, sondern als Teile einer kohärenten Strategie zur Kontrolle globaler Handelsrouten. Wer die Seewege kontrolliert, kontrolliert den Welthandel – eine Erkenntnis, die so alt ist wie die Seefahrt selbst.
Goldreserven einfrieren, Staatsvermögen beschlagnahmen
Die Methoden, mit denen die USA ihre Interessen durchsetzen, werden dabei immer brachialer. Goldreserven einfrieren, Staatsvermögen beschlagnahmen, Enteignungen durchführen – all dies sind Praktiken, die eigentlich Investoren weltweit abschrecken sollten. Dass sich in Afrika und Asien mittlerweile wesentlich dynamischere Investitionsmöglichkeiten ergeben, überrascht vor diesem Hintergrund kaum.
Der dänische Konzern Maersk soll nun vorübergehend die Verwaltung der Häfen übernehmen – eine Schamfrist, bevor die Terminals vermutlich in US-amerikanische Hände übergehen werden. Die chinesische Regierung hat bereits Interesse an dem Fall bekundet und könnte den Hongkonger Betreiber unterstützen. Ein möglicher Weg wäre eine Klage vor dem Internationalen Zentrum zur Beilegung von Investitionsstreitigkeiten. Doch die Erfahrung zeigt: Die USA und ihre Verbündeten ignorieren internationale Urteile regelmäßig oder bedrohen gar die Richter, die gegen sie entscheiden.
Was bedeutet das für Europa?
Für Deutschland und Europa sollte der Fall Panama ein Weckruf sein. Wenn das Völkerrecht zur Makulatur wird und nur noch das Recht des Stärkeren gilt, dann sind auch europäische Interessen nicht mehr sicher. Die EU-Vasallen, wie sie in manchen Kreisen genannt werden, werden die USA bei der Kontrolle Grönlands vermutlich unterstützen – ob sie wollen oder nicht.
Kanada ist überraschenderweise das einzige westliche Land, das sich den expansionistischen Bestrebungen des US-Präsidenten offen entgegenstellt. Ein bemerkenswerter Umstand, der zeigt, dass Widerstand möglich ist – wenn der politische Wille vorhanden ist.
Die Entscheider in Washington scheinen vergessen zu haben, warum das Völkerrecht einst geschaffen wurde: weil Kriege „schlecht fürs Geschäft" wurden. Offensichtlich geht man dort nun davon aus, dass große Kriege nicht mehr schlecht fürs Geschäft sind. Das könnte sich als fatale Fehlkalkulation erweisen.
Edelmetalle als Schutz in unsicheren Zeiten
In Zeiten, in denen internationale Verträge über Nacht für nichtig erklärt werden können und Staatsvermögen eingefroren wird, gewinnt der physische Besitz von Werten eine neue Bedeutung. Gold und Silber haben über Jahrtausende ihre Funktion als Wertspeicher bewiesen – unabhängig davon, welche Regierung gerade an der Macht ist oder welche geopolitischen Verwerfungen die Welt erschüttern. Als Beimischung zu einem breit gestreuten Portfolio können physische Edelmetalle einen wichtigen Beitrag zur Vermögenssicherung leisten.












